Statt Kita-Navigator: Bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen!

Eine neue Webseite soll Berliner Eltern helfen, einen Kitaplatz für ihr Kind zu finden. Die Idee ist gut, löst aber nicht das grundsätzliche Problem. Ein Kommentar

Wer kümmert sich um dieses Kind, wenn die Eltern arbeiten? Foto: Jerry Wang / Unsplash

Der Kita-Navigator soll ein existenzielles Problem von jungen Familien lösen: die Suche nach einem Kitaplatz für den Nachwuchs. Auf einen Blick sollen digital die Informationen auffindbar sein, in welcher Kita es wie viele freie Plätze gibt. Die Idee klingt gut, aber die Umsetzung scheitert an der Realität. Ruft man die Kitas an, die mit einem grünen Haken für freie Plätze markiert sind, bekommt man als Antwort häufig nur ein Lachen, wie der Tagesspiegel berichtet. „Wir sind froh, wenn wir Geschwisterkinder unterkriegen“, heißt es stattdessen.

Grund dafür, dass die Kitas so ausgelastet sind, ist der Personalmangel. Oft hätten Kitas Kapazitäten für mehr Kinder, einzig am geeigneten Personal scheitert es, so eine Kitaleitung. Und genau dort muss angesetzt werden, wenn sich an der Situation rund um die frühkindliche Bildung nachhaltig etwas ändern soll.

ZEIT ONLINE hat Tipps für Eltern gesammelt, die – entweder, weil sie für ihr Kind keinen Kitaplatz finden, oder weil die Kita wegen Personalengpässen keine Kinder betreuen kann – manchmal auch sehr spontan nach Betreuung für ihre Kinder suchen müssen. Als eine der privat organisierten und finanzierten Möglichkeiten wird der Notmütterdienst empfohlen. Mindestens 20 Euro kostet hier eine Betreuungsstunde. Daneben werden weitere Portale vorgestellt, über die Eltern zeitnah eine Betreuung für ihr Kind organisieren können. Der Haken – neben dem Fakt, dass man in Notsituationen die Zeit und auch die emotionale Kraft haben muss, sich darum zu kümmern: Manchmal ist sogar schon die Registrierung für die Portale kostenpflichtig.

Kinderbetreuung darf kein Privileg sein

Diese Möglichkeiten können sich also nur Eltern mit gutem Einkommen leisten – und ganz bestimmt nicht die, die existenziell darauf angewiesen sind, eine Betreuung zu haben, wie Alleinerziehende. Doch Kinderbetreuung und die Möglichkeit von Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf kein Privileg sein, es muss eine Selbstverständlichkeit sein.

Alle Angebote, die privaten und auch der Kita-Navigator, lenken vom grundlegenden Problem ab. Es gibt immer weniger – und insgesamt zu wenige – Menschen, die als Erzieher*innen arbeiten wollen. Das liegt an der verantwortungsvollen und in vielen Hinsichten anstrengenden Aufgabe und der Schieflage, dass dieser Beruf nicht fair bezahlt wird. Obwohl Erzieher*innen so einen großen Anteil am (Über-)Leben von Familien haben, drückt sich ihre Wertschätzung weder auf ihrem Gehaltszettel, noch in der gesellschaftspolitischen Anerkennung aus.

Digitale Tools, die Bürokratie vereinfachen, sind gut und sinnvoll. Priorität sollten allerdings familienpolitische Weichenstellungen haben, die einhergehen müssen mit mehr Wertschätzung für Sorgearbeiten wie Kinderbetreuung. Wenn das nicht bald passiert, werden Kita-Leitungen am Telefon weiterhin hilflos lachen und Eltern hilflos weinen.


Alle Texte der Kolumne Klein und groß.

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