Sex während der Menstruation ist gut für alle

Perioden-Sex ist eklig, unsauber oder unsexy? Bullshit, findet unsere Autorin. Wir sollten ganz im Gegenteil viel mehr davon haben.

Sex während der Periode? Klar. Foto: Caroline Bertolini / Unsplash | CC0

Die Liaison war frisch, die Vereinigungen heiß – zwischen M. und mir lief es fabelhaft. Bis ich eines Abends kurz vorm Ausziehen sagte: „Warte, lass uns noch ein dunkles Handtuch holen. Ich habe meine Tage.“ Doch statt behende das Laken abzudecken, damit wir uns endlich nackt darauf wälzen konnten, ließ M. von mir ab und fragte: „Bist du wirklich sicher, dass wir das tun sollten?“ Es war jetzt nicht so, dass ich Freudentränen angesichts meiner vaginalen Blutungen erwartet hätte. Aber ernsthafte Zweifel an meiner Beschlafbarkeit? Sex ist doch Sex, oder etwa nicht? Er ist schleimig, er ist flutschig, manchmal spritzt es sogar dabei! Da sollte so ein bisschen zusätzliche Flüssigkeit eigentlich kein Problem darstellen. Denkste!

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63 Prozent aller Deutschen verzichten laut der YouGov-Studie Wir Deutschen und die Liebe während der Menstruation auf Sex. Und es sind nicht nur Männer, die Blut beim Akt befremdlich finden. Eine Blitz-Umfrage unter meinen Freundinnen ergab, dass etwa die Hälfte von ihnen sich in dieser Zeit nicht wohl in ihrem Körper („unsauber“) fühlen und sich ihren Partnern nicht zumuten wollen. Und das obwohl Menstruation, und das kann man anscheinend gar nicht oft genug betonen, ein völlig normaler reproduktiver Vorgang ist und genauso wie Ausfluss zu einer gesunden Vagina gehört. Trotzdem scheint sie für viele ein Problem zu sein. Aber warum eigentlich?

Dummerweise haben wir alle die gleiche Gehirnwäsche genossen

Während Wissenschaftler*innen davon ausgehen, dass Menstruation in grauen Vorzeiten als unerklärliches Mysterium galt, das große Hochachtung genoss, begann mit dem Patriarchat ein breit angelegtes Perioden-Bashing. Römische Philosophen schrieben dem weiblichen Blut höllische Fähigkeiten zu, die von Ernteausfällen bis zu stumpfen Waffen reichten. Moses warnte, man solle sicherheitshalber nichts anfassen, was eine menstruierende Frau in den Händen gehabt habe, und die Frau dazu natürlich noch viel weniger. Unreinheit sei schließlich ansteckend. Im Mittelalter sprach man dann von Zauberkräften, die dem Blut innewohnten, und noch bis ins 20. Jahrhundert hielt sich in ländlichen Gegenden Europas der Glaube, eine Frau könne Männer mit einer kleinen Gabe ihres Blutes besinnungslos verliebt machen. Die Idee von der Unreinheit greift heute übrigens die Intimhygiene-Industrie dankbar auf. Schließlich kann sie uns mit nicht sichtbaren Tampons und duftenden Slipeinlagen ein Gefühl von Frische und Sauberkeit verkaufen.

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Und weil wir nun schon seit Tausenden von Jahren hören, wie böse unsere Menstruation ist, glauben wir es schließlich selbst. Ekeln uns vor unserem eigenen Blut und seinem Geruch, und wollen um alles in der Welt nicht, dass irgendjemand etwas davon mitbekommt. Erst recht nicht der Mensch, für den wir besonders attraktiv sein wollen. Denn der hat ja die gleiche Hirnwäsche genossen wie wir. Wenn wir aber wollen, dass sich die kollektive Einstellung zu Menstruationsblut verändert, wenn wir aufhören wollen, uns für diesen Teil unserer Existenz zu schämen, müssen wir drüber reden. Und am besten auch was dafür machen. Vögeln zum Beispiel.

Es gibt kein schöneres Gefühl als so gewollt zu sein, wie man ist

So ein bisschen Blut am Penis ist nämlich gar nicht schlimm, und weder eklig noch ansteckend. Wenn man frei von Geschlechtskrankheiten ist, jedenfalls. Alle, die Zweifel haben, benutzen hoffentlich sowieso Kondome. Und in diesem Fall bleibt der Penis sogar sauber! Worauf ich hinaus will: Frauen dealen jeden Monat bis zu sieben Tage mit Blut, da wird man es als Kerl ja wohl mal für ein paar Minuten aushalten. Keine große Sache für ihn, für sie jedoch umso mehr. Weil Menstruationskrämpfe nach einem Schäferstündchen garantiert verschwinden. Weil viele Frauen während ihrer Periode hormonell bedingt richtig großen Bock haben. Und weil es kein schöneres Gefühl gibt, als so gewollt zu sein, wie man ist. Mit allen Säften, die die eigene Pussy so von sich gibt.

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Das sah M. dann schließlich auch ein. Zum ersten Mal in seinem Leben holte er ein Handtuch, um darauf ein Blutbad anzurichten. Und was für eins. Sein Fazit am Ende: Das ganze Gewese darum ist der Rede nicht wert. Denn Sex bleibt eben Sex. Eine großartige Angelegenheit, und zwar in allen Lebenslagen.