„Stranger Things 3“: Diese Charaktere sind die eigentlichen Stars der Staffel

Gäbe es das Team Dustin-Steve-Robin-Erica nicht, die dritte Staffel von Stranger Things wäre viel, viel langweiliger. Eine Kritik

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Robin, Steve, Dustin und Erica, nicht im Bild, sind das neue Stranger-Things-Superteam. Filmstill: Netflix

Das Böse mag es kalt. Das wissen wir seit der zweiten Staffel von Stranger Things. Als das Schattenmonster aus der frostigen Upside-Down-Welt Besitz von Will ergreift, rücken ihm seine Freund*innen mit Wärmestrahlern und Kaminfeuer zu Leibe. Sie heizen Will solange ein, bis das Schattenmonster seinen Körper verlässt und sich in die Kälte der Unterwelt flüchtet.

Dass sich das Böse in Stranger Things 3 also ausgerechnet den Sommer 1985 aussucht, um die Menschheit zu vernichten, scheint erst mal unklug. Selbst die Bewohner*innen der fiktiven Kleinstadt Hawkins haben mit der Sommerhitze zu kämpfen. Entweder kühlen sie sich im Freibad ab oder in der neuen Mall am Stadtrand. Doch der sogenannte Mind Flayer findet diesmal einen Weg, besser mit der Wärme klarzukommen: Statt bloß die Kontrolle von mehreren Menschen zu übernehmen, zapft er ihre Energien ab. So wird der Mind Flayer immer mächtiger und scheint unbesiegbar zu sein.

Viel mehr lässt sich über die Story von Stranger Things 3 nicht sagen, ohne den Spaß zu verderben. Aber wie die Held*innen den Plänen des Mind Flayers auf die Schliche kommen und ob sie ihn am Schluss gemeinsam in seine Upside-Down-Welt verbannen können, ist auch gar nicht so spannend. Die Handlung ist ziemlich vorhersehbar.

Interessanter ist es zu verfolgen, wie sich die Beziehungen der Charaktere in Stranger Things 3 weiterentwickeln. Denn Mike, Eleven, Will, Dustin, Lucas und Max stecken jetzt in der Pubertät. Das Gefühlschaos ist vorprogrammiert. Während Will sich dem Erwachsenwerden widersetzt und am liebsten den ganzen Sommer über Dungeons & Dragons spielen möchte, müssen Mike und Eleven sowie Lucas und Max erste Beziehungskrisen überwinden. Und so kommt es zwischen den Kämpfen gegen das Böse immer wieder zu Streitigkeiten, die die maue Mystery-Story aufpeppen.

Am lustigsten sind allerdings nicht die Zwists der Kern-Protagonist*innen um Mike und Eleven. Das Team, bestehend aus Dustin Henderson (Gaten Matarazzo) und den Nebenfiguren Steve Harrington (Joe Keery), Robin (Maya Hawke) und Erica Sinclair (Priah Ferguson), stiehlt den übrigen Rollen in dieser Staffel eindeutig die Show.

Fans liebten Dustin und Steve schon in Stranger Things 2

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Gaten Matarazzo (Dustin) und Joe Keery (Steve) sind bereits seit Staffel zwei von Stranger Things ein super Team. Foto: VALERIE MACON/AFP/Getty Images

Nebenfiguren, die den Hauptpersonen den Rang ablaufen, gibt es immer wieder. Barney Stinson, Sheldon Cooper und Arya Stark zählen beispielsweise dazu. Obwohl How I Met Your Mother vorrangig die Beziehungshistorie von Ted Mosby nacherzählt, sind es die Sprüche des Aufreißers Barney („Wait for it“, „Challenge Accepted“, „Have you met …“), die in die Popkulturannalen eingegangen sind. Sheldon Cooper war unter Zuschauer*innen der Big Bang Theory so beliebt, dass die Figur ein eigenes Spin-off bekam. Und gegen Serienende von Game of Thrones schien Arya Starks Schicksal die Fans mehr zu interessieren als die Frage, wer den Eisernen Thron besteigt.

Das Duo Dustin und Steve feierten Fans schon in der zweiten Staffel. Vermutlich, weil eine Freundschaft zwischen den beiden zunächst unmöglich schien. In der ersten Staffel trat Steve noch als arroganter Bully auf, Dustin bot sich als Nerd hervorragend als Zielscheibe seiner Eitelkeit an. Doch als die beiden gegen Ende der Staffel loszogen, um einen Demogorgon einzufangen, fand das ungleiche Duo zu einer innigen Bromance. Bei manchen Fans trägt Steve seither den Spitznamen Dad Steve, weil er Dustin in Haar- und Frauenfragen beriet und sich zum verantwortungsvollen Teenager weiterentwickelte.

An den Duffer-Brüdern, die Stranger Things entwickeln, ist die Freude über die Bromance nicht vorbeigegangen. In der dritten Staffel widmen sie ihr in allen acht Folgen viel Raum. Los geht’s schon bei einer Szene in der ersten Folge, als Steve seinen jüngeren Freund nach längerer Zeit wiedersieht.

Aber bei der Bromance bleibt es nicht. Als Dustin und Steve herausbekommen wollen, wer die bewaffneten Männer sind, die die Mall kontrollieren, bekommen sie Hilfe von zwei neuen Charakteren. Steves Eisdielen-Arbeitskollegin Robin und Lucas‘ kleine Schwester Erica erweitern das Duo – und dieses neue Team Dustin-Steve-Robin-Erica ist das Highlight der Staffel. Um das Mall-Geheimnis zu lüften, steuert jede*r der Vier vollen Körpereinsatz bei: Robin entschlüsselt geheime Codes, Erica überwindet Luftschächte, Steve steckt die Prügel ein und Dustin rettet ganz am Ende mit Gesang den Tag.

Gaten Matarazzo (Dustin), Priah Ferguson (Erica) und Joe Keery (Steve) bei einer Pressekonferenz zur dritten Staffel in Hollywood. Foto: Emma McIntyre/Getty Images for Netflix

Während sich die Gruppe Mike-El-Lucas-Max in Liebesdingen in die Haare bekommt, geht es im Superteam um Identitätskrisen. Robin und Steve sind gerade mit der Schule fertig geworden und stehen vor der Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Erica und Dustin beschäftigen sich mit der Frage, was Coolness bedeutet. Und dabei vermitteln die Vier immer wieder Feel-good-Weisheiten, ohne dass es schmalzig wird: Wenn du ein Arsch warst, kannst du’s wieder gut machen; Es ist okay, ein Nerd zu sein; Freundschaft ist manchmal mehr wert als Liebe.

Aus keinem der anderen Handlungsstränge nimmt man so viel mit. Und keines der anderen Teams bleibt nach dieser Staffel eindrücklicher in Erinnerung als dieses. Denn was die anderen Charaktere durchmachen müssen, ist über weite Strecken hinweg ziemlich langweilig.


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