„Meine Eltern und enge Freunde umarme ich weiterhin“ – so habt ihr Körperkontakt in Zeiten von Corona

Nähe ist wichtig, Ansteckungsprävention auch. Wir haben euch gefragt, wie ihr in Zeiten einer globalen Pandemie entscheidet, mit wem ihr wie viel Körperkontakt pflegt.

„Die Haut als soziales Organ“, so lautet übersetzt der Titel einer Studie zum Thema körperliche Berührung. Und diese Überschrift sagt eigentlich schon alles. Die Haut ist das größte und empfindlichste menschliche Sinnesorgan. Berührungen werden von Billionen Nervenenden erfasst, sofort stößt der Körper Hormone aus, Oxytocin zum Beispiel, das beruhigt und Stress abbaut. Auch stimmungsaufhellendes Dopamin wird ausgeschüttet. Umarmen wir, löst das also ein ganzes Feuerwerk an Botenstoffen aus, die sich positiv auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auswirken. Andersherum ist es leider genauso: Fehlt Körperkontakt zu anderen, kommt die Haut nicht als soziales Organ zum Einsatz, dann leidet der Mensch.

Neue Regeln für Nähe

Bisher haben die meisten das als gegeben betrachtet und Körperkontakt als selbstverständlich. Freund*innen und Familienmitglieder zur Begrüßung fest zu drücken, waren wir gewohnt. Doch seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist alles anders. Abstandsgebote sind absolut sinnvoll, Kontaktbeschränkungen nötig – das zweifelt niemand an, die*der die Corona-Pandemie ernst nimmt und versucht, die Ausbreitung nicht weiter zu fördern. Weltweit stellen Kontaktbeschränkungen Menschen seit einigen Monaten vor die heikle Frage, wen sie berühren und nach welchen Kriterien sie diesen Personenkreis auswählen.

Denn wenig oder gar keinen Körperkontakt zu anderen zu haben, schadet uns. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und dieses „Soziale“ bezieht sich dabei nicht bloß auf die Gesprächsebene. Auch körperliche Nähe hat einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Wenn es an Körperkontakt mangelt, steigt das Risiko, körperlich und seelisch Schaden zu nehmen.

Hygiene und Psychohygiene

Wenn zuvor vorhandene Nähe und Berührung entzogen werden, leiden Menschen ganz besonders: Das Risiko für Einsamkeit, Depressionen, Stress, die Entwicklung von Persönlichkeits-, Stimmungs- und Angststörungen oder sekundäre Immunerkrankungen steigt. Regelmäßige Berührungen schützen davor. Forscherinnen haben herausgefunden, dass Menschen in festen Beziehungen im Schnitt sogar seltener von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind als die Vergleichsgruppe, die keine feste Partner*innenschaft pflegt.

Besonders Singles und Leute, die mehr als eine Paarbeziehung pflegen, haben es schwer, während der Corona-Pandemie eine gute Balance aus genügend Körperkontakt und verantwortungsvollem Befolgen der Kontaktbeschränkungen – und damit Ansteckungsschutz für sich und andere – zu finden.

Onlinedating ist in den letzten Monaten häufig mit schlechtem Gewissen und mehr oder weniger latenter Sorge verbunden, ja, Dating generell eigentlich. Kuschelpartys finden nicht mehr statt, im Freund*innenkreis schmusen ist nicht mehr unbefangen möglich, genauso wie schlichtes Umarmen, sei es zur Begrüßung, zum Abschied, zum Geburtstag, zum Trösten, aus Freude oder aus einem völlig anderen Grund.

Körperkontakt auf verschiedene Arten

Das natürliche Bedürfnis nach Nähe, das Wissen um die Wichtigkeit von Berührungen, aber auch um die hohe Ansteckungsgefahr mit dem Virus – eine explosive Mischung, und vor allem eine ziemlich neue. Bleibt die Frage: Wie damit umgehen? Körperkontakt komplett meiden? Einer Auswahl an Menschen nah sein? Sich einfach gar nicht einschränken? Menschen meiden, die zur Risikogruppe gehören?

Wir haben euch gefragt, wie ihr dieses Dilemma löst – und viele spannende, anonyme Antworten erhalten, von denen ihr eine Auswahl in unserer Galerie findet.