So reagieren vier Kongressabgeordnete auf Trumps rassistische Beleidigungen

In einem Tweet hatte US-Präsident Donald Trump nicht-weiße, demokratische Kongressabgeordnete aufgefordert, in ihre angeblichen Herkunftsländer zurückzukehren. Vier der Frauen antworteten ihm in einer Pressekonferenz.

Congresswomen Ocasio-Cortez, Tlaib, Omar, And Pressley Hold News Conference After President Trump Attacks Them On Twitter

Die vier demokratischen Kongressabgeordneten, die Trump in einem Tweet rassistisch angegriffen hatte, auf der Pressekonferenz (von l.n.r.): Alexandria Ocasio-Cortez, Ayanna Pressley, Ilhan Omar und Rashida Tlaib. Foto: Alex Wroblewski / Getty Images

Alles begann mit einem Tweet von US-Präsident Donald Trump: „Interessant, dass ‚progressive‘ demokratische Abgeordnete, die aus Ländern kommen, deren Regierungen eine totale Katastrophe sind, […] auf bösartige Weise dem Volk der Vereinigten Staaten von Amerika, der großartigsten und mächtigsten Nation der Welt, erzählen wollen, wie wir Politik zu machen haben“, schrieb er und fügte hinzu: „Warum gehen sie nicht zurück und helfen den total kaputten und kriminellen Ländern, aus denen sie kommen?“

Die Aufforderung an demokratische Abgeordnete, diese sollten in ihre vermeintlichen Herkunftsländer zurückgehen, bescherte Trump wieder einen sicheren Platz in den Schlagzeilen, und empörte viele Menschen. Trump nannte zwar keine Namen. Doch wen er mit „progressiven“ Abgeordneten, die er im ersten Satz seines Tweets ansprach, meinte, konnten sich alle denken, die in den letzten Monaten die Auseinandersetzungen im Kongress beobachtet hatten. Tatsächlich traten dann am Montagnachmittag nach US-amerikanischer Zeit die Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley sowie Rashida Tlaib im Kapitol, dem Sitz des Kongresses, vor die Journalist*innen. In einer knapp 20-minütigen Pressekonferenz antworteten sie Seite an Seite auf den rassistischen Angriff des Präsidenten.

 

„Wir sind viele. Er kann und wird uns nicht still kriegen.“

Zuerst trat Ayanna Pressley aus dem Bundesstaat Massachusetts ans Mikrofon. Sie begann ihre Rede, indem sie sich bei all den Menschen bedankte, die ihr und den anderen Abgeordneten in den letzten Tagen ihre Solidarität ausgesprochen hätten: „Er [der Präsident] mag versuchen, uns zu marginalisieren und still zu kriegen. Doch wir dürfen nicht vergessen: Wir sind nicht nur zu viert. Wir haben dieses Mandat inne, um die Menschen zu repräsentieren, die ausgeschlossen und zurückgelassen wurden. Wir sind viele. Er kann und wird uns nicht still kriegen.“

Das ist der einzige Weg, uns davon abzuhalten, ungeachtet aller Differenzen miteinander zu arbeiten.

Ilhan Omar

Anschließend sprach die Abgordnete Ilhan Omar aus Minnesota. Mit 14 Jahren floh sie mit ihrer Familie vor dem somalischen Bürgerkrieg in die USA und übernahm drei Jahre später die US-Staatsbürgerschaft. Trump habe einen offen rassistischen Angriff auf vier ordnungsgemäß gewählte Mitglieder des Abgeordnetenhauses der Vereinigten Staaten von Amerika gestartet. Alle vier seien Women of Color. „Das ist die Agenda Weißer Nationalisten“, sagte Omar. „Ob es nun in Chatrooms geschieht, im Fernsehen oder nun eben im Garten des Weißen Hauses.“ Alles, was Trump wolle, sei das Land zu spalten – nach Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Aufenthaltsstatus: „Denn das ist der einzige Weg, uns davon abzuhalten, ungeachtet aller Differenzen miteinander zu arbeiten“, so Omar.

Ablenkungsmanöver von den menschenunwürdigen Bedingungen an der Grenze zu Mexiko

Als dritte ergriff Alexandria Ocasio-Cortez aus New York das Wort. Als Tochter puerto-ricanischer Eltern wuchs sie in der Bronx auf. Sie richtete ihre Antwort nicht nur an Donald Trump, sondern vorrangig an die Menschen, die Rassismus erfahren: „Egal, was der Präsident sagt – dieses Land gehört euch allen.“ In ihrer Kindheit habe sie mit ihrem Vater, der mittlerweile verstorben ist, einen Roadtrip nach Washington DC gemacht, erzählte Ocasio-Cortez. Es sei ihr erster Besuch in der Stadt gewesen. „Er ließ mich auf das Washington Monument und das Kapitol schauen. Er zeigte mit dem Finger auf alles und sagte dann: Das hier gehört uns allen.“

Es wundere sie nicht, dass Trump vier nicht-weißen Abgeordneten sage, sie sollten das Land verlassen, während er Tausende Immigrant*innen und Familien an der US-Grenze zu Mexiko festhalte. Seit einigen Monaten haben die USA hier die Einreisemöglichkeiten für Zuwanderer*innen verschärft. Viele werden an der Grenze festgehalten oder zurückgeschickt. In ihrer Rede versuchte sie auch, auf weitere Probleme im Land aufmerksam zu machen, von denen Trump nun versuche abzulenken, wie etwa das marode Gesundheits- und Bildungssystem. „Wir lieben alle Menschen in diesem Land. Daher kämpfen wir etwa für Bildung für alle Kinder. Wir weichen nicht ab von unserer Agenda. All das ist nur ein Versuch, uns dabei zu stören.“

Er kann einem Kind und allen US-Amerikaner*innen nicht in die Augen sehen und rechtfertigen, warum dieses Land Menschen in Käfigen einsperrt.

Alexandria Ocasio-Cortez

Ähnlich drückte sich Rashida Tlaib aus Michigan aus, die als Tochter palästinensischer Immigrant*innen in Detroit zur Welt kam: „Leider ist dies nicht das erste Mal und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass wir diese ekelhaften, verlogenen Worte des Präsidenten hören müssen.“ Sie und die anderen Abgeordneten würden nicht erlauben, dass dieser verbalisierte Hass sie von ihrem wichtigen Kampf gegen die menschenunwürdigen Verhältnisse an der US-Grenze abhalte. Ihre Wähler*innen hätten sie in den Kongress geschickt, um gegen die Gewalt und Korruption des US-Staates zu kämpfen. Die Pressekonferenz beendete Ocasio-Cortez: „Er kann einem Kind und allen US-Amerikaner*innen nicht in die Augen sehen und rechtfertigen, warum dieses Land Menschen in Käfigen einsperrt. Stattdessen sagt er mir, ich solle zurückgehen in die großartige Bronx. Und das ist das, was ich tun werde – um es besser zu machen als er.“