So gehst du damit um, wenn bei deinem*deiner Partner*in das Geld knapp ist

Gemeinsam viel zu unternehmen, kann schwierig werden, wenn der*die Partner*in erheblich weniger verdient und sich nicht jeden Spaß einfach so leisten kann. Wie geht man damit um? Wir haben eine Beziehungstherapeutin gefragt.

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Liebe ist umsonst. Aber Beziehung kostet trotzdem Geld. Foto: Gonzalo Arnaiz / Unsplash | CC0

In der Liebe ist, wie so oft im Leben, wenig umsonst. Viele unserer Unternehmungen als Paar kosten Geld. Das fällt besonders auf, wenn ein Part der Beziehung knapp bei Kasse ist. So wie bei Katharina* und ihrem Freund Flo*. Als die beiden vor sieben Jahren zusammenkamen, war alles noch einfach: Beide gingen zur Schule, hatten Nebenjobs und kamen gut mit ihrem Geld zurecht. Das änderte sich, als der damals 28-jährige Flo sich vor zwei Jahren mit einer Autowerkstatt selbstständig machte – und wenig später damit Privatinsolvenz anmelden musste.

„Seitdem hat er ein Pfändungskonto“, sagt die 25-jährige Katharina. Miete für die gemeinsame Wohnung zahlt Flo trotzdem – das ist Katharina wichtig, damit kein Frust wegen des Geldes aufkommt. „Die Grundausgaben sind so einigermaßen gerecht verteilt“, sagt Katharina. Dennoch: Was den beiden früher noch als selbstverständlich erschien, können sie sich nun nicht mehr einfach so leisten.

„Es kann schon mal sein, dass wir Ende des Monats nichts zu essen bestellen können, weil das Geld knapp ist“, sagt Katharina, „oder dass ich mir das Paar Schuhe, das ich schön finde, nicht kaufen kann, weil ich für irgendetwas im Haushalt aufkommen muss.“

Katharina, die als PR-Beraterin arbeitet, hat die Finanzen der beiden im Blick und übernimmt den Großteil der alltäglichen Ausgaben. Das sei ein bisschen ärgerlich; zum Glück seien die beiden aber schon lange ein Paar. „Hätte ich Flo jetzt erst kennengelernt, weiß ich nicht, ob ich das so gelassen nehmen würde“, sagt Katharina ehrlich.

Damit ist sie nicht allein.

Geldknappheit sorgt für Spannung

„Ich habe solche Fälle gelegentlich in meiner Praxis“, sagt Paartherapeutin Christine Geschke „wenn ein*e Partner*in finanzielle Probleme hat, sorgt das in einer Beziehung für Spannung.“

Oft belasten finanzielle Differenzen beide Partner*innen, sagt Geschke. Für die Mehrverdienenden sei es ein Problem, den Status, den man sich vermeintlich verdient hat, nicht ausleben zu können. Der weniger verdienende Part hingegen fühle sich oftmals nicht gesehen oder verstanden.

„Manchmal verdient man ja auch aus einer bewussten Entscheidung heraus wenig“, sagt Geschke. Dies könne zum Beispiel der Fall sein, wenn der*die Partner*in noch studiert und sich auf das Studium konzentrieren will. Oder es sei einem von den Eltern so vorgelebt worden, dass man sich keinen finanziellen Druck machen müsse. Oder man ist ganz einfach nicht so materialistisch veranlagt und hat andere Ansprüche. Fordert der*die Partner*in dann dennoch ein, dass man für Dinge, die man sich gar nicht leisten mag, finanziell aufkommen müsse, sorgt das für Unzufriedenheit.

Natürlich gibt es auch Menschen, die schlichtweg nicht mit Geld umgehen können. So wie der Ex-Freund von Lena* aus Hamburg

„Mein Ex-Freund hatte Geldprobleme, weil er wahnsinnig über seine Verhältnisse gelebt hat“, erzählt die 25-jährige Veranstaltungskauffrau. „Ich habe mich schon immer – noch bevor wir überhaupt zusammengekommen sind – gefragt, wie Paul* sich seinen Lifestyle leisten kann. Er hatte zum Beispiel gleich zwei neue iPhones statt nur eines, und immer die allerneuesten Sachen. Wie dann später herauskam, hatte er drei Kreditkarten und war mit allen im Minus.“ Lena war dagegen damals schon weitestgehend finanziell unabhängig.

„Ich habe bei meinen Konten eine Kreditsperre eingerichtet, sodass ich da gar nicht ins Minus kommen kann“, erzählt sie. Umso schwerer war es deshalb für sie, Verständnis für ihren Ex-Freund aufzubringen: „Mich hat es genervt, dass ich ständig auf ihn Rücksicht nehmen musste, zumal das Problem ja selbst verschuldet war: Man braucht keine zwei iPhones und man muss sich auch nicht jeden Monat die teuersten neuen Klamotten kaufen.“

Das Konsumverhalten von Lenas Ex-Freund führte deshalb immer wieder zu Streitigkeiten in der Beziehung.

Geld sorgt für Ärger

„In Bezug auf Geld ist es wie auch mit anderen potenziellen Streitfaktoren: Probleme sollten nie verhandelt werden, wenn man sich gerade ärgert“, rät Paartherapeutin Geschke. Ist man also gerade sauer, dass sich der*die Freund*in vermeintlich keine Mühe gibt und noch im Bett liegt, während man selbst schon auf dem Weg zur Arbeit ist, sollte das Problem nicht direkt, sondern erst später, in einem ruhigen Moment, angesprochen werden. Wichtig sei hierbei, so Geschke, sich vorab mit seinem Ärger auseinanderzusetzen: „Eine Frage, die man sich stellen sollte, ist, was es eigentlich ist, das einen da so verärgert. Bin ich neidisch, weil ich nicht einfach im Bett liegen bleiben kann? Oft ist es das Gefühl, dass man selbst das Geld nach Hause bringt, während der*die Partner*in bis um elf im Bett liegen bleibt und einfach nichts tut.“

Kenne man den Grund für den eigenen Ärger, sei es leichter, Probleme anzugehen.

„In jeder Beziehung gibt es Unstimmigkeiten und Unterschiede“, weiß Therapeutin Geschke, „die Kunst ist es, zu verhandeln und einen Kompromiss zu finden. Wenn ich gern Urlaub am Meer mache, mein*e Partner*in aber die Berge mag, müssen wir halt schauen, womit wir beide leben können.“

Bezogen auf das liebe Geld und Aktivitäten, die damit einhergehen, heißt das: Wenn man selbst den Anspruch hat, ab und an schick essen zu gehen, dem*der Partner*in es dafür aber am nötigen Kleingeld mangelt, kann man entweder mit anderen Freund*innen essen gehen, „oder aber man entscheidet sich bewusst dafür, ganz nach dem Motto: Ich lade uns jetzt für uns, für unsere Beziehung, und für mein Wohlbefinden ein“, sagt Geschke.

Natürlich kann man sich auch bewusst dagegen entscheiden, wenn man das Gefühl hat, ausgenutzt zu werden. So wie Lena, die Paul immer wieder Geld lieh, weil er sich seinen Lebensstandard nicht leisten konnte.

„Wir hatten am Ende überlegt, zusammenzuziehen“, erzählt die 25-Jährige. Als ihr Freund das Geld für die Kaution nicht aufbringen und von ihrer Mama leihen wollte, zog Lena endgültig die Reißleine. Zum Glück, denn egal wie man es hält – ob man dem*der Partner*in Geld leiht oder auch nicht –, zu Frust soll eine solche Leihgabe nicht führen.

„Wichtig ist immer, dass sich der*die Partner*in auf eine Art und Weise revanchiert, die er*sie sich leisten kann“, sagt Geschke. „Wichtig ist, dass beide sich Mühe geben, zum Beispiel, indem man bekocht wird, der Tisch liebevoll gedeckt und einem Wertschätzung entgegengebracht wird.“

Oder man macht es wie Katharina und Flo, die sich gerne mal ein Auto leihen – auf Katharinas Kosten – und damit an den Strand fahren. Der Kaffee in der Strandbar geht dafür auf Flo. Und wenn das Geld dafür mal nicht reicht, gibt es ja zum Glück immer noch eine Auswahl an möglichen Gratis-Aktivitäten. „Spazieren gehen, Pilze sammeln und diese später zusammen kochen“, schlägt Geschke vor.

Letzten Endes braucht man mit den Menschen, die man liebt, ja ohnehin gar keine so große Kulisse, um Spaß zu haben.

*der Name wurde von der Redaktion geändert

So sieht Liebe aus, wenn niemand hinschaut