So stark reagiert Greta Thunberg in einem offenen Brief auf Hass und Gerüchte

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg musste sich zuletzt viel Hass und Gerüchte bezüglich ihrer Person anhören. Nun bezieht sie dazu in einem offenen Brief Stellung.

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Die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg musste zuletzt viel Hass und Gerüchte ertragen. Foto: Fabrice Coffrini / AFP / Getty Images

Als die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg im August 2018 im Alleingang einen Schulstreik begann, wollte sie damals einfach nur auf den Klimawandel und dessen Auswirkungen aufmerksam machen. Schnell ging Gretas einzigartige Aktion viral, die Klimaaktivistin bekam immer mehr Aufmerksamkeit und begann diese öffentliche Plattform folgerichtig zu nutzen und ihr Anliegen – den Einsatz gegen den Klimawandel – publik zu machen. Sie bekam seither von vielen Seiten Anerkennung, Bewunderung, hatte sogar die Möglichkeit auf der UN-Klimakonferenz in Katowice und dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu sprechen.

Doch neben der Anerkennung gab es auch viel Kritik, Anfeindungen und Hass für die 16-Jährige. Oftmals sah sie sich mit Gerüchten bezüglich ihrer Person konfrontiert: Menschen behaupteten, Greta handle im Auftrag von irgendjemandem, sie bekomme Geld für ihren Klimaaktivismus, sie würde wie eine Marionette benutzt werden und sowieso alles viel zu einfach sehen. Nun richtet sich die junge Klimaschutzaktivistin auf ihrer Facebook-Seite an ihre Gegner*innen und bezieht in einem offenen Brief Stellung zu den Gerüchten und Vorwürfen.

Einige Dinge klarstellen

Zunächst erklärt sie, dass all die bösen Kommentare sie keineswegs überraschen: „Ich weiß, dass ein Schulstreik für das Klima für die meisten Menschen erstmal seltsam wirkt, weil sie sich nicht der vollen Bedeutung der Klimakrise bewusst sind – was wiederum verständlich ist, weil es bisher nicht als eine Krise behandelt wurde.“ Deshalb möchte sie einige Dinge klarstellen.

Sie habe sich mit anderen Aktivist*innen und Gruppen getroffen und ausgetauscht, um Ideen für neue Projekte und Aktionen zu sammeln – dabei entstand unter anderem auch die vage Idee eines Schulstreiks, in Anlehnung an die Streiks der Parkland-Schüler*innen in den USA. Greta war von der Idee begeistert, konnte aber niemanden sonst dafür gewinnen. Ab diesem Zeitpunkt habe sie angefangen, den Schulstreik ganz allein in Eigenregie zu organisieren und habe an keinen weiteren Treffen mit anderen Aktivist*innen mehr teilgenommen, erklärt sie.

Recently I’ve seen many rumors circulating about me and enormous amounts of hate. This is no surprise to me. I know that…

Gepostet von Greta Thunberg am Samstag, 2. Februar 2019

Greta war auf sich gestellt

Auch Gretas Eltern waren zunächst alles andere als begeistert: „Sie haben die Idee des Schulstreiks nicht unterstützt und sagten mir, dass ich, wenn ich das machen wolle, ganz auf mich gestellt sei – ohne ihre Unterstützung“, schreibt Greta weiter. Doch das brachte die 16-Jährige nicht von ihrer Idee im Kampf gegen den Klimawandel ab und sie nahm ab dem 20. August 2018 vor dem schwedischen Parlament in Stockholm Platz, um für das Klima zu streiken und über den Klimawandel zu informieren.

„Viele Menschen lieben es, Gerüchte zu verbreiten, ich hätte noch weitere Personen ‚hinter mir‘ oder sie behaupten, ich werde ‚bezahlt‘ oder ‚genutzt‘, um das zu tun, was ich tue. Aber da ist niemand ‚hinter‘ mir außer ich selbst“, kontert Greta. „Ich bin kein Teil einer Organisation“, betont sie und erklärt, dass sie zwar manchmal Nichtregierungsorganisationen, NGOs, unterstütze und mit ihnen zusammenarbeite, aber sie sei dabei völlig unabhängig und stehe nur für sich selbst.

„Die Idee ist komplett absurd“

Dem Vorwurf, sie werde für ihren Einsatz bezahlt, entgegnet sie: Alles, was sie tue, tue sie kostenlos. Sie habe weder Geld noch die Aussicht auf eine zukünftige Bezahlung bekommen. „Und so wird das natürlich auch bleiben. Ich habe keinen einzigen Klimaschutzaktivisten getroffen, der gegen Geld für das Klima kämpft. Die Idee ist komplett absurd“, betont sie. Außerdem reist sie nur mit der Erlaubnis ihrer Schule und die Reise- und Unterkunftskosten tragen ihre Eltern.

Zudem stellt Greta richtig, dass sie die Reden, die sie in der Öffentlichkeit hält, selbst schreibe. Um sicherzugehen, dass sie sich dabei an Fakten hält und keine Fehler macht, fragt sie andere um Rat, lässt sich auch von Wissenschaftler*innen unterstützen. „Ich will, dass alles absolut korrekt ist, damit ich keine falschen Fakten verbreite oder Dinge falsch verstanden werden“, erklärt sie.

Eine Gabe, keine Krankheit

Auch den Leuten, die sie wegen ihres Asperger-Autismus mobben, hat sie etwas zu sagen: „Asperger ist keine Krankheit, sondern eine Gabe“, erklärt die 16-Jährige. Ohne Asperger hätte sie wahrscheinlich nicht so eigenständig gehandelt, sagt sie: „Ich bin nicht gut im Socializen und habe dann stattdessen das getan“, führt sie weiter aus und bezieht sich damit auf ihren Schulstreik.

Auch den Vorwurf, sie höre sich an und schreibe wie eine Erwachsene, weist Greta von sich und fragt: „Glaubt ihr nicht, dass eine 16-Jährige für sich allein sprechen kann?“ Dann geht sie im gleichen Atemzug darauf ein, dass ihr immer wieder vorgeworfen wird, sie würde die Dinge zu einfach sehen, wenn sie etwa die Klimakrise als schwarz-weiß bezeichne und zu Panik aufruft: „Ich sage das nur, weil es wahr ist. […] Die Lösung ist schwarz und weiß“, erklärt sie. „Und wenn ich sage, dass ihr panisch sein sollt, meine ich, dass wir diese Krise als Krise behandeln müssen. Wenn dein Haus in Flammen steht, dann setzt du dich nicht hin und sprichst darüber, wie schön du es nach dem Feuer wieder aufbauen kannst. Wenn dein Haus in Flammen steht, dann rennst du raus und gehst sicher, dass alle anderen auch draußen sind, wenn du die Feuerwehr rufst“, erklärt Greta.

Unsere Zukunft steht auf dem Spiel

Anschließend geht sie noch auf den Vorwurf ein, sie sei noch ein Kind, noch viel zu jung und man sollte nicht auf Kinder hören. Greta kontert trocken: „Dann hört halt auf stichhaltige Wissenschaft.“ Und dann stimmt sie den Gegner*innen sogar zu: „Ja, ich stimme euch zu, ich bin zu jung dafür. Wir Kinder sollten das nicht machen müssen. Aber da fast niemand etwas unternimmt und unsere Zukunft auf dem Spiel steht, haben wir das Gefühl, weitermachen zu müssen.“

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