So sehenswert sind die Neuerscheinungen auf Netflix und Amazon im Juli 2018

Das Kino ist dir im Sommer zu düster und im Freiluftkino gehen dir die vielen Mücken auf die Nerven? Bei Netflix und Amazon gibt’s einige neue Perlen zum Zuhause-Gucken. Empfehlungen aus zwei Mündern

Welche diese Neuerscheinungen im Juli auf Netflix und Amazon muss man unbedingt sehen?

Welche diese Neuerscheinungen im Juli auf Netflix und Amazon muss man unbedingt sehen? Collage: ze.tt

Im Juli 2018 kommt die Auswahl der besten Filme von Ana (letzte Filmhighlights: Moonlight, Black Panther, The Florida Project) und Mark (letzte Filmhighlights: Isle of Dogs, Lady Bird, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri).

Netflix

Die Schöne und das Biest – Fantasy, 2014

Ana: Geständnis Nr. 1: Ich muss weinen, wenn ich die Titelmelodie von Die Schöne und das Biest höre. Geständnis Nr. 2: Von allen Disney-Prinzessinnen kann ich mich am ehesten mit der gewitzten Belle identifizieren. Eigentlich sollte ich also ein riesiger Fan der Realverfilmung sein. Es könnte ein nostalgisches Zurückkehren in eine meiner Lieblings-Disney-Welten sein. Leider hat die Realverfilmung eine meiner negativsten Seiten hervorgebracht: die der nörgelnden „Früher war alles besser“-Ana. Ich empfehle deshalb die Zeichentrickversion und nicht diese Realverfilmung.

Mark: Wenn es um Disney-Filme geht, werde ich – ähnlich wie Ana – 80 und knatschig: Diese ganzen neuen Realverfilmungen halte ich für neumodischen Kram, den’s nicht braucht. (Außer Der König der Löwen, die Neufassung braucht es ganz dringend! Wann kommt die? Gibt’s schon ’nen Trailer? Ahhh!) Die Schöne und das Biest kann man aber auch mal machen. Weil’s einfach mal 1:1 wie der Zeichentrickfilm ist.

Nymphomaniac: Volume I + II – Drama, 2013

Mark: Erinnert ihr euch an Melancholia von Lars von Trier? In der letzten Szene kracht ein Planet auf die Erde und alle Menschen sterben aus. Im Kinosaal hat keiner mehr ein Wort gesagt. Ich wette, alle haben krampfhaft versucht – wie ich – nicht in Tränen auszubrechen und emotional in ein schwarzes Loch zu stürzen. So sind Lars-von-Trier-Filme: Sie geben dir ordentlich eins auf die Fresse! Für Nymphomaniac habe ich bisher nie den Mut aufbringen können. Aber jetzt wird’s mal Zeit.

Ana: Ich hab Antichrist gesehen. Mir tun meine imaginären Hoden immer noch vom Zusehen weh. Lars von Trier und seine Gewaltdarstellungen sind zu viel für mich. Sorry, not sorry.

[Außerdem auf ze.tt: Disney-Klassiker mit echten Menschen – Unsere Wünsche für Neuauflagen]

Ghost Rider – Action, 2007

Ana: Alles wird besser auf einem Motorrad. Das ist keine These, sondern eine Tatsache. So ist der ohnehin übertrieben schauspielernde Nicolas Cage als brennender Ghost Rider noch viel besser, als er es im modernen Klassiker Con Air war. Dieses Mal ist sein Gegenspieler nämlich der Teufel! Wer sonst könnte sich Mephistopheles in den Weg stellen, wenn nicht Nicolas Cage? Ghost Rider ist ein großartiger Film. Wenn man einfach mal kurz sein Gehirn durchlüften will. Das macht der Streifen aber wirklich perfekt!

Mark: Wirklich ernst nehmen konnte ich Nicolas Cage bisher nur in einer Rolle: als Big Daddy in Kick-Ass. Da habe ich – verratet es nicht weiter – sogar geweint, als er am Ende das Zeitliche segnete. Hups, Spoiler. Naja, zurück zu Ghost Rider. Also. Der Film ist so sinnig wie dieser Kommentar dazu. Aber das kann ja manchmal auch charmant sein.

Orange Is the New Black, Staffel 6 – Dramaserie, 2013-2018

Ana: „Serien mit diversen Casts funktionieren nicht“, hieß es lang. Und dann kam OITNB und hat gezeigt, dass nicht nur ein Blickwinkel spannend ist. Dass auch Figuren, die sonst nur eine Nebenrolle spielen würden, Erfahrungen machen, die es wert sind, erzählt zu werden. Und das alles nie moralinsauer, sondern humorvoll. Fazit: Das Leben ist unfair, alle Menschen um dich herum scheinen verrückt zu sein und du fühlst dich eingesperrt. Wenn du dieses Gefühl kennst, ist OITNB genau richtig für dich.

Mark: Ich kenne nur eines dieser Gefühle (ich lasse – für die Dramaturgie – offen, welches es ist). Vermutlich habe ich es deshalb nie über die erste Staffel hinaus geschafft.

[Außerdem auf ze.tt: Wenn er sein Netflix-Passwort rausrückt, weißt du, dass es Liebe ist]

Der kleine Prinz, Staffel 1 – Kinderserie, 2010-2016

Ana: AfD-Wähler*innen, Sportskanonen und Menschen, die „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ in ihrem Profil stehen haben: Das waren meine Tinder-Ausschlusskriterien. Ich glaube, dass Menschen, die „Cappuccino“ auf ihren Cappuccino-Tassen stehen haben, auch Der kleine Prinz schauen. Da auf meinen Kaffeetassen nichts steht, kann ich diese Serie auch nicht empfehlen.

Mark: Wem nicht mindestens ein Saint-Exupéry-Zitat in den Sinn kommt, wenn er*sie „Saint-Exupéry-Zitate“ liest (Hint: Ana hat oben eins genannt), würde ich immer empfehlen: Lest endlich das verdammte Buch, was ist denn nur los mit euch?! Aber sicher kann man sich die süß animierte Serie mal geben. (Banaus*innen.)

Weitere gute neue Filme bei Netflix im Juli 2018:

Gravity – Sci-Fi-Thriller, 2013
Brügge sehen… und sterben? – Komödie, 2008
Babel – Drama, 2006
Remember the Titans – Sportfilm, 2000
The Legend of Tarzan – Abenteuerfilm, 2016

Amazon Prime Video

Mother! – Thriller, 2017

Mark: Wenigstens einen Vorteil hat’s, wenn du dein Hirn permanent mit Filmen und Serien fütterst: Du entwickelst unweigerlich ein Gespür dafür, wohin eine Geschichte steuern wird. Und dann kommt so ein M. Night Shyamalan daher – und belehrt dich eines Besseren. Und auch bei Darren Aronofskys Mother! gibt’s am Ende einen Mindfuck, den ich nicht habe kommen sehen. Es ist ein streitbarer Film. Aber zumindest einer, der überrascht.

Ana: Kennt ihr „Ich packe meinen Koffer“? Irgendwann wird es komplett abstrus, weil dein Freund Jonas sagt, er packt eine Zitrone in seinen Koffer. Ehe du dich versiehst, musst du neben Zahnbürste und Radio einen Bunsenbrenner und zwei Aale in deinem imaginären Koffer mitnehmen. Irgendwas sagt mir, dass Darren Aronofsky eine Wette verloren hat und deshalb mit Mother! einen Film gedreht hat, der ungefähr so wirr ist, wie „Ich drehe einen Film“ mit fünf betrunkenen Zweijährigen zu spielen.

[Außerdem auf ze.tt: Wie viele dieser Filme und Serien könnt ihr trotz schlechter Beschreibungen erraten?]

Die glorreichen Sieben – Western, 2016

Ana: Die glorreichen Sieben ist ein Klassiker. So einer, den dein Opa sonntags schaut und sagt: „Yul Brynner, das war ein Teufelskerl!“. Weil in den letzten Jahren aber jeder Film ein Remake bekommt, gibt es jetzt auch eine neue Version des Kult-Westerns. Der Cast ist diverser, die Story abgedrehter. Wie immer ist Denzel Washington großartig. Er könnte Rudolph Moshammer spielen und ich würde es ihm abnehmen. Allein ihm zuzusehen, wie er einen Cowboy spielt, macht mich glücklich. Gutes Popcorn-Kino!

Mark: Die Welt unterteilt sich in zwei Sorten von Menschen: Die, die mit Lucky Luke aufwachsen, Cowboys supercool finden, im Supermarkt am Ärmel ihrer Mutter quengeln, bis sie endlich eine Plastikknarre und 400 Schuss bekommen, und dann rennen sie den ganzen Tag umher, richten den Lauf auf Fremde und finden das toll und lachen, und ganz viel später gucken sie Western. Und dann gibt es die andere Sorte von Menschen. Zu der gehöre ich.

Suburbicon – Drama, 2017

Mark: Wer Filme von (oder aus dem Dunstkreis von) Ethan Coen und Joel Coen liebt, für den ist Suburbicon-Schauen (Regie übrigens: George Clooney) bestimmt wie Weihnachten und Geburtstag und alle anderen schönen Tage des Lebens zusammen. Die – aus Ermangelung einer besseren Genre-Zuordnung folgt nun ein crazy Neologismus – Krimidramödie liefert den skurrilen und schwarzen Humor eines Burn After Reading oder The Big Lebowski. Aber anders als bei diesen zweien, kann ich mich an keine Szene des Films mehr so richtig erinnern.

Ana: Das Leben ist zu kurz für Abklatsche. Und nichts anderes ist Suburbicon: Eine weniger liebevolle, weniger durchdachte Version aller Coen-Filme. Wenn ihr aus irgendeinem Grund gerade keinen Zugriff auf The Big Lebowski habt: Seht euch Suburbicon an. Ansonsten nicht.

[Außerdem auf ze.tt: Das sind die 100 besten Komödien aller Zeiten]

Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft – Doku, 2017

Mark: Wichtig. Gucken. (Auch wenn Al Gore diesmal offenbar kein Geld mehr für eine coole Hebebühne hatte.)

Ana: Klimaerwärmung ist eine reale Bedrohung. Wir müssen etwas dagegen tun. Aber jetzt ganz, ganz, ganz ehrlich: Wenn ihr euch so überlegt, was ihr auf der Couch schauen wollt, ist „etwas Wichtiges“ wohl relativ weit unten auf der Liste, oder? Ist jedenfalls bei mir so. Ich bin wohl schuld daran, dass alle Robbenbabys sterben werden.

Weitere gute neue Filme bei Amazon Prime Video im Juli 2018:

Escobar: Paradise Lost​ – Thriller, 2014
Popstar: Never Stop Never Stopping​ – Mockumentary, 2016
Logan Lucky – Gangsterkomödie, 2017