So miserabel geht es diesen Hunden auf der Straße

Ein Fotograf porträtiert für sein Projekt everydaystray Straßenhunde und möchte so ein Bewusstsein für die Tiere und ihre Lebensumstände schaffen.

Zerzaust, neugierig, vom Leben gezeichnet: Die Hunde, die Robert Altermoser mit seiner Kamera ablichtet, leben meist auf der Straße, kämpfen sich durch und ums Überleben. Das möchte der 26-jährige Wiener ändern und mehr Bewusstsein für die Tiere und ihre Situation schaffen. Deshalb hat er das Projekt everydaystray ins Leben gerufen: Dafür fotografiert Robert die Tiere, kommt ihnen mit seiner Kamera nahe und postet die Fotos auf dem Projekt-Account auf Instagram. „Den Hunden begegnet man in jedem Dorf in Osteuropa, aber es sind auch nicht mehr so viele, wie man denkt“, erklärt er. Die Regierungen im Osten hätten in den letzten Jahren „ordentlich aufgeräumt“, führt Robert aus. Laut der Tierschutzorganisation peta werden in Rumänien Tiere, die auf der Straße leben, häufig gefangen und anschließend getötet. Die Tierschutzorganisation berichtet auch von einem sogenannten Tötungsgesetz aus dem Jahr 2013, wonach auf das Töten dieser Hunde eine Art Prämie ausgesetzt war.

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In Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, war Robert bereits unterwegs. Doch dort seien ihm nur alle paar Tage mal ein streunender Hund begegnet: „Und diese wenige waren extrem scheu“, erinnert er sich und vermutet, dass sie wahrscheinlich nur deshalb auch noch leben waren. Zurzeit lebt Robert in einem großen Van und arbeitet nun schon seit ein paar Tagen allein in einem Heim für Hunde in Bulgarien. Bei seiner Arbeit ist Robert auch aufgefallen, dass Hunde in osteuropäischen Ländern anders gesehen werden. „Hier ist ein Hund eher zu vergleichen mit einem Objekt. Es sind dreckige Tiere für sie und nichts, was man in die Wohnung oder ins Haus lassen würde auch nicht anfasst oder streichelt“, sagt er.

Bewusstsein für die Tiere und ihre Situation schaffen

Deshalb möchte er nun mit everydaystray ein größeres Bewusstsein für die Tiere und die Situation, in der sie sich befinden, schaffen. „Sie sind genauso süß wie ordinäre Hunde und wollen genauso viel Zuneigung und Liebe, wenn sie einem vertrauen“, sagt Robert. Ein weiteres Ziel des Projekts: Die Tierheime im Osten leeren. „Hier gibt es so viele entzückende Hunde, die sich so unglaublich nach einem Zuhause sehnen: Sie betteln einen gerade zu an, sie aus dieser Situation rauszuholen. Und meistens, wenn man dies tut, wird man mit bedingungsloser Zuneigung und Treue belohnt. Ich möchte erreichen, dass sich Menschen mit Herz für Hunde einen aus dem Tierheim holen und sich nicht den Rassehund beim Züchter kaufen. Wenn man schon bereit ist, sich einen Hund ins Leben zu holen und diesem ein gutes Leben geben möchte, warum nicht einen, der bis jetzt noch nicht so viel Glück hatte“, erklärt er sein Anliegen.

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Zu Hunden hatte der 26-Jährige schon immer eine ganz besondere Verbindung: „Sie mögen mich eigentlich vom ersten Moment an“, erklärt er. „Ich fühle mich ihnen mehr verbunden als Menschen und habe das erste Mal bei einem Projekt in Serbien gemerkt, was für gutartige und intelligente Tiere Straßenhunde sind.“ Sie seien so dankbar, wenn man sie füttert und ihnen Liebe und Zärtlichkeit entgegenbringe, erklärt er. An die Zeit in Serbien erinnert er sich: „Ich hatte am Ende des Projekts ein ansehnliches Rudel aufgebaut, das mich auf Schritt und Tritt in dem Dorf, in dem ich wohnte, begleitet hat. Es war für mich sehr schmerzhaft, diese Hunde zurückzulassen.“ Heute sieht er das als den Anfang für sein derzeitiges Projekt everydaystray.

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Wenn er für seine Fotos auf die Straßenhunde zugeht, reagieren diese oft ganz unterschiedlich: „Es ist eigentlich alles dabei: vom freundlichen Schwanzwedeln bis zum versuchten Biss. Das gleiche gilt eigentlich auch für die Hunde in den Hundeheimen im Osten, wo ich auch fotografiere und freiwillige Arbeit leiste“, beschreibt er die Situationen. Robert wurde dabei sogar schon ein paarmal gebissen, aber das sei nie ernst gewesen, sondern eher so ein Zwicken. Im Umgang mit Hunden kennt er sich nämlich aus: Er hat selbst eine Hündin namens Katty, auch sie lebte einst auf der Straße. „Die beste Hündin der Welt“, erklärt er.