So rassistisch und sexistisch äußern sich Profs an deutschen Unis

Ein Juraprofessor in Leipzig twitterte über ein „weißes Europa“. Wir fragten Studierende, ob auch sie schon Diskriminierung erlebt haben. Ihre Antworten sind teils schockierend.

"Nee, von homosexuellen Paaren halte ich ja nix. Das ist ja nicht normal. Außer im Porno, da finde ich Lesben geil." Quelle: Pixabay / CC0

Ein Jura-Professor an der Universität Leipzig ist kürzlich mit rassistischen Meldungen auf Twitter aufgefallen. Vergangenen Montag teilte Thomas Rauscher einen Artikel der Süddeutschen Zeitung auf seinem privaten Account, in dem es um die rechtsextreme Jugend in Polen geht. Rauscher schrieb ein Kommentar dazu: „Polen: ‚Ein weißes Europa brüderlicher Nationen.‘ Für mich ist das ein wunderbares Ziel.“

Nur einen Tag später setzte er noch einen Tweet drauf: „Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben.“

Die Leipziger Uni reagierte am Tag darauf. Sie verurteile die Äußerungen von Prof. Rauscher ausdrücklich: Wir stehen für Weltoffenheit und Toleranz und stellen uns gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut. Das haben wir in den vergangenen Jahren durch Statements und universitäre Aktionen immer wieder deutlich gemacht und werden das auch in Zukunft tun. Wir werden nun Untersuchungen einleiten und dienstrechtliche Schritte gegen Herrn Prof. Rauscher prüfen.“

Fremdenfeindliche oder sexistische Äußerungen von Professor*innen oder Dozent*innen an Unis sind keine Seltenheit. Wir haben Studierende gebeten, uns anonym von ihren Erfahrungen zu erzählen.

Hier sind ihre Antworten:

Dozentin der Medizin antwortet im Seminar auf eine Nachfrage: „Sie mit ihrem ausländischen Namen werden sowieso einen Mann heiraten und in diesem Beruf dann nicht arbeiten.“

Eine dunkelhäutige Kommilitonin verließ einmal früher den Hörsaal woraufhin unsere Professorin meinte: „Hier geht es fast zu wie bei den zehn kleinen Negerlein, am Schluss bleibt keiner übrig.“

Praktikum organische Chemie, Dozent zu mir als Studentin: ,Machen Sie doch lieber einen Strickwarenladen auf.'“

„Wenn ein Afrikaner die Bibel liest, denkt der, Jesus war schwarz. Wenn ein Asiate die Bibel liest, denkt er, Jesus war gelb. Wenn ein Indianer die Bibel liest, denkt er, Jesus war ’ne Rothaut. Nur wir Weißen wissen es richtig.“

Dozentin bezüglich einer Frage zum Auswahlverfahren bei Bewerbungsgesprächen: „Die [Personaler] wählen eh nach Sympathie aus und laden so die Bewerber zum Gespräch ein. Sie hätten gute Chancen. Bei Ihnen kann man ja schon direkt erkennen, wie Sie drunter aussehen. So etwas stellt man gerne ein.“

Zitat während der Vorlesung: ,Nee, von homosexuellen Paaren halte ich ja nix. Das ist ja nicht normal. Außer im Porno, da finde ich Lesben geil.'“

Ein Dozent von mir hat einmal sehr ausfallend über Sportwissenschaftler*innen gesprochen. Ich fand das überhaupt nicht in Ordnung, weil in seinem Seminar ja auch Spowis sein könnten. Es geht einfach nicht, dass ein Dozierender sich so über Mitglieder eines Studiengangs äußert. Es ist diskriminierend. Wenn Studierende untereinander über ihre Studiengänge witzeln ist das okay, aber nicht ein Dozent der sich 30 Minuten über die „Dummheit“ von Sportwissenschaftler*innen auslässt.

Es werden sowieso nur Frauen Gynäkologen und bei den paar Männern weiß man auch warum.“ – Zitat einer Lehrkraft

„Passen Sie auf, dass sie den Schlüssel zu Ihren Schließfächern nicht verlieren, sonst müssen wir die aufbrechen. Und jetzt raten Sie mal, wem das passiert? Richtig, den Frauen.“

Professorin (jedoch im Ausland, Rumänien) wollte nicht glauben, dass ein dunkelhäutiger Kommilitone aus Deutschland stammt. Gebürtig ist er aus Deutschland, seine Eltern aus Sri Lanka.

Mein Professor für Politische Philosophie hat sich eher elitär geäußert, als er künstliche Fingernägel als Milieuerscheinung bezeichnete.

Zitat Physikprof. zu einer Kommilitonin: „Das müssen Sie auch nicht verstehen. Sie werden schwanger und Ihr Mann bringt das Geld nach Hause.“ Es war weder ironisch noch sarkastisch gemeint. Frauen studierten seiner Meinung nach nur zum Zeitvertreib und bleiben irgendwann sowieso zu Hause.

Ich studiere Informatik. Dabei ist es fast schon üblich, dass sich die Professor*innen sexistisch äußern. In einer Vorlesung malte einer der Profs beispielsweise das Bild einer Frau mit überzogen großen Brüsten. Oder in einer anderen hieß es, Männer würden Datenbanken für ihre Computerspiele und Frauen für Schuhe benutzen. Die einzige Professorin, die ich überhaupt je im Studium hatte, meinte, sie würde es nicht einsehen, Studierende zu sagen und Frauenförderung sei der größte Schwachsinn, den sie je erlebt hätte, gerade in der Informatik. Ich bin nicht mehr in diese Vorlesungen gegangen.

Europarecht. Der Professor sagte, dass die Flüchtlinge wie die Hunnen über Europa herfallen würden.“

Während meines Bachelorstudiums musste ich zusammen mit einem männlichen Mitstudenten ein Projekt abwickeln. Obwohl die meisten Ideen dazu von mir kamen, hat der Professor mich in den Besprechungen dazu vollkommen ignoriert und nur mit meinem Kollegen gesprochen. Eigentlich hätte ich den Prof fragen müssen, was das soll, aber ich war 21, er jenseits der 60 und wir in diesem Abhängigkeitsgefüge. Man will sich dann ja doch nicht die Note verderben, auch wenn man innerlich kotzen könnte. Heute würde ich mir das nicht mehr gefallen lassen.

Im Seminar zur Strahlenmedizin ging es um physikalische Fragen, die ausschließlich von uns zwei Studentinnen beantwortet wurden. Nach einer Weile sagte der Professor: „Kann doch nicht sein, dass gerade die Mädels das wissen. Obwohl, es war ja auch letzte Woche erst Girls Day“. Sowohl die Aussage selbst als auch die Ansprache mit den Worten „Mädels“ und „Girls“ war zutiefst unangebracht.

Telekommunikationsrecht. Professor fragte, ob auch die Frauen wissen würden, wie ein Telefon technisch funktioniere beziehungsweise brachte er mal ein Glasfaserkabel mit, damit die Frauen sich darunter was vorstellen könnten. Ein anderes Mal wollte er etwas erklären und sagte: „Herr Kommilitone, stellen Sie sich vor, Sie gehen einkaufen … Ach nee, das machen Sie ja nicht.“ Zur Frau einen Platz weiter: „Frau Kommilitonin, Sie gehen jetzt einkaufen …“

Das ist so falsch, dass es schon wieder sexy ist.“ – Dozent als Reaktion auf meine wohl falsche Antwort

Einer meiner Professoren fragte meine Kommilitonin mal, ob sie einen Freund hat. Gleich zu Beginn eines Gesprächstermins, bei dem es um ihre Hausarbeit ging. Einen Zusammenhang gab es nicht.

Ich hatte in der neunten oder zehnten Klasse auf dem Gymnasium einen Lehrer, der nicht nur mich sondern auch andere Mädels absolut aufgrund unseres Geschlechts und Aussehens bevorzugt hat. Fast jede Stunde ging es so: Die Klasse redet über ein bestimmtes Thema und plötzlich schaut der Lehrer ganz fordernd zu mir und meint: „Na, [mein Name]? Hast du das auch verstanden?“ Und auch während der Bearbeitungszeit von Aufgaben stand er grundsätzlich am Tisch von mir und meiner Sitznachbarin und hat sich immer ein Stückchen zu weit nach vorn gebeugt, um Dinge zu „erklären“, nach denen wir ihn oft nicht einmal gefragt haben. Ich frage mich bis heute, ob das daran lag, dass er uns schlichtweg attraktiv fand, oder dass er einfach dachte, Blondinen brauchen immer eine extra Erklärung. In beiden Fällen sexistisch und für uns sehr unangenehm

Ein Wirtschaftsjura-Professor der Uni Erlangen-Nürnberg erzählt in seinen Vorlesungen regelmäßig von „Asylanten“ und dass diese ja zu 99 Prozent „Wirtschaftsflüchtlinge“ seien, somit Asyl nicht verdient hätten. Protest aus dem Hörsaal wurde ignoriert.

Frühjahr 2016 – ein Seminar über mittelalterliche Sprachwissenschaften. Alles, was der Prof herausbrachte, war nichts weiter als: „Damals, da musste man(n) noch den Vater seiner potenziellen Frau um Erlaubnis bitten, diese heiraten zu dürfen. Waren schon irgendwie bessere Zeiten, wenn man sich die Frauen von heute so anschaut.“ Ich hätte ihm am liebsten ans Pult gekotzt.

Ich hatte einmal einen Lehrer, der uns im Themenbereich Robotik versucht hat zu erklären, dass man Roboter ganz genau so programmieren muss, wie man sie haben will: „Ihr müsst alles ganz genau im Computer eingeben. In den Robotern sitzt kein kleiner Chinese, der euch die Arbeit übernimmt.“ Ich hätte ihm so gerne meine Meinung gesagt, habe mich in dem Alter aber nicht getraut zu riskieren, dass ich mir damit meine Noten versauen könnte.

In Heidelberg gibt es einen Prof für Rechtsgeschichte, der die Klausuren, auf denen ein männlicher, deutsch klingender Name steht, besser bewertet hat.“

Vor ein paar Jahren an der TU Chemnitz, Fachbereich Geschichte. Der Professor erzählt in der Vorlesung eine Anekdote: Er hat sein Auto in einer Hotelgarage an den dortigen Angestellten abgegeben und am nächsten Morgen funktionierte es nicht mehr ordnungsgemäß. Er schlussfolgerte (fast wortwörtlich): „Aber vielleicht lag es auch daran, dass ich das Auto einem N* gegeben habe.“ Wir waren fassungslos, zumal auch People of color im Saal saßen. Ob es dienstrechtliche Schritte gab, weiß ich allerdings nicht.

Der Lehrbeauftrage hat mehrfach verlauten lassen, dass „Flüchtlinge, zur Zersiedelung von Städten führen“. Als Geograf*innen wissen wir alle, dass das schlichtweg falsch ist. Trotz Protesten und Einwänden hat er genau dieses „Wissen“ in der Klausur abgefragt.

Bei der Vorbesprechung für eine zweiwöchige Exkursion waren etwa zehn Studenten und über 30 Studentinnen. Es waren aber nur 20 Plätze verfügbar. Der Dozent meinte jedoch, dass das Gruppenklima bei einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis besser wäre und gewährte somit den Studenten quasi die Hälfte der Plätze, wobei fast alle männlichen Kandidaten einen Platz erhielten.

Ein Professor sagte mal zu einer Kommilitonin, sie sei der Beweis, warum Frauen nicht studieren sollten, lediglich weil sie einmal keine Antwort auf eine Frage parat hatte.

Ein Professor hat der Jungen Freiheit ein Interview gegeben, in dem es um die angebliche „Masseneinwanderung“ nach Deutschland ging. Er sagte, dass er in Zukunft mit mehr „islamischem Wildwuchs“ in Deutschland rechne. So als wären Muslime Unkraut.

Mündliche Prüfung vor Professor und weiblicher Zweitprüferin. Ich stocke und werde nervös bei einer Frage. Und der Prof sagt: „Was ist los? Jetzt reißen Sie sich mal zusammen und stellen sich nicht an wie eine Frau!“

Ich sehe hier drei Frauen, aber ich werde nur eine bestehen lassen.“ – Prof bei der ersten IT-Vorlesung

„Was man in den Mund nimmt sollte man auch schlucken und nicht ausspucken.“

Ein Prof vom Historischen Seminar der TU Braunschweig lässt immer wieder sexistische Sprüche los. Angefangen von „Die 3 ist die 1 der kleinen Frau“ über „Wichtige Frauen in der Geschichte … ich kenn keine!“ bis hin zu Kommentaren über (abwesende) Studentinnen wie „Man kann ihren Intellekt mit ihrer Haarfarbe zusammenbringen“.

Ich studiere Betriebswirtschaft und in einer Vorlesung zum Thema Kostenrechnung meinte der Professor, Kostenrechnung sei wichtig, denn das brauchen wir Mädels mal, wenn wir in den Unternehmen unserer Ehemänner arbeiten.

Ich studiere Soziale Arbeit, da sind die meisten Profs ziemlich gut sensibilisiert für so was. Außer unser Jura-Prof, der beispielsweise immer mal wieder anzügliche Witze gegenüber Kommilitoninnen macht oder einen Kommilitonen aus dem Iran ständig irgendwas was zum Islam fragt à la „Ihr wisst das doch“ obwohl der ihm schon tausendmal gesagt hat, dass er nicht gläubig ist. Richtig krasse Geschichten hört man aber auch von der Uni Greifswald, wo ein Jura-Prof (Witz komm raus, irgendwas stimmt mit dieser Profession nicht) immer wieder offen rassistische Äußerungen tätigt und jetzt auch als Direktkandidat für die Afd angetreten ist.

„In meinen Vorlesungen bitte Schal oder hochgeschlossen tragen, auch im Sommer. Ich möchte mir nichts nachsagen lassen. Frauen können ja beeinflussen, was sie anziehen, Männer aber nicht, wo sie hinschauen.“