Slums in Jakarta: Wo Menschen neben Bahngleisen wohnen

Wie leben Menschen direkt neben Schienen in der Hauptstadt Indonesiens? Das Fotoprojekt Life by the Railway porträtiert das Leben der Ärmsten der Armen.

Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, ist die bevölkerungsreichste Metropole des Landes: Knapp 13 Millionen Menschen leben laut der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) dort. Die Wirtschaft boomt, Jakarta erwirtschaftet knapp 20 Prozent des indonesischen Bruttosozialprodukts. Doch nicht alle Bewohner*innen bekommen den wirtschaftlichen Erfolg zu spüren: Armut und Slums bilden einen krassen Kontrast. Viele Menschen können sich das Leben in der dichtbesiedelten, pulsierenden Großstadt schlichtweg nicht mehr leisten und sind gezwungen in sogenannte Kampungs, ärmere Stadtgebiete, oder gar an den Rand der Stadt in Slums zu ziehen.

Einige Slums befinden sich direkt an den Bahngleisen Jakartas, nur wenige Meter von den Schienen entfernt. Alle paar Minuten fährt ein Zug ungebremst an den Wellblechhütten und ärmlichen Unterkünften der Bewohner*innen vorbei. Was sich für viele unvorstellbar anhört, ist für die Bewohner*innen dieser Slums Alltag: Ein kleiner Junge spielt mit Feuer an den Gleisen, ein Teenager macht eine riesengroße Seifenblase, eine Gruppe Männer sitzt knapp einen Meter neben den Gleisen und spielt in aller Ruhe eine Partie Schach, ein Mädchen springt zwischen zwei Schienen mit einem Seil, eine Gruppe Frauen sitzt gemeinsam auf den Schienen und unterhält sich. Diese und weitere Momentaufnahmen hat der Fotograf Vytautas Jankulskas in seiner Fotoreihe Life by the Railway festgehalten.

[Außerdem bei ze.tt: Dieser Designer aus Kenia möchte, dass Mode aus seinem Slum auf der ganzen Welt getragen wird]

Vytautas bemerkte die Slums an der Bahnstrecke zum ersten Mal, als er gerade in einem Zug saß und aus dem Fenster sah. Sie zogen sofort seine Aufmerksamkeit auf sich: „Ich dachte, es wäre interessant zu sehen, wie die Menschen auf der anderen Seite leben. Deshalb bin ich einfach mit meiner Kamera dorthin gegangen und fing an, die schmalen Gassen der Slums zu erkunden.“

Sie genießen jeden Moment ihres Lebens, auch wenn sie nicht viele schöne Dinge besitzen.“

Zunächst sei er skeptisch gewesen und hatte sogar ein bisschen Angst, dorthin zu gehen, weil er nicht wusste, was ihn erwarten würde. Er habe mit allem gerechnet, verrät der Fotograf. Doch als er die Slums zum ersten Mal betrat, war er sofort von der Offenheit und Freundlichkeit der Bewohner*innen verzaubert: „Nicht viele Fremde besuchen diese Gegenden, deshalb waren die Menschen, die dort leben, sehr froh und neugierig, als sie mich sahen. Ich fühlte mich sehr wohl und sicher. Ich war echt erstaunt, wie fröhlich die Menschen dort sind – trotz ihrer Lebensumstände. Sie genießen jeden Moment ihres Lebens, auch wenn sie nicht viele schöne Dinge besitzen. Sie sind sehr hilfsbereit und freundlich zueinander, es fühlte sich an, als wäre der ganze Slum eine große Familie.“

[Außerdem bei ze.tt: Aus einem indonesischen Slum wurde dieses kunterbunte Dorf]

Die Bewohner*innen der Slums an den Gleisen reagierten nicht nur offen auf Vytautas, sondern auch auf seine Kamera. „Die meisten Menschen waren sehr freundlich und froh, dass ich sie fotografiere“, erklärt er. „Besonders die Kinder waren total fröhlich und baten mich sogar die ganze Zeit darum, Fotos von ihnen zu machen“, führt er fort. Manchmal habe er auch ein paar Bilder ausgedruckt und verschenkt.
Wie genau es mit dem Fotoprojekt weitergeht, steht für Vytautas noch nicht fest. Gerne würde er eine Ausstellung daraus machen, doch dafür, so sagt er, müsse er Jakarta wohl noch ein paar weitere Besuche abstatten.
Weitere Arbeiten von Vytautas findet ihr auf seiner Webseite und seinem Instagram-Account.