So kannst du sozial und ökologisch Geld anlegen

Die meisten Sparer*innen setzen immer noch aufs Sparbuch, obwohl Aktien mehr abwerfen können. Wer nachhaltig Geld investieren möchte, findet mittlerweile viele Angebote.

Du kannst Geld investieren – ohne die Welt zu zerstören. © Daniel Jensen | Unsplash

Das erste Gehalt, ein plötzliches Erbe oder monatlich ein wenig sparen: Auch junge Menschen haben Geld über, das sie anlegen wollen. Doch auf dem Sparbuch, dem Festgeld- oder Tagesgeldkonto gibt es so gut wie keine Zinsen. Nur 14 Prozent der Deutschen investieren in Aktien. In anderen Ländern ist diese Quote viel höher.

„Als Wirtschaftswissenschaftler falle ich da hyperventilierend rückwärts um“, sagt Christian Klein, Professor an der Universität Kassel. Denn niemand muss über ein großes Gehalt verfügen, um in andere Finanzprodukte wie Aktien oder Fonds zu investieren. Das geht auch mit geringen Beträgen, einmalig oder regelmäßig. Außerdem bleibt die Frage, worin die Bank das Geld anlegt. 

Das Problem: Viele konventionelle Fonds investieren in Branchen, die nicht alle gerne unterstützen, oder Banken geben zweifelhaften Unternehmen Kredite. Der Fair Finance Guide hat eine Bewertungsmethodik für Banken entwickelt, zum Beispiel über die Bereiche Umwelt, Korruption oder Waffen. Der Initiative zufolge ist sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank an Krauss-Maffei Wegmann beteiligt. Das deutsche Rüstungsunternehmen hat unter anderem den Leopard-2-Panzer an Katar geliefert.

[Außerdem bei ze.tt: Diese Banken investieren euer Gespartes in Waffen und Atomkraftwerke]

Die Liste der Banken, die in Waffenfirmen investieren, ist lang. Doch auch die Pax-Bank, eine genossenschaftliche und katholische Bank, die sich selbst einen Ethik-Kodex auferlegt hat, taucht negativ im Fair Finance Guide auf: Die Kirchenbank ist an Coca-Cola und Nestlé beteiligt.

Wie kann man Geld sinnvoll und ohne schlechtes Gewissen anlegen?

Wer sein Geld nicht in Waffenkonzerne oder Kohlekraftwerke, sondern sozial und ökologisch investieren möchte, findet eine Vielzahl an Angeboten. Nachhaltige Geldanlagen boomen und sind im Jahr 2016 laut Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) um 14 Prozent gestiegen (PDF). Gleichzeitig machen sie nur 2,8 Prozent am Gesamtmarkt aus. Dafür gäbe es unterschiedliche Gründe, erklärt Christian Klein. Viele Anleger*innen würden sich nicht gut genug mit nachhaltigen Finanzprodukten auskennen, andere hätten Angst, ihr Geld zu verlieren, wenn sie in ökologische Fonds investieren. Dabei stimmt das nicht: Klein hat 2014 in einer Meta-Studie zeigen können, dass nachhaltige Fonds eine genauso hohe oder sogar höhere Rendite bringen wie konventionelle. Eine Vielzahl ähnlicher Studien bestätige das.

Manche Fonds werben mit Nachhaltigkeit, sind es aber nicht

Eine große Schwierigkeit bei nachhaltigen Finanzprodukten fängt bereits beim Namen an: Nur weil sich ein Fonds nachhaltig, fair, öko oder grün nennt, ist er das noch lange nicht. „Das sind keine geschützten Begriffe. Das wird vielfältig interpretiert“, erklärt Monika Pietsch-Hadré, Referentin für nachhaltige Geldanlage bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Gemeinsam mit der Stiftung Warentest hat die Verbraucherzentrale im Jahr 2014 nachhaltige Investmentfonds überprüft: Von 46 garantierten acht Fonds nicht, dass kein Geld mit Investitionen in Kriegsgeräte wie Panzer oder Waffen verdient wird. Fünf getestete Fonds lehnen Kinderarbeit nicht explizit ab. „Es gibt keine einheitlichen Mindeststandards. Zu einem Stück weit ist ,nachhaltig‘ auch ein Marketinginstrument. Die Verbraucher müssen sich da genau informieren“, sagt Pietsch-Hadré.

Selbst ein Fonds der Ethikbank Triodos hat die Spekulation mit Lebensmitteln nicht als Ausschlusskriterium formuliert. Ein Allianz-Fonds, der sich Global Sustainability nennt, die Kriterien der Verbraucherzentrale sogar nur zu einem Prozent erfüllt. Zu den zehn größten Positionen des Fonds gehören etwa Nestlé, das wegen der Privatisierung von Wasserressourcen regelmäßig kritisiert wird, und BASF, das Donald Trumps Wahlkampf unterstützt hat.

Wer nachhaltig investieren möchte, sollte sich zuerst einmal überlegen, was einem wichtig sei, rät Pietsch-Hadré. „Das muss jeder für sich entscheiden. Einige sind breiter gefasst, andere haben engere Vorstellungen.“ Dies sei auch Sache der Mentalität: In Großbritannien oder Frankreich herrscht eine andere Einstellung zu Atomenergie, in Deutschland sind Waffen verpönt, in den USA dagegen alles, was mit Pornografie zu tun hat.

129 Gütesiegel zu nachhaltigen Finanzprodukten

Ausführlich informieren können sich Interessierte etwa auf der Seite des Fachverbands Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG), aber auch die Verbraucherzentrale hat seit Kurzem mit Geld bewegt – Anlegen für Mensch und Umwelt ein breites Informationsangebot. 

Mit konventionellen Banken hat Christian Klein unterschiedliche Erfahrungen gemacht: „Manche bieten eine sehr gute Beratung, andere tun nur so, als wüssten sie etwas über ökologisch und sozial nachhaltige Investitionsmöglichkeiten.“ Ein Orientierungspunkt können auch Qualitätssiegel sein: Das FNG vergibt seit drei Jahren ein eigenes Siegel für nachhaltige Geldanlagen – daneben gibt es laut FNG 128 weitere Nachhaltigkeitssiegel, -zertifizierungen oder -standards. Monika Pietsch-Hadré von der Verbraucherzentrale ist jedoch kritisch: „Der Wildwuchs an Siegeln führt bei Verbrauchern zu Verwirrung. Keines von ihnen ist unabhängig wie etwa die TÜV-Plakette bei Autos.“

Außerdem heißt das nicht, dass ein Fonds ohne Nachhaltigkeitssiegel automatisch an Kohlekraftwerken beteiligt ist. Und nur weil ein Investment ökologisch nachhaltig ist und ein Siegel trägt, bedeute das nicht, dass es auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Wer etwa über ein Direktinvestment sein Geld in Wind- oder Solarkraftanlagen steckt, trägt ein hohes unternehmerisches Risiko. Die Anlagen könnten nicht die erwünschten Erträge liefern, Missmanagement kann die Rendite schmälern, das Betreiberunternehmen kann insolvent gehen. „Es ist eine riskante Art Geld anzulegen, bei der Anleger sich gut mit der jeweiligen Branche auskennen sollten“, rät Pietsch-Hadré.

Andere Angebote wirken nur auf den ersten Blick ökologisch. So etwa Waldinvestments, die mit hübschen Fotos locken. „Von der romantischen Vorstellung, einen Mischwald mit großer Tiervielfalt zu unterstützen, sollte man sich wohl verabschieden“, sagt die Referentin für nachhaltige Geldanlage. Häufig – nicht immer – handele es sich um Monokulturen, die den Boden ausgelaugt zurücklassen. Zum Teil werde auch die indigene Bevölkerung für die Anpflanzung vertrieben. Da sich die Wälder meist im Ausland befinden, ist es schwierig, die Lage vor Ort wirklich zu überprüfen. „Hier muss man wirklich ganz genau hinschauen“, sagt Pietsch-Hadré.

Faustregel: Kaufe kein Produkt, das du nicht verstehst

Generell rät sie, niemals ein Finanzprodukt zu kaufen, das man nicht versteht. Wer also lieber auf Fonds und Aktien verzichten möchte, kann auch eine Nummer kleiner anfangen: Mit einem Girokonto bei einer Bank mit Nachhaltigkeitsstandards. Die Verbraucherzentrale hat 14 Banken verglichen, die über einen ökologisch-sozialen Standard für alle ihre Produkte verfügen. Darunter befinden sich die Alternativbanken Ethik Bank, Evenord, GLS, Triodos und Umwelt Bank, aber auch kirchliche Banken. Die meisten von ihnen bieten auch Giro- und Tagesgeldkonten an, allerdings mit einer großen Bandbreite bei den Gebühren.

Für Monika Pietsch-Hadré ist der Wechsel zu einer sozial-ökologischen Bank ein guter Einstieg ins nachhaltige Investieren. Diese Banken können schon einen Unterschied machen: „Selbst mit einem Sparbuch ist man am Kapitalmarkt tätig“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Christian Klein. Auch wenn der Wechsel von der Hausbank mit ein wenig Aufwand und Papierkram verbunden ist: Wenn das Geld schon auf einem Sparbuch liegt, nutzen ökologisch-sozial orientierte Banken es meist sinnvoll und vergeben Kredite für ökologisches Bauen, Bildung oder Pflege. Ganz unabhängig von der Summe gilt für Christian Klein: „Alles, was wir mit unserem Geld machen, ist mit Verantwortung verbunden.“