So drastisch verfälschen junge Menschen ihr Aussehen, um mehr Likes zu bekommen

Mit seinem Projekt Selfie Harm möchte Fotograf Rankin auf die Gefahren von Apps aufmerksam machen, mit denen man das Aussehen manipulieren kann.

Wie stark bearbeiten Jugendliche ein Foto von sich selbst, bevor sie es auf ihren Social-Media-Kanälen teilen? Was ist notwendig, um insta-ready zu sein? Mit diesen Fragen befasst sich der britische Porträt- und Modefotograf Rankin in seinem neuen Projekt Selfie Harm.

Um diese Fragen zu beantworten, wagte der 53 Jahre alte Fotograf ein Experiment. In einem ersten Schritt schoss er Porträtfotos. Insgesamt 15 Jugendliche sollten so natürlich wie möglich, ohne oder mit kaum sichtbarem Make-up, vor seine Kamera treten. In einem zweiten Schritt erhielten die Teilnehmer*innen ihr Foto zurück und die Aufgabe, es zu bearbeiten, um möglichst viele Likes auf ihren Social-Media-Kanälen zu bekommen. Dafür sollten sie eine der dutzenden gratis Foto-Apps ihrer Wahl benutzen. Innerhalb weniger Minuten modifizierten die Jugendlichen ihr Aussehen völlig. Rankin nannte das Ergebnis augenöffnend und sogar furchteinflößend.

„Mehr als jemals zuvor versuchen Menschen, ihre Idole nachzuahmen. Sie machen ihre Augen größer, die Nase schmaler, die Haut heller – alles nur für Social-Media-Likes“, sagt der Fotograf. Snapchat und Co. würden unsere Wahrnehmung verzerren, die hemmungslose Jagd auf digitale Anerkennung die Menschen ängstlicher und trauriger zu machen.

Rembrandt würde sich im Grab umdrehen.

Rankin

„Die Bedienung dieser Apps ist dazu noch wahnsinnig leicht und macht Spaß, das ist ein großer Teil des Problems“, sagt er weiter. Dass sie oft gratis, leicht zu verstehen und einen Spielecharakter haben, mache die Apps fast schon gefährlich. Denn wenn Nutzer*innen ihr Aussehen verfälschen müssen, um eine vermeintlich bessere Social-Media-Identität zu erzeugen, grenze das laut Rankin an eine psychischen Erkrankung.

Je ausgeklügelter diese Apps mit der Zeit werden, desto mehr würde die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwinden und eine verstörende Kultur der Homogenität anfeuern. Daher seien Selfies heute das Gegenteil davon, was Selbstporträts eigentlich sein sollten. „Selfies zeigen heute nicht mehr, wer du wirklich bist, sondern welchen Celebrities du am ähnlichsten sehen möchtest.“ Ziel von Rankins Fotoprojekt sei es daher, auf die problematische Entwicklung von Fotomanipulation aufmerksam zu machen.