So viel Identität steckt in deinem Namen

Besteht ein Name nur aus einer Buchstabenfolge oder vor allem aus der Lautfolge? Namen aus anderen Sprachräumen werden oft angepasst. Damit ändert sich auch die Wahrnehmung des Menschens dahinter.

So viel Identität steckt in einem Namen

Say my name, say my name. Quelle: Unsplash / CC0

Mein eigener Vorname, Lauren, ist in den USA sehr verbreitet. In Deutschland hingegen nicht, sodass ich sowohl die Betonung als auch die Schreibweise immer wieder erklären muss. Meine Eltern haben sich für eine Betonung auf der zweiten Silbe entschieden, sodass der e-Laut langgezogen wird. Laurén. Nun, da ich in den USA lebe, ist es viel leichter geworden mich selbst vorzustellen. Kein Buchstabieren, Nachfragen oder Korrigieren mehr, denn ich habe mich hier für die englische Version Lauren entschieden.

Menschen, deren Namen wie meiner aus einem anderen Kulturkreis stammen, müssen sich im Alltag häufig mit einer angepassten Aussprache ihres Namens abfinden. Meistens, da die Lautfolge in der neuen Sprache schwierig auszusprechen ist. Dem liegt die Frage zugrunde, was genau einen Namen ausmacht.

Sofern es nur die Buchstabenfolge ist, ist eine neu angepasste Aussprache kein Problem, denn Laute werden in vielen Sprachen unterschiedlich ausgesprochen. Eltern entscheiden sich aber meistens auch für eine bestimmte Phonetik, also eine Aussprache. In vielen Sprachen wird die Betonung durch Akzentuierung kenntlich gemacht. Im Deutschen werden Grundwörter beispielsweise auf der ersten Silbe betont.

Die richtige Aussprache

Neben dieser allgemeinen Akzentuierung stößt auch die richtige Aussprache einiger Laute auf Schwierigkeiten. Viele Deutsche haben Probleme, den englischen th-Laut korrekt zu artikulieren. Das wirkt sich natürlich auch auf Namen aus, die aus dem englischen Sprachraum importiert werden oder deren Träger*innen nach Deutschland kommen.

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Klarheit soll die internationale Lautsprache schaffen. Durch einheitliche Lautsymbole kann so zumindest die korrekte Aussprache ermittelt werden. Der th-Laut kann beispielsweise entweder stimmhaft /ð/ oder stimmlos /θ/ artikuliert werden. Dafür gibt es unterschiedliche Symbole, sodass jede Lautfolge detailliert aufgeschrieben werden kann. Das garantiert aber noch nicht, dass Einzelne in der Lage sind, diese Lautfolge auch richtig auszusprechen, denn viele Laute erfordern Übung. So kann nicht jede*r den r-Laut rollen.

Ist Angleichung ein Vorteil?

Viele Menschen akzeptieren eine dem neuen Sprachraum angepasste Aussprache ihres Namens. Zum einen, weil sie es den Mitmenschen einfacher machen, zum anderen, weil sie weniger auffallen, wenn sie ihren Namen angleichen.

Für manche Menschen geht diese Angleichung sogar so weit, dass sie sich direkt einen neuen Namen aussuchen. Willow ist 23 Jahre und studiert am Massachusetts Institut of Technology in Boston. Sie stammt aus China und hat sich entschieden, nachdem sie in die USA gekommen ist, ihren chinesischen Namen abzulegen. „Das war einfach zu schwierig. Die Leute haben sich Mühe gegeben, haben meinen Namen aber immer wieder vergessen“, erzählt die Studentin. „Also habe ich mir einen amerikanischen Namen ausgesucht.“ Dafür hat sie die Internetseite names.org aufgerufen, hat sich durch die Frauennamen geklickt und auf der letzten Seite Willow entdeckt. „Das klang für mich einfach gut“, sagt sie. Mit dem neuen Namen hat sie sich, vielleicht unbewusst, auch neue Stereotype ausgesucht.

Namen transportieren Stereotype

Auf dem Papier fällt sie zunächst nicht mehr als Ausländerin auf. Sie hatte allerdings auch keine Ahnung, was US-Amerikaner*innen mit dem Namen Willow assoziieren. Denn Namen transportieren so viel mehr, als nur eine Lautfolge. Eine Studie der Universität Oldenburg aus dem Jahr 2009 zeigt, dass Vornamen in der Schullaufbahn die Bewertung von Kindern beeinflussen. Eine Marie gälte als unauffällig und freundlich, ein Kevin wurde eher als verhaltensauffällig eingestuft.

Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen neue Namen aussuchen, werden auch mit der neuen Konnotation ihres Namens konfrontiert. Das ist noch einen Schritt schwieriger als die Namenswahl werdender Eltern, da diese den Namen für einen Menschen wählen, den sie noch nicht kennen. Wer sich selbst kennt und dann einen neuen Namen wählt, muss einen finden, der die eigene Persönlichkeit widerspiegelt.

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Die Namensangleichung an einen neuen Sprach- und Kulturraum ist also nur eine Form der Anpassung. Ein Name, der im eigenen Sprachraum sehr verbreitet ist, kann an die neue Sprache angepasst wiederum ungewöhnlich sein. Dieser Umstellung müssen sich Menschen auf beiden Seiten bewusst sein, denn nicht nur Namensträger*innen sind betroffen, sondern auch diejenigen, die den Namen, wenn auch unbewusst, an ihren Sprachraum anpassen. Denn mit einer Veränderung des Namens ändert sich auch ein Stück Identität.