Wie nützlich es ist, Zeit mit sich selbst zu verbringen

Alleine zu sein, im Urlaub, an Feiertagen oder auch einfach so, wird häufig mit Unglauben betrachtet: Geht es dir nicht gut? Doch und wie! Warum wir alle mehr Zeit mit uns verbringen sollten – und inwiefern wir daran wachsen können.

Wer alleine sein kann, darf darauf durchaus stolz sein.

Wer alleine sein kann, darf darauf durchaus stolz sein. © Marina Khrapova | Unsplash

Wann warst du das letzte Mal so richtig alleine?

Einen Abend alleine zu Hause zu verbringen, alleine in den Urlaub zu fahren, vielleicht auch alleine Weihnachten verbringen – diese Entscheidungen werfen bei unserem Gegenüber oftmals Fragen auf: Wieso tust du das? Hast du niemanden, zu dem du gehen kannst? Bist du dir wirklich ganz sicher?

„Ja, bin ich“, würde man da am liebsten ganz laut schreien. Schließlich ist es ja nicht grundsätzlich so, dass uns keine andere Wahl bliebe, weil wir isoliert von unserer Umwelt zu Hause im Dunkeln hocken würden. Nein, das ist eine ganz bewusste Entscheidung und alleine lange nicht mit dem Wort einsam gleichzusetzen.

[Außerdem bei ze.tt: Warum es eine gute Erfahrung ist, alleine auf ein Festival zu gehen]

Wenn du einsam bist, fehlt dir etwas, du suchst nach Anschluss, du vermisst vielleicht eine bestimmte Person, die Aufmerksamkeit und Zuneigung, die du bis dato immer von ihr erhalten hast. In Einsamkeit suchst du die Erfüllung außerhalb.

Wenn du alleine bist, ist das hingegen ein Zustand, für den du dich bewusst entscheidest. Du willst einfach nur mal für dich sein und die Zeit mit dir genießen, ohne eine weitere Person. Du bist dir genug. Und entscheidest du dich öfter fürs Alleinsein, wirst du merken, das wird dir wahrscheinlich richtig gut tun – und zwar in vielerlei Hinsicht. Inspiriert zu diesem Text wurden wir von einem Artikel im curiousmindmagazine.

1. Du förderst dein Selbstbewusstsein

Wer viel Zeit alleine verbringt, setzt sich automatisch stärker mit sich selbst und seiner aktuellen Situation auseinander. Du lernst, deine eigenen Grenzen besser einzuschätzen und die eigenen Wünsche und Ziele zu respektieren. Gelingt es dir, das Alleinsein regelmäßig in deinen Alltag zu integrieren, weißt du mit der Zeit immer besser, was dir gut tut und was nicht – und lässt dich automatisch weniger von deinen Mitmenschen beeinflussen.

2. Konflikte lassen sich leichter lösen

Wer das eigene Leben reflektiert und von allen Seiten betrachtet, ist automatisch besser in der Lage, aktuelle Konflikte zu identifizieren und nach passenden Lösungen zu suchen – ohne dabei in der eigenen Perspektive zu verharren, sondern auch offen zu bleiben für andere.

3. Es pusht deine Kreativität

Man kennt es: Richtig kreativ wird man erst dann, wenn der Laptop und alle weiteren irrelevanten Gegenstände vom Tisch sind, weder Partner*in, noch Mitbewohner*innen ungefragt ins Zimmer stürmen können. Wenn du diese Situation regelmäßiger bewusst förderst, dir mal wirklich Zeit für dich nimmst, und deinen Gedanken Raum gibst, kommen Brainstorming und kreativer Output wie von selbst. Warum sonst erlebt unsere Kreativität oftmals erst im Bett, wenn das Licht bereits ausgeschaltet und wir kurz vor dem Einschlafen sind, einen ihrer Höhepunkte?

4. Du bleibst unabhängig

Ob in der Liebe, in Freundschaften oder im Job – wir neigen schnell dazu, uns von der Anerkennung und der Zuneigung anderer abhängig zu machen. Man braucht sie immer wieder, die Blicke des*r Partner*in, den festen Schulterklopfer unserer*s Vorgesetzten, die warmen Worte eines*r Freund*in. Wenn man alleine ist, kann man endlich beginnen, das Glück aus sich selber zu ziehen, anstatt sich von anderen Menschen, Aktivitäten oder einer weiteren externen Stimulation abhängig zu machen. Dann gibt es nur dich und dein Innerstes.

5. Du weißt was mit deiner Langeweile anzufangen

„Langeweile was machen“ ist das erste, was in den Google-Vorschlägen erscheint, sobald man „Langeweile“ eingibt. Langeweile ist etwas Negatives, das haben nur diejenigen, die keine Arbeit, keine Freund*innen oder keine Hobbys haben – diesen Eindruck vermittelt zumindest unsere Gesellschaft.

Dabei ist die Fähigkeit, einfach nur still zu sein und nichts anderes zu hören als die eigenen Gedanken, etwas ganz Kostbares. Nicht umsonst wurde uns bereits im Kindesalter beigebracht, in Phasen der Langeweile auszuharren und einfach damit klarzukommen. Und weißt du was, das tut so gut! Warum haben wir solche Angst davor? Warum entfernen wir uns immer mehr von unserem Innersten und wenden uns stattdessen den oberflächlicheren Dingen im Leben zu, sodass wir gar nicht mehr an uns herankommen? Daher: Heiß auch stillere Phasen willkommen, genieß sie und nutze sie, um in dich hineinzuhören.

Bin ich aktuell glücklich?

Klar, nicht allen Menschen fällt es leicht, sich an die Stille zu gewöhnen, die aufkommt, wenn man alleine ist. Du musst ja auch nicht gleich alleine in den Urlaub fahren. Übe dich einfach Stück für Stück darin, allein zu sein. Geh in dich und frag dich immer wieder: Bin ich in dieser Situation, so alleine wie ich aktuell bin, glücklich? Was fehlt mir und warum?

Sobald dir gelungen ist, diese Fragen zu beantworten, steigere die Zeit des Alleinseins wie es dir beliebt. Und glaub mir: Nach einem kurzen Gefühl des Unwohlseins folgt eine Erfüllung, ein Gefühl der absoluten Unabhängigkeit, des Einfach-machen-Könnens, ohne auf jemand anderes außer sich selbst Rücksicht nehmen zu müssen.

Das soll natürlich nicht heißen, dass alle Menschen, die nicht alleine sein können, unfähig wären. Doch wer allein sein kann, der darf sich dieser Leistung durchaus bewusst sein und mit diesem Selbstbewusstsein stark durchs Leben gehen.


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