So bringst du Abwechslung in deine Masturbationsroutine

Ob Küchenutensilien, Kerzenwachs oder Analplugs – wir haben Pornoregisseurinnen, Sexualpädagoginnen, Sexarbeiter*innen und Dominas nach ihren Solosextipps gefragt.

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Warum teure Sextoys kaufen, wenn man auch mit Haushaltsutensilien Spaß haben kann? Foto: © Louis Hansel / Unsplash | CC0

Bei der Selbstbefriedigung weiß jede*r selbst, wie er*sie es am liebsten hat. Schließlich kennt niemand den eigenen Körper, seine erogenen Zonen und Gänsehautstellen so gut wie man selbst. Das ist zwar schön, kann aber auch der Grund dafür sein, beim Solosex schnell in routiniertes Verhalten zu rutschen. Wie langweilig das geworden ist, merken viele aber erst, wenn sie etwas Neues ausprobieren und so womöglich neue Vorlieben entdecken. Um Abwechslung in die eigene Masturbationspraxis zu bringen, haben wir Menschen, die sich beruflich mit Sex beschäftigen, nach ihren Lieblingstipps gefragt.

Anna Wim, 26, sexpositive Feministin

Wer kein Geld für teure Sextoys hat, kann sich mit Kreativität und Heimwerken helfen. Als Augenbinde kann man eine Schlafmaske oder einen Schal aufsetzen – auch beim Solosex. Mit dem Verlust des Sehvermögens werden alle anderen Empfindungen verstärkt. Mit Gürteln, Schals oder Bändern kann man sich selbst festbinden, Holzlöffel oder andere Utensilien kann man als Paddel benutzen, um sich damit zu schlagen, Kissen oder Decken als Oberfläche, um sich daran zu reiben.

Wer nach einem sexy Kontakt zu einem Menschen sucht, könnte versuchen, eine*n Sextingpartner*in zu finden. Das kann auch ein*e Freund*in sein, mit dem*der man sich wohl genug fühlt, um intime Bilder und Botschaften über eigene Fantasien zu teilen. Wer lieber mit Fremden sexy Nachrichten schreiben möchte, könnte sich bei Apps anmelden: Feeld ist zum Beispiel speziell auf Sexting ausgerichtet.

Ich lasse meine*n Sextingpartner*in auswählen, wie ich mich vergnügen soll.

Anna Wim

Man sollte immer um Zustimmung bitten, bevor man jemandem eine sexy Nachricht sendet, egal ob als Text oder Foto. Wer sich unbehaglich fühlt oder nicht sicher ist, wie man die eigenen Wünsche am besten formuliert, kann es zuerst alleine versuchen: das letzte sexuelle Erlebnis, den letzten Pornofilm oder eine besondere Fantasie laut beschreiben oder auf Papier niederschreiben.

Nicht vergessen: Es gibt neben Text und Fotos auch Sprachnachrichten, Videos, Zeichnungen oder Fotocollagen. Meine persönliche Vorliebe: Ich lasse meine*n Sextingpartner*in auswählen, wie ich mich vergnügen soll – und schicke ihm*ihr immer wieder Updates. Das geht natürlich auch umgekehrt.

Master André, 44, Dominus und Sprecher des Berufsverbands für erotische und sexuelle Dienstleistungen

Ich rate insbesondere Neulingen dazu, mal das Hinterteil genauer zu inspizieren. Und zwar unabhängig des eigenen Geschlechts und der sexuellen Orientierung. Das gilt auch für Heteros: Die Prostata ist insbesondere bei Männern eine irre große Lustquelle. Einfach einen Einmal-Latexhandschuh überziehen, diesen mit reichlich Gleitgel einschmieren und dann losfummeln.

Aber bitte keine Gurken oder Bananen nehmen, es soll nichts im Körper steckenbleiben – lieber einen klassischen Dildo verwenden. Dabei nie vergessen, ein Kondom drüberzuziehen, das ist hygienischer und auch besser für den Dildo.

Ein Plug beschert ein Gefühl des Ausgefülltseins und übt einen schönen Druck aus.

Master André

Ich finde Analplugs ein tolles Sexspielzeug. Sie haben am unteren Ende eine Verschmälerung, sodass sie längere Zeit gut im Po sitzen. Die könnte man beispielsweise im Büro tragen oder beim Einkaufen im Supermarkt. Niemand weiß, dass der Plug da ist und bei jeder Bewegung stimuliert. Ein Plug beschert ein Gefühl des Ausgefülltseins und übt einen schönen Druck aus.

Geübte können auch mal eine Analkette ausprobieren. Das Spielzeug sieht aus wie eine überdimensionale Perlenkette. Die Perlen werden nacheinander in den Anus eingeführt und wieder herausgezogen, wobei sich der Schließmuskel bei jeder Kugel öffnet und wieder schließt und somit hervorragend stimuliert wird.

Madita Oeming, 36, Kulturwissenschaftlerin, forscht zur Rolle von Pornografie in der Gesellschaft

Mein Tipp für Lust im Lockdown? Pornos! Aber richtig. Damit meine ich: sich mal richtig Zeit nehmen. Zum Entdecken, aber auch zum Reflektieren. Was suche ich in Pornos? Und worauf genau springe ich eigentlich an?

Manchmal halten wir krampfhaft fest an Vorstellungen davon, was uns sexuell gefällt. Aber wer im riesigen Ozean der Onlinepornografie immer nur in einem winzigen, abgesteckten Becken schwimmt, verpasst was. Einfach mal auf was ganz anderes klicken und schauen, was passiert! Sich von einer ungeahnten sexuellen Fantasie überraschen lassen. Und das Geld, das man gerade nicht für andere Dinge ausgeben kann, vielleicht mal in eine Pornoseite investieren? PinkLabel, xconfessions, Lustery oder kink.com kann ich empfehlen, oder die Lieblingsdarsteller*innen auf OnlyFans abonnieren.

Agi Malach, 35, Sexualpädagogin und Gründerin der Schmuckmarke Vulvinchen, die sich für die Vielfalt der Vulven einsetzt

Singles könnten sich während des Lockdown Solosex-Challenges stellen, um aus ihren Routinen rauszukommen. Zum Beispiel: „Wie viele Orgasmen kann ich an einem Tag haben?“ Oder: „Heute stell ich mir einen Timer und sage: Jetzt habe ich eine ganze Stunde lang Zeit für Solosex und widme mich dem nicht nur zehn Minuten.“ Es kann vielleicht auch für einige lustvoll sein, eine sexuelle Fantasie als erotische Geschichte aufzuschreiben und sie beim nächsten Solosex zu lesen. Oder sich Zeit zu nehmen, um nach Texten oder Hörspielen zu suchen, die eine*n erregen.

Es können auch kreative Challenges sein, wie: „Heute versuche ich mal nicht, meine Genitalien zu berühren, sondern meinen ganzen Körper. Gibt es andere Stellen an mir, die erregbar sind? Wo fühlt es sich gut oder auch nicht gut an?“ Ich fände es wichtig, da spielerisch ranzugehen. Und: auf keinen Fall Druck aufzubauen.

Mistress Bella Lugosi, 37, Domina und Produzentin von Fetischfilmen in Berlin

Viele Menschen wissen nicht, wie erregend leichter Schmerz sein kann. Die meisten haben es nie probiert, weil sie davor zurückschrecken. Ich empfehle daher sinnliche Spiele der schmerzhaften Art einfach mal zu Hause mit sich selbst auszuprobieren.

Kerzenwachs ist ideal für Schmerz-Anfänger*innen.

Mistress Bella Lugosi

Ganz normale Wäscheklammern können eine Vielfalt unterschiedlicher Reize herbeiführen. Alte ausgeleierte Holzklammern verursachen einen eher mäßigen Schmerz, ganz im Gegensatz zu nagelneuen, bissigen Plastikklammern. Die Klammern müssen gar nicht direkt auf die erogene Zone geklemmt werden – auch Zungenspitze, Ohrläppchen, Unterlippe oder Unterarme eignen sich.

Auch Kerzenwachs ist ideal für Schmerz-Anfänger*innen: Ein paar Tropfen auf der Innenseite der Oberschenkel, auf dem Bauch oder der Brust können für den Anfang schon reichen. Besonders die Brustwarzen sind sehr empfindliche und zugleich praktische Stellen, weil man mit der einen Hand die Kerze darüber halten und sich mit der anderen stimulieren kann.

Erika Lust, 43, feministische Pornofilmproduzentin

Cybersex ist etwas, das man in der einsamen Zeit zu Hause ausprobieren könnte. Ob es sich um Webcamporno, Sexting oder Telefonsex handelt – es gibt nichts Aufregenderes, als zuzusehen oder zuzuhören, wie jemand langsam durch ein scharfes Gespräch über den Bildschirm erregt wird. Zoom ist nicht nur für Arbeitsmeetings geeignet. Warum nicht neue Möglichkeiten ausprobieren, sich selbst sexuell zu erregen, während man beobachtet wird? Mit Spielzeug, oder sogar mit Figuren, wenn man auf Rollenspiele steht.

Es kann auch nicht schaden, andere Arten, Sex zu haben, kennenzulernen – es gibt diverse Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen. Man sollte sich in diesem Zuge auch mit der Fetischisierung von queeren Menschen, BIPoC und Körpern, die nicht der cis-geschlechtlichen, heterosexuellen Norm entsprechen, beschäftigen. Diese wurde uns zu lange durch die kostenlosen Porno-Websites gefüttert.

Cadbury Parfait, 31, Burlesquetänzerin in Berlin

Ich tue mir gerne etwas Gutes, kaufe mir Unterwäsche, die mir gefällt, neue Bettwäsche, ein Badeprodukt, ein fabelhaftes neues Sexspielzeug (der Schürzenjäger ist umwerfend) oder koche einfach etwas Glorreiches. Gebe mir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Die Libido steigt, wenn man sich die Zeit nimmt, alles auszuschalten und sich selbst einzuschalten. Dazu gehört auch, sich ein warmes Bad einzulassen, mit Peeling, Haare waschen, Feuchtigkeitspflege, alles drum und dran. Ich schlüpfe gern in saubere Pyjamas, öffne eine Flasche französischen Rotwein, nasche etwas Brot und Käse und zünde ein paar Vanillekerzen an. Der Rest, nun ja, das liegt bei jeder*jedem selbst.

Manon Praline, 38, Erotikdarstellerin und Sexarbeiterin

Ich stelle mir gerne vor, ich wäre mein eigenes sexuelles Objekt. Was spüren meine Händen, wenn sie mich anfassen dürfen? Ich versuche, die Bilder in meinem Kopf mit dem zu ersetzen, was gerade zwischen meinen Händen passiert. Ich bin jetzt zum Spielzeug meiner Hände geworden, lasse mich von dieser neugewonnenen Macht erregen. Um dieses Gefühl zu verstärken, stelle ich manchmal einen Spiegel vor mir auf. Ich versuche, mich auf körperliche Empfindungen im Hier und Jetzt zu fokussieren und nicht an das Ziel zu denken, einen Orgasmus zu haben. Der kann passieren, muss aber nicht. Ich habe jetzt sowieso keine Wahl, jetzt entscheiden meine Körperteile.

Theresa Lachner, 34, Journalistin, systemische Sexualberaterin und Gründerin des Sexblogs Lvstprinzip

Bei der Selbstbefriedigung nicht den effizientesten Weg wählen, sondern mal etwas ganz Neues ausprobieren. Wer sonst vielleicht immer auf dem Rücken liegt, könnte es unter der Dusche probieren. Wer sich sonst hauptsächlich klitoral stimuliert, könnte sich G-Punkt und Cervix widmen. Sextoys können beim Ausprobieren sehr hilfreich sein.