Schönheit ist vielseitig: Diese Frauen stellen die Blumenszene aus „American Beauty“ nach

Eine Fotografin stellt die legendäre Rosenszene aus American Beauty nach – mit authentischen Frauen und der vollen Vielfalt ihrer Körperformen.

Wer die Fotos von Carey Lynne Fruth sieht, der denkt wohl zwangsweise auch schnell an Angela. Genauer gesagt an Lester, der wiederum so gerne an Angela denkt. Hä? Die Rede ist von dem fünffach Oscar prämierten Film American Beauty (1999). Darin versucht der desillusionierte, antriebslose Vorstadt-Loser Lester Burnham seinem Leben mehr Sinn zu geben, indem er ihm eine Portion Aufregung verpasst. Ein Teil dieser Aufregung tritt in Form von Angela, der Freundin seiner Tochter, in sein Leben, die er sogleich zum Opfer seiner sexuellen Fantasien macht.

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Einer seiner Fantasien wurde wohl zur berühmtesten Szene des Films: Lester liegt in seinem Bett und sieht zur Zimmerdecke hoch. Dort, stellt er sich vor, räkelt sich die nackte Angela auf einem Meer aus roten Rosen, während einige der Rosenblätter langsam zurück auf sein zufriedenes Gesicht fallen.

Quelle: Bobzeda/Youtube

Mit Fliederblüten zu mehr Body Positivity

Angela erfüllt Klischees. Sie ist jung, gut aussehend, schlank und blond, alles was ein Filmcharakter eben sein sollte. Andere Körperbilder schaffen es selten nach Hollywood. Dass sie im wahren Leben sehr wohl existieren, zeigt Fotografin Carey Lynne Fruth aus San Francisco mit ihrem Projekt American Beauty, angelehnt an den gleichnamigen Film.

Sie suchte freiwillige Teilnehmerinnen, die für sie in ein violettes Meer aus künstlichen Fliederblüten stiegen. Diesmal allerdings als selbstbeherrschte, selbstermächtigte Personen, nicht als Lustobjekt wie im Film von Regisseur Sam Mendes. Sie sollten nicht für die Kamera modeln, sondern sich authentisch im Rahmen ihrer eigenen Sinnlichkeit und Verletzlichkeit bewegen.

Es hat mir bewusst gemacht, dass Kunst eine heilende Wirkung hat.“

„Beinahe jedes Bild in den Mainstream-Medien zeigt einen bestimmten Typ Frau: dünn und weiß. Die Mehrheit der Frauen sieht aber nicht so aus, Amerika besteht aus vielen verschiedenen Frauentypen“, sagt Fruth. In ihrer Fotoserie sollten daher Frauen unterschiedlicher Körperformen, -größen, Alter und ethnischer Identitäten repräsentiert sein. Denn: „Wenn du als Fotograf nur einen Typ Mensch ablichtest, verfehlst du nicht nur deinen Job, sondern vergrößerst das Problem“, sagt sie. Die violetten Fliederblüten stünden dabei für Schönheit, Stolz und Selbstbewusstsein.

Frausein in voller Diversität

Einer der Frauen beschreibt ihre Teilnahme am Projekt als sehr aufregend: „Den eigenen nackten Körper so in der Öffentlichkeit zu sehen, fühlt sich anfangs so an, als würde ich in einen kalten Pool springen. Als ich mich dann aber Seite an Seite mit diesen anderen tollen Körper sah, wurde mir sofort klar, dass es überhaupt keine andere Möglichkeit gibt, als alle Bilder wunderschön zu finden.“

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Eine andere Teilnehmerin sagt dazu: Als ich mein Foto sah, war ich so stolz. Es hat mir bewusst gemacht, dass Kunst eine heilende Wirkung hat. Sie hat die Macht, Toleranz und Resilienz zu verbreiten.“

Das Konzept der body positivity hält Fruth für eine sehr wichtige Bewegung. Dicke Frauen würden auf Bildern allzu oft als eklig dargestellt, sehr dünne Frauen als krank, Frauen of Color im stereotypischen Licht und ältere Frauen ohnehin so gut wie gar nicht. Medien würden oft ein falsches Bild vermitteln. Deshalb wolle sie einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese klischeebehaftete Oberflächlichkeit aufzubrechen und das authentische Frausein in all seiner Diversität feiern.