So tränenreich verlief der Abschied des Vereinigten Königreichs vom EU-Parlament

Nach mehr als drei Jahren wird der Brexit Realität, zumindest im EU-Parlament. Britische Abgeordnete räumen ihre Büros leer – manche hoffen trotzdem auf eine Rückkehr.

Es ist ein historischer Moment für die EU und ein bisschen so, als würde eine Beziehung zerbrechen. Erst viele glückliche, dann am Ende ein paar anstrengende Jahre. Und schließlich das Ende. Nun heißt es Abschied nehmen und die Trennung verarbeiten. Die beiden Partner*innen sind in dem Fall die Europäische Union und das Vereinigte Königreich. Sie haben diese Woche bereits begonnen, ihre Büros auszuräumen und die letzten Vorkehrungen für die Abreise zu treffen. Insgesamt 73 britische Abgeordnete verlieren durch den Brexit ihre Jobs, sie werden nicht weiter die Zukunft Europas mit seinen etwa 500 Millionen Einwohner*innen mitgestalten.

Am Mittwoch fand nun die allerletzte Plenarsitzung des Europaparlaments in Brüssel mit eben jenen Europaabgeordneten statt – dreieinhalb Jahre, nachdem sich die Brit*innen das erste Mal für einen Brexit ausgesprochen haben. Die Sitzung war gekennzeichnet von emotionalen Reden und Abschieden. „Das ist einer dieser Momente in der europäischen Geschichte, die einen sehr traurig machen“, sagte Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans in seiner Rede.

Richard Corbett, Chef der Labour Party, erhielt standing ovations noch bevor er ein Wort sagen konnte. Molly Scott Cato, britische Grünenpolitikerin, teilte bei ihrer Rede unter Tränen ihren Kummer und ihr Bedauern über den Brexit mit. Sie hoffe, irgendwann wieder zum EU-Parlament zurückkehren zu können. Der Washington Post sagte sie über den Brexit: „Er ist eines dieser schrecklichen Dinge, bei denen man morgens aufwacht und sie vergessen hat – und dann erinnert man sich wieder daran.“

Die Abgeordneten sangen ein Lied, das sonst gesungen wird, um Verstorbenen zu gedenken

Viele der Abgeordneten trugen während der Sitzung einen bunten Schal mit den Worten „Always United“ sowie der Europaflagge und dem Union Jack auf beiden Enden. „It’s not goodbye, it’s au revoir“ wurde vorne auf die Leinwand projiziert. Es gab Umarmungen, Tränen und versteinerte Minen, bei den Pro-Brexit-Vertreter*innen auch Freude. Am Ende standen die Abgeordneten auf und stimmten gemeinschaftlich das Lied Auld Lang Syne an, das im englischsprachigen Raum traditionsgemäß zum Jahresende gesungen wird, um der Verstorbenen zu gedenken.

Am Freitag um Mitternacht ist es dann schlussendlich soweit: Das Vereinigte Königreich wird laut Vertrag nicht mehr Teil der EU sein und eine elf Monate andauernde Übergangsphase beginnt. Bis zum Ende des Jahres wird es für die Brit*innen voraussichtlich keine spürbaren Veränderungen geben.

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