So findest du 2020 deinen Traumjob

Neues Jahrzehnt, neues Glück: Drei Expertinnen verraten, wie es jetzt mit dem beruflichen Neustart klappt.

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Hier gibt's den Durchblick für deinen Neustart 2020. Foto: KAL VISUALS / Unsplash | CC0

Wir beginnen die ersten Zwanzigerjahre im neuen Jahrtausend. Wie eine unberührte weiße Schneedecke liegt ein ganzes Jahrzehnt vor uns. Alles scheint möglich. Dazu kann auch ein kompletter beruflicher Neustart gehören. Ganz von vorne anfangen, noch mal was Neues wagen – das wär’s.

Aber wie findest du überhaupt heraus, was tatsächlich dein Traumjob für die nächsten Jahre ist? Und wie zum Teufel kommst du dahin? Keine Bange, hier naht Hilfe: Das sagen drei erfahrene Expertinnen zum Thema Neustart im Traumjob.

Traumjob – was willst du?

Nicht jede*r ist für jeden Job gleichermaßen geeignet. Deshalb ist es sinnvoll und unabdingbar, dich im ersten Schritt sehr genau und gründlich mit dir selbst zu befassen. „Zunächst einmal ist es wichtig, sich zu fragen: Was kannst du besonders gut? Denn alles, was wir besonders gut können, geht nicht nur leicht von der Hand – es macht auch Spaß“, sagt Führungscoachin Anja Niekerken.

Dazu gehören nicht nur offensichtliche Talente wie Karaoke singen und Zwiebelbrot zaubern, sondern auch abstraktere Fähigkeiten – beispielsweise gut mit Menschen umgehen oder hochkonzentriert mit ellenlangen Zahlenkolonnen jonglieren zu können. „Allerdings sollte man sich eines auch ganz klar vor Augen führen: Den Traumjob an sich gibt es nicht. Jeder Job hat auch seine nicht so traumhaften Seiten“, meint Niekerken.

Dennoch ist es wichtig, dass das, was du jeden Tag mindestens acht Stunden lang machst, dir und deiner Persönlichkeit im Großen und Ganzen entspricht. „Also: Was interessiert dich brennend, am besten auch noch in zehn Jahren? Und was kannst Du gut und tust es gern? Das sind für mich die wichtigsten Fragen“, sagt Anja Niekerken.

Dass die Suche nach dem Traumjob keine leichte Sache ist und sehr viel Zeit und Reflexion in Anspruch nimmt, weiß auch Beraterin und Diplom-Psychologin Madeleine Leitner: „Das ist, bis auf Ausnahmen, ein schwieriges Unterfangen. Es gibt Kinder, die schon immer wissen, dass sie Koch oder Ärztin werden wollen.“ Der große Rest kommt im Laufe des Lebens über Umwege zum Beruf. Tja, es können halt nicht alle Feuerwehrleute, Astronaut*innen und Eisenbahnfahrer*innen sein.

Um den Traumjob zu finden, gibt es laut Leitner aber ein paar Methoden. Entscheidend ist, dass du dich nicht auf eine Sache versteifst: „Es ist aus meiner Sicht wichtig, generell drei bis fünf mögliche Optionen zu definieren. Dazu gehört auch, dass man sich Gedanken macht, wie die wichtigsten Arbeitsbedingungen aussehen sollen. Würdest du auch abends oder an Wochenenden arbeiten, kannst du mit einer ungewissen Zukunft leben, was möchtest du in etwa verdienen?“, sagt Madeleine Leitner.

Nicht alles, was superklasse klingt, ist auch uneingeschränkt großartig. „Daher im nächsten Schritt unbedingt die Vorstellungen vom Traumjob mit der Realität abgleichen“, rät Madeleine Leitner. „Am besten unterhältst du dich dafür mit mindestens drei Personen, die in dem Beruf arbeiten.“ Deren Erfahrungen können helfen, dich von dem einen oder anderen vermeintlichen Traumjob zu verabschieden – weil du dann einfach ein besseres Bild davon hast, wie es wirklich ist, dort zu arbeiten. Anders gesagt: Tierpfleger*in für Alpakas oder Zebras klingt zum Beispiel ziemlich super – aber es gibt eben auch jede Menge Scheiße zu schaufeln.

Auch die Karriereberaterin Petra Barsch rät dazu, dir ein paar Fragen zu stellen und sie schonungslos ehrlich zu beantworten. Zum Beispiel: Was machst du gut und gern – im Job ebenso wie außerhalb der Arbeit? „Diese drei bis fünf Tätigkeiten bilden den Kern des Traumjobs“, erklärt die Karriereberaterin.

Dazu kommen dann Fragen wie: Welche Eigenschaften willst du einbringen? Wo willst du arbeiten, welche Umgebung hilft dir bei der Entfaltung, in welchem Klima blühst du auf? Und auch die Frage nach den Werten ist laut Petra Barsch wichtig – wie sollen Unternehmenskultur und Strukturen aussehen? Konzern, Mittelstand, Start-up? „Im Zusammenspiel der Antworten bildet sich der Kern des Traumjobs heraus“, sagt Petra Barsch.

Den anschließenden Realitätscheck hält auch Barsch für unvermeidlich: „Manchmal findet man eine Jobaussicht toll, die sich in Wahrheit anders darstellt. Das sollte man vorher überprüfen.“ Idealerweise, indem du Menschen fragst, die genau diesen Job machen.

Versuch macht klug

Nehmen wir mal an, du hast nach gründlicher Überlegung also eine konkrete Idee und Vorstellung davon, was du gern beruflich anders machen wollen würdest; vielleicht sogar ein paar Kontakte aufgetan und Gespräche geführt. Und dann? Der nächste Move ist der, der am meisten Mut erfordert: machen.

„Suchen und ausprobieren“, sagt Anja Niekerken. „Es ist nicht schlimm, erst mal ein paar Jobs und Richtungen zu testen und das ist Gott sei Dank auch in den Unternehmen angekommen.“ Brüche im Lebenslauf seien kein Beinbruch mehr, sondern würden vielmehr davon zeugen, dass du dich entwickelst. „Wichtig ist auch, sich auf alle Jobs zu bewerben, die in Frage kommen könnten – auch, wenn du im ersten Moment gar nicht qualifiziert bist“, sagt Niekerken. „Qualifikation kann immer erworben werden. Motivation nicht.“ Traumjobs wachsen nicht auf Bäumen, sie werden aus Mut gemacht.

Mut steht bereit, Motivation daneben – aber wo und wie genau findest du Zugang zum Traumjob? Nicht unbedingt klassisch per Stellenausschreibung, meint Madeleine Leitner: „Das Problem ist, dass Bewerbungen eigentlich die schlechteste Möglichkeit sind, einen Job zu finden – weil es hier die meiste Konkurrenz gibt und schon deswegen die geringsten Chancen.“

Sinnvoller: Initiativbewerbungen schreiben und ein Netzwerk aus entsprechenden Kontakten aufbauen. „Aktivitäten auf dem verdeckten Stellenmarkt funktionieren erfahrungsgemäß viel besser, weil man hier die besten Chancen hat, einen Job zu ergattern, der vielleicht gerade erst geschaffen wird“, sagt Madeleine Leitner.

Jetzt musst du deinem*r potenziellen neuen Arbeitgeber*in bloß noch klar machen, dass du der*die Beste für den Job bist. Auch dafür hat Madeleine Leitner einen Rat: „Sich prinzipiell als potenzieller Problemlöser zeigen.“ Das bedeutet erstens: zu signalisieren, dass du die Probleme im Unternehmen kennst. Und zweitens: glaubhaft zu zeigen, dass du diese Probleme tatsächlich lösen kannst.

Auch für Petra Barsch ist die klassische Bewerbung nicht unbedingt der erfolgsversprechendste Weg zum Traumjob – insbesondere für Quereinsteiger*innen oder Umsteiger*innen: „Hier ist Netzwerken angesagt. Kontakte knüpfen zu Menschen, die dich einstellen könnten. Und dich selbst bekanntmachen.“ Dazu gehören Beiträge und Kommentare auf Xing oder LinkedIn, aber auch Blogposts, Social-Media-Postings, Videos – je nach Job und Branche.

Alter Job, neues Glück – das geht auch

Doch es muss gar nicht immer die „Ich schmeiß alles hin und werde Hundetrainer*in“-Mentalität sein. Manchmal lohnt es sich auch, den Blick in die Nähe schweifen zu lassen und im aktuellen Job nach neuen Entfaltungsmöglichkeiten zu forschen. Laut Anja Niekerken sei Selbstverwirklichung zwar gerade sehr angesagt – die wenigsten Leute wüssten jedoch, was das für sie selbst konkret bedeutet. Wer sich selbst fragt, woraus die eigenen Werte und Leitmotive bestehen, kann überprüfen, ob und inwieweit sie eventuell schon im derzeitigen Job einen Platz haben oder finden können.

Ausschlaggebend sei laut Madeleine Leitner die Bestandsaufnahme: Was stört dich an deinem Job, was vermisst du? „Manchmal bemerkt man auch bei einer genauen Analyse des eigenen Jobs, dass doch vieles ganz gut ist“, so Leitner. „Menschen vergessen schnell alles Positive, während alle kritischen Punkte sehr deutlich sind.“

Und dann heißt es auch hier: mutig sein und nachfragen. „Meiner Erfahrung nach besteht oft viel mehr Spielraum, als die Betroffenen selbst meinen, wenn sie nur mit Vorschlägen auf ihre Vorgesetzten zugehen würden“, berichtet Leitner. „Einer meiner Klienten war zum Beispiel überzeugt, dass seine Talente überhaupt nicht in die Firma passen, und sicher, kündigen zu müssen. Er hat seinen Traumjob bekommen – weil der Chef ihn unbedingt halten wollte.“

Eine interne Bewerbung kann zuweilen eine elegante und clevere Lösung sein. „Zunächst prüfen, welche der Komponenten derzeit nicht stimmt und dann versuchen, sie innerhalb der Firma zu richten, beispielsweise durch Versetzung in eine andere Abteilung“, sagt Petra Barsch. „Und offen ansprechen, was du dir wünschst, wohin du dich entwickeln willst.“

Ohne Fleiß auch 2020 kein Preis

Fest steht: Es gibt sehr viele verschiedene Wege zum Traumjob und für den Neustart 2020. Aber keiner davon besteht aus Sesselpupserei. Ohne Reflexion, gründliche Auseinandersetzung mit dir selbst, Mut und viel Arbeit passiert auch in diesem neuen Jahr nichts. Es liegt bei dir.

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