Streamingdienst hängt sexistische Datingshow-Werbung nach Protesten ab

Plakate weg, Name geändert, Sendung neu vertont: Joyn reagiert auf die Kritik an der Datingshow M.O.M. – Milf oder Missy. Trotzdem verteidigt der Streamingdienst sein Vorgehen.

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Die Werbung zur Datingshow kam nicht bei allen gut an. Screenshot: © @mom.joyn

Frauenverachtend und sexistisch: Seit beim Streamingdienst Joyn Anfang Mai die erste eigenproduzierte Reality-TV-Sendung M.O.M. – Milf oder Missy (ja, so lautete der Titel wirklich) startete, wurden sowohl die Datingshow selbst als auch die Kampagne dazu stark kritisiert. Insgesamt 111 Beschwerden gingen laut Medienberichten beim Werberat ein. Nun zieht der Dienst von ProSiebenSat.1 und Discovery einige seiner Plakate zurück – und ändert auch den Namen der Sendung.

Auf die Verwendung des Wortes Milf (Abkürzung für Mother I’d like to fuck, also „Mutter, die ich gern ficken würde“) wolle man künftig verzichten, schrieb eine Sprecherin des Dienstes der FAZ. Die Sendung heißt nun M.O.M. – Die neue Datingshow, wie der Deutsche Werberat, das Selbstkontrollorgan der Branche, gegenüber der Tageszeitung bestätigte. Gleichzeitig habe Joyn dem Werberat zugesichert, den Ausdruck Milf von allen Plakaten und aus sämtlicher kommerzieller Kommunikation zu entfernen. Zudem würde die Sendung neu vertont, allerdings nur die Aufnahmen des Sprechers. Äußerungen der Kandidat*innen blieben unverändert. In der Onlinewerbung werde der Begriff schon seit dem 29. Mai nicht mehr verwendet. Damit stellte der Werberat sein Verfahren ein.

Herabwürdigende Plakate

In ganz Deutschland waren seit Anfang Mai Werbeplakate zu dem Format mit Sprüchen wie: „Was Altes? Was Junges? Was Neues!“ oder „Freitags ist Milf-Time.“ zu sehen. „Die aktuelle Werbekampagne von Joyn macht mich wütend. In ganzen München hängen diese frauenverachtenden, herabwürdigenden Plakate“, schrieb Katrin Habenschaden (Die Grünen), die zweite Bürgermeisterin von München, Ende Mai auf Twitter – und bewirkte damit, dass diese zumindest bereits in der süddeutschen Stadt entfernt wurden.

Auch die bayrische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) warf ProSiebenSat.1 kurze Zeit später vor, mit der Kampagne die Menschenwürde zu verletzen. „Für mich steht außer Frage, dass hier Frauen wie Dinge behandelt und bewertet werden“, schrieb Aigner in einem Brief an den Vorstandssprecher von ProSieben, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Auch der Name der Datingshow sei eine „Herabwürdigung“.

Eine Petition, die sich gegen den Sexismus der Sendung wendet, haben bereits über 4.000 Menschen unterschrieben: „Das größte Problem liegt jedoch im Begriff Milf, der die älteren Frauen von Mitte 30 bis Mitte 40 nur auf ihre Sexualität reduziert, dass sie immerhin noch gut genug sind, um mit ihnen Geschlechtsverkehr zu haben“, heißt es dort. In der Datingshow lernen zwei Männer, einer ist Ende 20, der andere Ende 50, ältere und jüngere Frauen kennen, schicken sie nach und nach nach Hause, um sich am Ende für jeweils eine von ihnen zu entscheiden.

Streamingdienst verteidigt Kampagne

Der Sender selbst verteidigt die Sendung und Werbung dazu. In ihrer Mail an die FAZ erklärte die Joyn-Sprecherin, dass man sich mit dem Feedback zur Kampagne und den Klagen auseinandergesetzt habe, aber eine andere Intention hatte: „Die Intention hinter dem Format ist, Rollenklischees aufzubrechen und sich mit der Thematik Altersunterschied in der Beziehung auseinanderzusetzen – ein polarisierendes Thema in unserer Gesellschaft.“ Deshalb habe sich der Sender „gezielt für kontroverse Formulierungen entschieden.“ Sie verstünde aber auch, dass der Begriff Milf und die Plakatkampagne für das Format ohne diesen Kontext irreführend sein könnten. Deshalb entferne man den Begriff.

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