So bist du als queerer Mensch sicher in anderen Ländern unterwegs

Ein Gefahrenindex zeigt, dass Reisen in viele Länder dieser Welt für LGBTQIA-Menschen mit Risiken verbunden sein kann. Wir haben mit queeren Reisenden gesprochen und stellen ihre Tipps für sicheres Unterwegs-sein vor.

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Reisefreiheit für alle! Foto: Ian Schneider / Unsplash | CC0

Reisen kann sich anfühlen wie die große Freiheit. Aber diese Freiheit kann für viele Menschen schnell an ihre Grenzen stoßen. Das zeigt der neue LGBTQ+-Danger-Index auf eindrückliche Weise. Für diesen Index haben Asher und Lyric Fergusson, zwei Reiseexpert*innen aus den USA, die 150 am häufigsten besuchten Länder der Welt unter die Lupe genommen. Um zu ermitteln, wie sicher Länder für LGBTQIA-Reisende sind, stellten sie acht Kategorien auf, etwa legalisierte Eheschließung von gleichgeschlechtlichen Paaren, die Verurteilung von Hate Crime gegen LGBTQIA-Menschen sowie homo- oder transphobe Gesetzgebung.

Die dabei ermittelten Top-3-Länder sind Schweden, Kanada und Norwegen, während sich Nigeria, Katar und der Jemen ganz am Ende der Liste finden. In letzteren drei Ländern stehen gleichgeschlechtliche Beziehungen sogar unter Todesstrafe, illegal sind sie in 38 Ländern der Liste. Aber nicht nur in Ländern, in denen Homosexualität unter Strafe steht, kann es für queere Menschen gefährlich sein: Ein Beispiel ist Brasilien. Im Jahr 2017 starben dort 445 Menschen durch homophobe Gewalt, 167 trans und gender-diverse Menschen wurden zwischen dem 1. Oktober 2017 und dem 30. September 2018 in Brasilien ermordet. In absoluten Zahlen sind das sind die meisten trans- und homophoben Morde weltweit.

Reisen ist immer auch politisch, aber es liegt an uns zu entscheiden, wie und wohin wir reisen.

Diese Zahlen klingen erschreckend. Aber es gibt gute Gründe, sich davon nicht die Reisefreiheit nehmen zu lassen, da sind sich die LGBTQIA-Reisenden mit denen wir gesprochen haben, einig.

Was gilt es zu beachten?

Adam Groffman betreibt mit Travels of Adam einen bekannten Gay-Reiseblog und meint: „Ich persönlich würde in kein Land reisen, in dem LGBTQ-Menschen aktiv diskriminiert werden – ob als Einwohner*innen oder Besucher*innen. Reisen ist immer auch politisch, aber es liegt an uns zu entscheiden, wie und wohin wir reisen. Als LGBTQ-Reisende müssen wir auch unsere persönliche Sicherheit im Blick haben, aber unser eigenes Wohlempfinden und unsere Fähigkeit ‚to pass‘ machen das für jede*n anders.“

Wer als cis-gender oder heterosexuell erscheint oder wirken kann („to pass“), der*die hat deutlich weniger Probleme und muss sich auch nicht erklären: „Als schwuler Reisender muss ich regelmäßig wieder ein Coming-out haben. Wenn ich mit meinem Freund reise, müssen wir in Hotels erklären, dass wir nur ein Bett wollen und als Soloreisender werde ich oft mit Fragen nach meiner Freundin genervt“, beschreibt Adam dieses Problem. Auch Dani vom Blog globetrottergirls kennt diese Situationen: „Ich finde es manchmal schwierig, meine Gefühle zurückzuhalten – bei einem Heteropärchen schaut keiner zweimal hin, wenn sie sich küssen – bei zwei Frauen ist angestarrt werden noch das geringste Übel, aber oft kommen dann Kommentare, Sprüche oder Pfiffe“, erklärt sie im Interview auf planetbackpack.

Homophobie gibt es überall – nicht nur in den offensichtlichen Ländern

„Als schwuler Mann bedeutet sicheres Reisen für mich, dass ich jede dieser Situationen individuell bewerte und wenn ich mich nicht wohlfühle, kann ich in der Regel als heterosexueller Mann durchgehen. Aber nicht alle LGBTQ-Reisenden haben dieses Privileg“, sagt Adam. Außerdem habe er auch schon erlebt, dass in vermeintlich LGBTQIA-freundlichen Ländern Übergriffe stattfanden: „Homophobie gibt es überall – nicht nur in den offensichtlichen Ländern. Beim Reisen habe ich schon viele unangenehme Situationen erlebt, aber ich habe schwulenfeindliche Länder immer vermieden.“

Aber auch in Ländern, in denen eher diskriminierende Erlebnisse befürchtet werden könnten, kann Toleranz erfahren werden. So erklärt Mario vom Gay-Reiseblog, dass er und sein Partner dort auch schon positive Erlebnisse gemacht haben: „Wir reisen sehr gerne in die Vereinigten Arabischen Emirate. Bisher waren wir in Dubai und Abu Dhabi. Auch wenn Homosexualität dort offiziell verboten ist, haben wir uns stets sicher gefühlt. In Reiseführern ist häufig zu lesen, dass unverheiratete Heteropaare und schwule Paare zur Sicherheit ein Doppelzimmer mit zwei Einzelbetten buchen sollten – uns hat man an der Rezeption direkt ein Zimmer mit Doppelbett angeboten! In der Realität sind die Menschen meist viel offener als der Staat und die Gesetze es vermuten lassen.“

Tipps für sicheres Reisen

Informiert euch! Adam empfiehlt, sich vorher mit den Sicherheitsbedingungen im Zielland vertraut zu machen. „Jeder Urlaub sollte stressfrei sein, also ist es am besten, sich vorher nach den lokalen Gesetzen oder Gebräuchen, aber auch der LGBTQ-Inklusion zu erkundigen.“ Auf seinem Blog findet ihr eine Zusammenstellung der Quellen, die Adam bei der Recherche nutzt. Allerdings ist auch zu beachten, dass es zwar Länder gibt, die als queer- oder transfeindlich gelten, in denen es aber in Tourist*innengegenden ganz anders aussieht. Der schwule Reiseblogger Andrew Dobson sagt: „Indonesien ist als konservatives muslimisches Land bekannt, aber ironischerweise gilt die indonesische Insel Bali als eins der LGBTQ-freundlichsten Reiseziele in Asien. Je nach Region kann es sehr tolerant zugehen.“

Im Zweifel zurückhalten. Mario rät: „In Ländern, in denen Homosexualität verboten oder die Bevölkerung sehr konservativ eingestellt ist, sollte man seine Homosexualität auf keinen Fall öffentlich zeigen. Ich bin der Meinung, dass man sich auch als schwuler Reisender an die Sitten und Bräuche des Gastlandes anpassen sollte.“

Stellt euch darauf ein, befragt zu werden. Egal, wie wenig man als queerer Mensch auffällt: Es kann sein, dass man auf seine sexuelle oder Geschlechtsidentität angesprochen wird, warnt der trans Reiseblogger Aaron Edwards: „Viele Kulturen sind bekannt für ihre direkte Art. Selbst Leute, die gar nicht auffallen, könnten angehalten und befragt werden.“

Nehmt wichtige Dokumente mit. Aaron hat für die Fergusons seine Tipps für Trans-Reisende aufgelistet. Er empfiehlt, unbedingt Dokumente und Ausweise dabei zu haben, die zeigen, wer man ist: „Also Foto, Name und Hinweise auf das Geschlecht und stelle UNBEDINGT sicher, dass das Foto zeigt, wie du zu dem Zeitpunkt aussiehst.“ Wer Hormone nehme, sollte auch eine Notiz des*der Ärzt*in mit sich tragen, falls Fragen bei der Flughafensicherheit aufkämen. Auf Matador Networks findet ihr weitere Tipps für trans Reisende.

Safety First. Wer sich unsicher fühlt, sollte immer die sicherste Option wählen. Also nicht den kurzen Weg durch den dunklen Park, sondern lieber etwas Geld in eine Taxifahrt investieren. Nicht alleine irgendwo hingehen, sondern nach Gleichgesinnten suchen. Reiseblogger*innen empfehlen, sich zum Beispiel über Facebook oder vergleichbare Netzwerke mit Gleichgesinnten schon im Vorfeld auszutauschen oder zu verbinden. Connie Biesalski hat auf planetbackpack Ressourcen für lesbische Reisende zusammengestellt.

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