Lindt wirbt mit sexistischen T-Shirts und weiß selbst nicht warum

Auf T-Shirts für Mädchen steht „süß und goldig“, auf denen für Jungen, dass sie „wissen, wie der Hase läuft“. Dem Schokoladenproduzenten Lindt ist der Sexismus nicht aufgefallen und gelobt nun Besserung. 

Lindt Sexismus

„Ein Wunder, dass das Mädchen-T-Shirt nicht noch teurer ist als das für Jungs!“, kommentiert ein Facebook-Nutzer. Screenshot: Lindt Shop

Im vergangenen Jahr begann der schweizer Schokoladenproduzent, T-Shirts zu verkaufen. Erst mal nur für Erwachsene. Das lief so gut, dass sie in diesem Jahr auch eine Linie für Kinder herausbrachten.

Jungen „wissen wie der Hase läuft“, Mädchen sind „süß“

Auf den Shirts der Mädchen steht in goldener Schrift geschrieben: „Aussen goldig, innen süß“ und „Goldhase“, bei den T-Shirts explizit für Jungen „Ich weiß, wie der Hase läuft“ und „frech, wild und goldig“. Damit bedient das Unternehmen die ohnehin weit verbreiteten Geschlechterklischees unserer Gesellschaft: Mädchen werden dazu erzogen, lieb zu sein und gemocht zu werden. Jungs hingegen dazu, mutig zu sein und sich etwas zu trauen.

Laut einer Studie des Wissenschaftsmagazins Science beginnen Kinder schon im Alter von sechs Jahren, Geschlechter-Stereotype zu entwickeln. Die Forschenden fanden heraus, dass ab diesem Alter Kinder eher an Männer denken, wenn es zum Beispiel um intellektuelle Überflieger-Qualitäten geht.

[Außerdem auf ze.tt: Geschlechterklischees von Google Translate: „Er arbeitet hart, sie ist faul“]

Beim Blick auf die Merchandisingprodukte des Schokoladenerzeugers, stellt sich die Frage, wie eine derartige Produktentwicklung im Jahr 2018 noch ungewollt passieren konnte. Gab es keine Agenturen und Berater*innen, die vor der Veröffentlichung darauf hinweisen, dass ein derartiges Angebot dem Anspruch einer diversen Gesellschaft nicht gerecht wird? Auf Facebook kritisierten Nutzer*innen die Produkte: „Ein Wunder, dass das Mädchen-T-Shirt nicht noch teurer ist als das für Jungs!“ oder „Manchmal habe ich den Eindruck, dass das Absicht ist. Die (vermutlich) Entscheider wissen ganz genau, dass eine solche Werbung Aufmerksamkeit generiert. Auch eine Art Sex-Sells-Strategie.“

Manchmal würde man am liebsten bei denen nachfragen, die solche Produktenscheidungen treffen, ob sie's nicht selbst ein bisschen doof finden. #FrauenAnDieSpitze

Gepostet von Pro Quote am Dienstag, 10. April 2018

Offenbar nicht. Sara Thallner, verantwortlich für die Kommunikation von Lindt, erklärt gegenüber ze.tt, dass die Auswahl „geschlechtsstereotypisch unglücklich“ gewesen sei. Sie sagt, dass der Schokoladenhersteller die Verantwortung für die T-Shirt-Designs nicht abschieben wolle. Das Konzept stamme natürlich von ihnen, sei aber keinesfalls bewusst diskriminierend oder sexistisch gemeint.

Dass die neuen Kinder-T-Shirts als geschlechtsstereotyp ausgelegt werden könnten, versteht Thallner. „Dies ist allerdings in keinster Weise sexistisch motiviert, denn Lindt & Sprüngli möchte unter keinen Umständen diskriminierende Botschaften auf den Fanartikeln verbreiten. Die Bezeichnung Mädchen oder Junge dient beim jeweiligen T-Shirt, um die unterschiedlichen Schnitte beziehungsweise Passformen kenntlich zu machen.“ Die Wahl der T-Shirts scheint einfach passiert zu sein. Offensichtlich hat niemand genug darüber nachgedacht, wie solche Produkte nach außen wirken.

Die Kinder-T-Shirts gab es zu Ostern dieses Jahr zum ersten Mal. Sie würden die Kritik gerne für das nächste Jahr miteinbeziehen, erklärt Thallner. Eine Möglichkeit wäre, beide Modelle sowohl für Mädchen als auch Jungen zu verkaufen. Dann könnten Eltern und Schenkende selbst bestimmen, ob die Kinder nun mutig oder süß sind. Oder noch besser, die T-Shirts einfach unisex anzubieten. Das wär doch mal goldig.