So absurd sind die Erwartungen an Frauen in der Filmindustrie

In dem Kurzfilm Leading Lady Parts zeigen Schauspieler*innen auf satirische Weise Sexismus in der Filmbranche auf. Das komplett weibliche Produktionsteam zeigt die realitätsfernen Erwartungen, die an Schauspielerinnen gestellt werden.

Leading Lady
Spielt in dem Kurzfilm Leading Lady Parts sich selbst: Schauspielerin Emilia Clarke. Foto: Stuart C. Wilson / Getty Images

„Vielleicht ziehst du den Pulli aus.“ Der Casting Director lächelt freundlich. „Und das Shirt!“, fügt die Casterin neben ihm aufgeregt hinzu. „Ist das wirklich notwendig?“ Die Schauspielerin, die vor ihnen steht, schaut irritiert. „Im Script steht, es ist November.“ Diese Szene stammt aus dem Kurzfilm Leading Lady Parts, dem ersten Teil einer Serie mit dem Themenschwerpunkt Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Der Film, der von einem komplett weiblichen Team produziert wurde, zeigt Schauspielgrößen wie Emilia Clark oder Felicity Jones beim Vorprechen für eine Rolle. Aber nicht irgendeine Rolle: Es geht um den Part der Hauptdarstellerin. Und die muss nach Ansichten der Caster*innen ziemlich viele Dinge mitbringen, die nicht viel mit Schauspielerei zu tun haben.

Einmal dünne Nutten-Jungfrau mit Brüsten, bitte

Bitterböse irritieren die Caster*innen die Schauspielerinnen mit ihren Erwartungen. Die Rolle solle nicht clever sein, sondern hübsch und um Gottes Willen noch nie eine Mutter gespielt haben. Sie mag laut Drehbuch eine Ärztin sein, soll aber bitte als „dünne sexy Nutten-Jungfrau“ auftreten. Und die Schauspielerin Gemma Chan wird gefragt, den Text ein wenig „weißer“ vorzutragen. Die Schwarze Schauspielerin Wunmi Mosaku darf die Rolle gar nicht erst vortragen.

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Rassistische und sexistische Kommentare bestimmen den Dialog des Kurzfilms. Doch so überzogen und witzig das in Leading Lady Parts inszeniert sein mag, das Lachen bleibt einem immer wieder im Halse stecken. Nicht erst seit #MeToo und #TimesUp ist bekannt, wie sehr Sexismus und unrealistische Schönheitsideale den Arbeitsalltag in der Filmbranche prägen.

Die Idee des Filmes entstand bei einem Gespräch unter Frauen aus der Branche, die gemeinsam über die Time’s-Up Bewegung unterhielten, erzählte Produzentin und Schauspielerin Gemma Arterton gegenüber der Los Angeles Times. „Es gab so große Themen, über die gesprochen werden musste. Wir hatten das Gefühl, dass es fantastisch wäre, etwas Leichtes und Komisches zu machen, dass die Inhalte rüberbrachte, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen.“

Gesagt, getan. Innerhalb weniger Wochen wurde das Team gecastet und die Gelder beschafft. Das Drehbuch stammt von Jessica Swale. Der Kurzfilm, der Ende Juli auf BBC veröffentlich wurde, erhält seit dem viel Zuspruch aus dem Netz. Auch Schauspielerin Emma Watson äußerte sich begeistert zu Leading Ladys Part und empfahl den Kurzfilm auf Twitter.

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