Sollten Politiker*innen auf Statussymbole wie eine Rolex-Uhr verzichten?

In der Debatte um die SPD-Staatssekretärin Sawsan Chebli geht es bislang nur darum, dass sie sich als Frau mit Migrationshintergrund mit einer teuren Uhr präsentiert. Dabei sollte die Frage sein: Können Politiker*innen Statussymbole tragen und trotzdem glaubhaft sein? Ein Kommentar

Sollten Politiker*innen auf Statussymbole wie eine Rolex-Uhr verzichten?

„Wer von Euch Hatern hat mit 12 Geschwistern in 2 Zimmern gewohnt, auf dem Boden geschlafen&gegessen, am Wochenende Holz gehackt, weil Kohle zu teuer war?(...) Mir sagt keiner, was Armut ist." Foto: Hannibal/ Dpa/ Picture Alliance

Es ist ein Foto aus dem Jahr 2014. Sawsan Chebli spiegelt sich in einer Scheibe. Ihre Hände verschränkt sie unter der Brust und blickt selbstbewusst in die Kamera. „Die neue stellvertretende Sprecherin des Außenministeriums, Sawsan Chebli. Die Deutsch-Palästinenserin kommt aus dem Berliner Innensenat, wo sie bislang Referentin für interkulturelle Angelegenheiten war“, heißt es im Text zu dem Pressefoto vor vier Jahren.

Bisher hat sich niemand groß für die teure Uhr an ihrem Arm interessiert. Bis am vergangenen Freitag ein Facebook-User dieses Bild hervorholte, eine Fotomontage daraus machte und mit den Worten „Alles was man zum Zustand der deutschen Sozialdemokratie 2018 wissen muss^^“ veröffentlichte. Seither tobt in den sozialen Medien ein Shitstorm gegen Chebli.

Sie selbst reagierte auf Twitter so: „Wer von Euch Hatern hat mit 12 Geschwistern in 2 Zimmern gewohnt, auf dem Boden geschlafen&gegessen, am Wochenende Holz gehackt, weil Kohle zu teuer war? Wer musste Monate für Holzbuntstifte warten? Mir sagt keiner, was Armut ist. #Rolex“

Worum es in der Diskussion #Rolex derzeit geht

Beobachtet man die Diskussion im Netz, wird schnell klar, dass sie all die Kritik und den Hass nicht wegen ihrer Uhr bekommt. Sondern weil sie eine Frau und Muslima ist, weil sie Migrationshintergrund hat und weil sie verdammt selbstbewusst ist. Das passt so einigen gar nicht und darum muss nun – vier Jahre später – ihre Rolex herhalten, um sie angreifbar zu machen. Die derzeitige Diskussion rund um die Frage, ob Chebli nun eine Rolex tragen darf oder nicht, ist sinnlos und könnte abgekürzt werden: Ja, natürlich darf sie!

Schließlich sitzen die Männer der Politik auch in teuren Sportwagen, rauchen Zigarren oder tragen Designer-Anzüge. Man erinnere sich nur mal kurz an einen Parteikollegen Cheblis: Gerhard Schröder, der sich 1999 frisch im Amt in teurer Mode ablichten ließ. Auch Schröder wurde damals kritisiert, als „Kaschmir-Kanzler“ verspottet. Geschadet hat es ihm nicht und bei vielen anderen bleibt die Diskussion meist ganz aus. Nur selten werden Politiker für Statussymbole kritisiert.

Worum es in der Diskussion #Rolex gehen sollte

Und an diesem Punkt angekommen, könnte die Diskussion rund um Cheblis Rolex tatsächlich spannend werden. Denn die Frage, ob gerade SPD-Politiker*innen, die sich für Chancengleichheit und Gerechtigkeit in der Gesellschaft einsetzen, Statussymbole tragen, fahren, besitzen, rauchen oder trinken sollten, ist eine Diskussion wert.

Doch um diese Themen dreht sich die Diskussion so gut wie gar nicht. Denn anstatt sachlich darüber zu reden und sich damit auseinanderzusetzen, was die Probleme der SPD 2018 sind, stürzt man sich auf Sawsan Chebli. Dabei geht es den Kritiker*innen eindeutig viel zu sehr um ihre Person und viel zu wenig um ihre Uhr.