Schwangerschaftsabbruch: Paragraf 219a muss endlich weg!

Dass über die Abschaffung des Paragrafen 219a überhaupt noch diskutiert werden muss, ist eine Farce. Ein Kommentar

Paragraph 219a verbietet "Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft".

Ein Plakat für die Abschaffung des Paragraphen 219a. © dpa

Heute wird im Bundestag über den Paragrafen 219a diskutiert. Im Strafgesetzbuch, unter dem Abschnitt Straftaten gegen das Leben, verbietet dieser derzeit noch Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft. Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit kam besonders im vergangenen November auf, als ein Gericht die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilte. Sie hatte auf ihrer Website über die Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs informiert.

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Im Bundestag und in der Gesellschaft gibt es dazu verschiedene Lager: Abtreibungsgegner*innen und -befürworter*innen führen momentan hitzige Debatten. Momentan sieht es jedoch nicht danach aus, als würde der Bundestag etwas am Paragrafen ändern. Die WELT berichtet: Die Grünen und die Linke wollen den Paragrafen streichen, die FDP plädiert für Lockerungen, CDU und CSU sind strikt gegen eine Abschaffung – und ihr potenzieller Koalitionspartner SPD knickt vorerst ein und hält sich bedeckt.

Ich frage mich: Ernsthaft? Müssen wir im Jahr 2018 wirklich noch darüber diskutieren, ob ein Paragraf, der sogenannte Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch verbietet, weiterhin Teil der deutschen Gesetzgebung sein sollte?

Was ist das für ein Frauenbild?

Allein der Begriff Werbung macht schon wütend: Das klingt so, als würden Ärzt*innen bunt blinkende Anzeigen auf ihren Websites schalten, die Frauen dazu ermuntern, ihre Schwangerschaft abzubrechen. Werden Frauen wirklich für so beeinflussbar und so naiv gehalten, dass sie davon getriggert werden? Wir sprechen hier nicht von der Werbung für eine neue Winterjacke oder den nächsten Urlaub. Die Ärzt*innen informieren, sie werben nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand beim Lesen einer solchen Information denkt: „Ach, Schwangerschaftsabbruch. Fein. Hab diese Woche eh nicht so viel zu tun, mach ich mir mal ’nen Termin. Wird bestimmt witzig.“

[Außerdem bei ze.tt: Schwangerschaftsabbruch: Diese Ärztin kämpft vor Gericht dafür, dass sich Frauen informieren dürfen]

Ich halte es für absurd, Frauen grundsätzlich zu unterstellen, sie würden eine solche Situation auf die leichte Schulter nehmen, womöglich unüberlegt handeln. Ganz offensichtlich ist ein Schwangerschaftsabbruch kein leichter Schritt, keine einfache Entscheidung, sondern für die Betroffenen oft ein anstrengender, psychisch belastender Prozess, der wohlüberlegt sein muss. Die Gründe, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden, sind individuell.

Ein ganz falsches Signal

Besonders interessant bei der aktuellen Debatte: Viele der Gegner sind – oh, Wunder – Männer. Dabei muss ich sofort an das Foto denken, das US-Präsidenten Trump im Januar 2017 dabei zeigt, wie er – ausschließlich umringt von weißen Männern – Gelder für Abtreibungen streicht.

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Es bleibt nur zu hoffen, dass ähnliche Bilder sich nicht auch in Deutschland ereignen.Wenn der Paragraf 219a fällt, ist das ein gutes Signal. Frauen bekommen das Recht, selbstbestimmt zu handeln, zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper machen – und sich dementsprechend auch informieren zu können, wo sie wollen.


Informationen zum Vorgehen bei einem Schwangerschaftsabbruch haben wir in diesem Video zusammengefasst.