Schwangerschaftsabbrüche in Argentinien: So sieht es aus, wenn Frauen die Politik zum Handeln zwingen

In Argentinien wurde ein neuer Gesetzesentwurf verabschiedet, der Schwangerschaftsabbrüche bis zur 14. Woche straffrei ermöglicht. Im Vorfeld demonstrierten Tausende auf den Straßen.

Erst vor einigen Wochen sagte Irland „Ja“ zur Lockerung des Schwangerschaftsabbruchsgesetzes. Nun ist auch Argentinien diesen historischen Schritt gegangen. Bisher war ein Schwangerschaftsabbruch im katholischen Argentinien nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter bedroht oder die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist. Das argentinischen Abgeordnetenhaus hat gestern darüber abgestimmt, ob ein selbstgewählter Schwangerschaftsabbruch bis zur 14. Schwangerschaftswoche legalisiert und somit straffrei wird. Der Gesetzesentwurf wurde von einem überparteilichen Bündnis erarbeitet.

[Außerdem auf ze.tt: 5 Dinge, die ihr über Schwangerschaftsabbrüche in Irland wissen solltet] 

Schon im Vorfeld der Abstimmung wurde viel diskutiert, Befürworter*innen und Gegner*innen des Gesetzesentwurfs legten den Abgeordneten ihre Argumente dar. Dass Schwangerschaftsabbrüche in Argentinien stattfinden, ist jedoch unbestreitbar: Die aktuelle Gesetzeslage macht diese jedoch äußerst schwierig, stellt sie unter Strafe und zwingt die betroffenen Personen häufig dazu, den Eingriff geheim durchführen zu lassen. Der Radionsender Deutschlandfunk bezieht sich auf offizielle Quellen und spricht von 30 Toten, die allein im Jahr 2016 bei Abtreibungen ums Leben kamen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht sogar davon, dass von 2007 bis 2011 fast ein Viertel (23 Prozent) aller Todesfälle von werdenden Müttern mit riskanten Schwangerschaftsabbrüchen in Verbindung stehen. Der argentinische Gesundheitsminister Adolfo Rubinstein wird zitiert: „Dass Schwangerschaftsabbrüche illegal stattfinden, verletzt Frauenrechte, denn nur Frauen leiden unter den Komplikationen unsicherer Eingriffe. Vor allem arme Frauen.“

Demonstration auf den Straßen von Buenos Aires

Doch nicht nur im Abgeordnetenhaus wird diskutiert: Auch auf den Straßen Argentiniens tun Menschen ihre Meinung kund und demonstrieren für und gegen den Gesetzesentwurf. So treffen sich zum Beispiel am Mittwoch, dem 13. Juni 2018, Aktivist*innen vor dem Kongressgebäude in Buenos Aires: Eine junge Frau hält ein grünes Halstuch in die Kamera. Darauf steht in weißen Lettern: „Legaler Schwangerschaftsabbruch – sicher und kostenfrei“. Andere Teilnehmer*innen der Demonstration haben sich „Legaler Schwangerschaftsabbruch“ in Schwarz auf ihre Wangen geschrieben, halten Protestplakate und Banner hoch und kämpfen gemeinsam für ein Ziel: Die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Argentinien. In einem Livestream kann das Geschehen im Abgeordnetenhaus beobachtet werden:

Tatsächlich fiel das Votum der Abgeordneten sehr knapp aus:  Laut Handelsblatt gab es 129 Stimmen für und 125 gegen den Gesetzesentwurf. Nun, da dieser von den Abgeordneten befürwortet wurde, geht er, laut der Tageszeitung NZZ, weiter an den argentinischen Senat.