So unterschiedlich werden Frauen und Männer bei der Arbeit eingeschätzt

Sarah Cooper arbeitete bei Google und hat dort viele Situationen erlebt, in denen Männer und Frauen trotz gleicher Aussagen unterschiedlich eingeschätzt wurden. Dieses Phänomen hat sie in Illustrationen verarbeitet.

"Hat noch eine Chance verdient" oder "Braucht einen neuen Job"? Foto: © Sarah Cooper

Stellt euch vor, ihr trefft euch mit neuen Kolleg*innen zum Meeting. Alle sitzen zusammen am Tisch und werden nacheinander vorgestellt – eine Mitarbeiterin wird vergessen. Sie unterbricht den Vortrag und spricht das kurz an. Ganz normal, oder? Nun, nicht immer wird das so wahrgenommen. Denn was die einen als aufmerksam oder einfach gerechtfertigt empfinden, nennen andere ichbezogen. Vor allem Frauen erleben es immer wieder, dass ihnen durch ihr Verhalten negative Attribute zugeschrieben werden, wo Männern anerkennend zugenickt wird. Was für eine Doppelmoral!

Dieses Phänomen zeigt Sarah Cooper in ihrem Buch How to be successful without hurting men’s feelings voller sarkastischer Illustrationen, die es auf den Punkt bringen. Die 33-Jährige arbeitete als User Experience Designerin bei Google, wo sie immer wieder die Erfahrung machte, dass ihr schieres Frausein dazu führte, dass sie übergangen und benachteiligt wurde. Den Job hat sie gekündigt. Mit einem Augenzwinkern erklärt sie jetzt Männern, dass sie sich nicht von der Kompetenz einer Frau einschüchtern lassen müssen.

Hilfsbereit vs. herablassend

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Foto: © Sarah Cooper

„An deinem Dokument muss noch viel überarbeitet werden.“ Diese Anmerkung kann sowohl als hilfreich als auch als schroff wahrgenommen werden. Dabei macht aber nicht nur der Ton die Musik – manchmal spielt es auch ganz simpel eine Rolle, wer den Satz sagt. Und ob das eine Frau oder ein Mann ist. Wenn ihr also das nächste Mal von dem Satz genervt seid, fragt euch doch mal, woher das Genervtsein kommt – und ob es da nicht vielleicht weniger um den Inhalt als um das Klischee der herrischen Frau geht.

Leidenschaftlich vs. hysterisch

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Foto: © Sarah Cooper

„Das kotzt mich total an!“ Klingt zugegebenermaßen nicht nett – sagt es eine Frau, dann wird aus nicht nett auch noch schnell hysterisch. Dabei geht es um das uralte Vorurteil, dass Frauen ihre Wut nicht unter Kontrolle haben, sie sich alles zu sehr zu Herzen nehmen und nicht auf ihre Emotionen klarkommen. Na klar… Ganz grundsätzlich gilt aber natürlich immer: Es ist nicht die feine Art, Dampf gegenüber anderen Kolleg*innen abzulassen. In jedem Fall ist es für Frauen wie auch Männer aber absolut legitim, Gefühle zu zeigen – im besten Falle, ohne andere zu verletzen. Denn selbstverständlich schlagen Konflikte bei der Arbeit auch manchmal auf das Gemüt.

Selbstbewusst vs. arrogant

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Foto: © Sarah Cooper

„Ich glaube, ich wäre am besten geeignet, um dieses Projekt zu leiten.“ Wer bei dieser Aussage zwischen Mann und Frau unterscheidet, gehört zu der gleichen Kategorie Mensch, wie Männer, die die Stimme im Navigationssystem umstellen, weil sie es nicht ertragen können, dass ihnen eine weibliche Stimme sagt, wo es lang geht. Euch sei gesagt: Die Route für die Überholspur verläuft wo anders!

Detailorientiert vs. langsam

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Foto: © Sarah Cooper

„Dafür brauche ich mehr Zeit.“ All diejenigen, die Frauen vorwerfen, sie seien zu langsam, während sie gleichzeitig Männer detailorientiert nennen, würde ich gerne in eine Zeitmaschine setzen und in die unendliche Vergangenheit schicken.

Familientreu vs. unverantwortlich

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Foto: © Sarah Cooper

„Kann ich meine Tochter morgen mit zur Arbeit bringen?“ Das ist ein Satz, der nicht immer auf Verständnis stößt. Die größeren Chancen, verstanden zu werden, haben aber vielleicht die Männer, die damit Familiensinn zeigen und super modern sind, während Mütter mit so einer Frage ganz gerne Mal in die Schublade unorganisiert oder überfordert einsortiert werden. Aber das kann man sich in Zukunft als Kolleg*in oder Chef*in auch mal schenken.

Beförderungswürdig vs. ungeeignet

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Foto: © Sarah Cooper

„Ich habe vier Kinder.“ Auch dieser Satz hat eine ganz unterschiedliche Wirkung, je nachdem, wer ihn ausspricht. Für alle Personaler*innen, die das von einer Mutter hören und denen der Angstschweiß dabei ausbricht: Mütter wegen der Anzahl ihrer Kinder nicht zu befördern ist einfach Schwachsinn – ganz besonders, wenn ihr annehmt, dass sie den Großteil der Care-Arbeit übernimmt. Denn diese Frau bringt dann garantiert nichts mehr aus der Ruhe. Schluss mit der Bigotterie bei Beförderungen!

Braucht eine zweite Chance vs. braucht einen neuen Job

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Foto: © Sarah Cooper

„Tut mir leid, ich habe es verbockt.“ Frauen, die für jeden einzelnen Fehler kritisiert werden brauchen tatsächlich einen neuen Job – und zwar, weil sie sich nicht mit Arbeitgeber*innen rumschlagen müssen, die sie nicht wertschätzen. Und natürlich haben auch alle Männer eine zweite Chance verdient, die den Fehler gemacht haben, Frauen vorschnell zu verurteilen. Sehr gut eignet sich da Sarah Coopers Buch, das Männern zeigt, dass sie sich nicht von den Kompetenzen einer Frau einschüchtern lassen müssen.