So absurd kann Schönheitswahn aussehen

Die Fotografin Evija Laivina beschäftigt sich in der Fotoreihe Beauty Warriors mit Schönheit, Schönheitswahn und seltsamen Geräten, die uns angeblich schöner machen sollen.

Eigentlich könnten es ganz normale Porträtfotos sein: Die Frauen sitzen vor einem dezent gehaltenen Hintergrund, tragen schicke Blusen oder Kleider, die Haare sind mal kunstvoll zu Zöpfen geflochten, mal nach hinten toupiert. Die Blicke der Frauen gehen entweder direkt in die Kamera oder leicht daran vorbei. Doch ein Detail unterscheidet diese Fotos von normalen Bewerbungsfotos: Alle Frauen tragen irgendeine Art von Beauty Gadget im Gesicht. Kleine, seltsame Formen, Apparaturen und Geräte, die angeblich schöner machen sollen. Bänder und Masken für ein strafferes Gesicht, diverse Klammern für die Nase, Schablonen für die Lippen oder ein großer Bogen, der mit den Zähnen gehalten werden muss.

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Evija Laivina lebt in Schottland und ist die Frau hinter der Kamera und dem Projekt Beauty Warriors, auf Deutsch etwa „Kämpfer*innen der Schönheit“. Fotografieren ist für Evija anscheinend eher Berufung als Beruf: Nachdem sie 2007 ihre erste Kamera geschenkt bekam, verliebte sie sich in den Schaffensprozess des Fotografierens. „Es faszinierte mich, ein Bild dirigieren zu können und so dessen Geschichte zu erzählen. Die Fotografie ware ein toller Weg, um meine Gefühle und Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Die Fotografie half mir, mit meiner Depression umzugehen“, erklärt sie. Ihre ersten Bilder beschreibt sie als surreal und absurd – und diesem Stil scheint Evija auch in Beauty Warriors treu zu bleiben.

Was ist Schönheit? Bin ich schön?“ – Evija Laivina

Beim Betrachten der Fotos fragt man sich zwangsläufig, was diese Geräte eigentlich bringen, wie sie benutzt werden – und warum man sich das überhaupt antun sollte. Diesen Fragen geht auch Evija auf den Grund. Sie erzählt über die Arbeit: „Ich versuchte zu verstehen, was Schönheit und Schönheitsideale sind. Ich selbst habe mich in meiner eigenen Haut nicht wohlgefühlt und das brachte mich zu den Fragen: Was ist Schönheit? Bin ich schön? Mit welchen Mitteln machen wir uns selbst schöner?“ Daraufhin fing sie an, Schönheitsideale zu recherchieren und traf dabei online auf die seltsamen Gadgets, welche zur Schönheitspflege eingesetzt werden können. „Ich fand die spannend und wollte sehen, wie sie funktionieren, und so kam ich auf die Idee, diese Objekte für meine Fotos zu nutzen“, erklärt die Fotografin.

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Da die Frage nach Schönheit und die Schönheitsindustrie unüberschaubar große Themenkomplexe umfassen, sah Evija sich dazu gezwungen, einen Fokus zu finden: „In meinem Projekt konzentriere ich mich auch die seltsamsten und extremsten Schönheits Gadgets“, erklärt sie. „Manchmal wirkt es auf mich, als wäre die Welt von falscher Schönheit besessen. Wir verfolgen Trends, wie zum Beispiel ein großer Hintern, ein schmaler Kiefer, einer gerade Nase, große oder abrasierte Augenbrauen und so weiter. Ich finde diese Trends ziemlich interessant und versuche zu verstehen, wo die eigentlich herkommen und was sie bedeuten“, fährt sie fort.

Natürliche Schönheit?

Auch wenn diese Geräte alle existieren und anscheinend auch gekauft werden, hat Evija noch nie jemanden getroffen, der zugegeben hat, so ein Gadget zu besitzen: „Wenn ich mit anderen Menschen über diese Geräte spreche, stimmen sie mir alle zu, wie absurde und blöd diese Dinge sind und dass es nichts besseres gibt als natürliche Schönheit.“ Dennoch freut sich sich, dass ihre Arbeit eine Diskussion angeregt und Fragen aufwirft. Deshalb arbeitet sie auch schon an einem zweiten Teil der Beauty Warriors: „Darin konzentriere ich mich vor allem auf den Körper und was Menschen für den perfekten Körper in Kauf nehmen.“


Weitere Fotos von Evija findet ihr auf ihrer Webseite.