„Same body, different pose“: Schlanke Frauen in vermeintlich unvorteilhaften Posen bleiben schlanke Frauen

Menschen mit normschönen, schlanken Körpern zeigen auf Instagram, dass sie in „ungünstiger Pose“ auch vermeintlich unvorteilhaft aussehen können. Das ist nicht ansatzweise so feministisch, wie sie denken. Ein Kommentar

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Same schlanker Body, different schlanke Pose. Foto: © @feminist / Instagram

Same body, different pose heißt ein Fototrend, der seit ein paar Wochen auf Instagram kursiert. Oder auch: Hauptsächlich dünne Frauen posieren in zwei unterschiedlichen Posen und stellen diese nebeneinander. Einmal mit eingezogenem Bauch und durchgestrecktem Rücken, sodass sie möglichst schlank und rank wirken, aka: die Instagram-Inszenierung. Dem gegenüber stellen sie eine zweite Aufnahme von sich: immer noch eine dünne Frau, aber bisschen Bauch rausgedrückt, Beine zusammen und – für alle, die den Unterschied nicht erkennen – bestenfalls extra noch mal mit „Reality“ betitelt.

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Zugegeben, der Grundgedanke hinter dieser Flut an Instagram-vs.-Reality-Bildern ist kein schlechter. Eigentlich wollen uns all diese Frauen sagen: Leute, was ihr auf Instagram seht, ist nicht alles echt. Die schicken Fotos entstehen nur durch gekonntes Posen. Auch wir dünnen, sportlichen Menschen haben Fettzonen und sehen anders aus, wenn wir uns anders hinstellen. Well, surprise! Letztlich handelt es sich aber einfach nur um dünne Frauen, die auf beiden Bildern dünn aussehen, aber Lob für ihren Mut bekommen und Komplimente erhalten, weil sie – na klar – auf beiden einfach sehr normschön aussehen.

Es liegt eben nicht nur an der Pose

Was diese Frauen aber nicht sagen: Überhaupt unterschiedliche Posen einnehmen zu können, setzt bereits ein bestimmtes Körperbild voraus. So stellt auch die Instagrammerin @danielleisanxious in einem Post fest: „Die Wahrheit ist, mein Körper wird diese Posen niemals nachstellen können, weil ich nicht schlank bin. Ich kann nicht einfach nur anders posen, um eine Thigh Gap zu bekommen. Ich kann meine Unterwäsche nicht strategisch positionieren, um eine dünnere Taille zu haben. (…) Mein Körper sorgt dafür, dass ,unterschiedliche‘ Posen gleich aussehen. Ich werde fett wirken, so oder so.“ Sie könne die Abscheu, die ihrem Körper entgegengebracht werde, nicht einfach „wegposieren“.

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Während sich dünne Frauen dafür feiern, auch ihr – aus ihrer Sicht – „unschönes Ich“ zu zeigen und hoffen, damit auch andere Frauen zu empowern, betonen sie letztlich nur wieder ein Schönheitsbild, von dem wir uns eigentlich endlich verabschieden sollten, nämlich das der schlanken, sportlichen Frau. Ja, in der sexistischen, rassistischen Gesellschaft, in der wir leben, haben natürlich auch diese Frauen mit Unsicherheiten und Komplexen zu kämpfen, auch sie unterliegen gewaltvollen Schönheitsidealen. Jedoch brechen sie nicht mit diesen Idealen, sie reproduzieren sie und verkaufen sie als bodypositive.

Alles andere als empowernd

Die Bloggerin @radicalsoftness__ hat der Problematik einen ganzen Post gewidmet, in dem sie auf das sogenannte thin privilege eben solcher Frauen aufmerksam macht, das Privileg, eine normschöne Figur zu haben: „Es bedeutet, dass du von der Gesellschaft nicht wegen deines Körpers diskriminiert wirst.“ Obwohl sie weiß, dass unabhängig des Körpertyps jede*r mit ebendiesem unzufrieden sein und solche Fotos auch eine Befreiung darstellen können, stört sie vor allem die Art, wie sich schlanke Frauen des Diskurses bemächtigt haben: „Bitte drückt nicht extra Fettpolster raus. Die hat jede*r beim Sitzen. Versucht nicht, irgendeinen Makel zu finden und diesen dann zu zeigen, nur um beim aktuellen Body-positivity-Trend mitzumachen.“

Diese Form der Selbstdarstellung schlanker, normschöner Frauen ist toxisch und tatsächlich überhaupt nicht empowernd. Sie ist bloß eine weitere gewaltvolle Manifestation dessen, wie ein Köper nun auch noch „unvorteilhaft“ auszusehen hat.

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