So reagiert die Berliner Polizei, als ein Rapper eine Frau auf Instagram bedroht

Ein Rapper hat in Direktnachrichten eine Frau bedroht. Als sie den Fall an einen Satiriker weiterleitet und er darüber twittert, schaltet sich auch die Polizei ein – mit einem Tweet, der viel Unverständnis auslöst.

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Tweet gedroppt. Screenshot: © Twitter. Bearbeitung: ze.tt

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 3. März 2020 um 14 Uhr aktualisiert und enthält nun eine Stellungnahme der Pressestelle der Polizei Berlin.

Immer wieder erniedrigen männliche Rapper Frauen in ihren Texten und degradieren sie als Sexobjekte. Die NGO Terre des Femmes hat jüngst mit einer Kampagne und einem Video darauf aufmerksam gemacht. In dem Video zitieren Frauen Texte männlicher deutscher Rapper, die mit ihren Songs Millionen – vor allem junger – Menschen erreichen.

Eine Frau hatte dieses Video in ihrer Instagram-Story geteilt und einige deutsche Rapper getaggt – unter ihnen auch den 37-jährigen Berliner Rapper Fler. Er reagierte auf ihre Story und bedrohte sie per Direktnachricht auf Instagram, wie sie einige Tage später in einem Tweet öffentlich machte.

Wie die Polizei reagierte

Die Frau hatte sich mit dieser Bedrohung an den Satiriker und Comedian Shahak Shapira gewandt, der Flers Nachrichten postete. Daraufhin schickte ihm der Rapper eine Sprachnachricht, in der er ihn bedrohte und beleidigte. Darüber twitterte Shapira ebenfalls. Ohne dass es getaggt gewesen wäre, reagierte das Social-Media-Team der Berliner Polizei und schrieb: „Hmm … Haben wir ein Déjà-vu, oder wird da tatsächlich bald ein Album gedroppt? Als ‚Fanboys‘ müssen wir diese beleidigende aggro Ansage natürlich trotzdem zur strafrechtlichen Prüfung weiterleiten.“

Warum bezeichnet sich die Polizei selbst als Fanboys?

Viele User*innen kritisierten die Polizei daraufhin für ihren Tweet. Ob die Sache nicht zu ernst sei für so einen Tweet, fragten manche. Andere wollten wissen, warum die Polizei nicht in normaler Sprache reagiert, sondern sich selbst als Fanboys bezeichnet hätte.

Der Begriff hat jedoch eine Vorgeschichte und geht zurück auf ein Video vom September, das ein Verkehrskontrolle zeigt, in der zwei junge Polizisten Fler kontrollierten und er sie mehrmals als Fanboys beschimpfte. Wie der Tagesspiegel damals schrieb, hatte Flers Freundin das Video aufgenommen. Es gelangte scheinbar zufällig an die Öffentlichkeit. Kurz darauf kündigte der Rapper an, ein neues Album zu veröffentlichen.

Den Begriff Fanboy hat Fler außerdem in einem Lied über die Strafverfolgungsbehörden verarbeitet, das ebendiesen Titel trägt.

Die richtige Strategie?

Auf Anfrage von ze.tt teilte die Polizei mit, dass der Tweet zwar eine Antwort an Shapira gewesen sei, sich jedoch primär an Fler gerichtet habe. Der aktuelle Tweet sei im Zusammenhang mit dem damaligen Vorfall der Verkehrskontrolle zu sehen.

Beide Vorfälle lassen sich allerdings nur bedingt miteinander vergleichen. Denn damals wurden Mitarbeitende der Polizei beleidigt – nun wurden Bürger*innen Zielscheibe der Drohungen. Die Insider-Anspielung mit Fanboys erschließt sich auch nur denen, die die Vorgeschichte zwischen Polizei und Fler kennen. Zudem stellt sich die Frage, ob akute Gewaltandrohungen – wie Fler sie äußert – mit dem Begriff „beleidigende aggro Aussage“ treffend wiedergegeben sind.

Der Tweet reiht sich in eine Diskussion darüber ein, wie sich die Polizei auf Social Media verhalten sollte. Wenn möglich lustig? Oder doch lieber neutral? Im vorliegenden Fall hätten sich viele User*innen wohl eine nüchterne Reaktion gewünscht. Die Polizei Berlin war bereits einmal in der Kritik, als ein Polizist über den Instagram-Account der Polizei Berlin nach einer Frau suchen ließ, die es ihm angetan hatte.

Die folgende Antwort der Polizei lässt darauf schließen, dass sie sich noch im Prozess des Ausprobierens befindet. „Sollten die Geschädigte, der Nutzer @ShahakShapira oder darüber hinausgehend andere Personen die Antwort als unangemessen empfinden, bedauern wir dies und lassen diese Rückmeldung in die Bewertung unserer Kommunikation mit einfließen“, teilt die Polizei mit.

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