Studierende kritisieren Corona-Überbrückungshilfe der Bundesregierung

Studierende, die wegen der aktuellen Lage keinen Job mehr haben, können nun einen finanziellen Zuschuss vom Bund beantragen. Es gibt bis zu 500 Euro im Monat – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Kundgebung hessischer Studierendenvertretungen
Studierende bei einer Demonstration am 08. Juni in Hessen, Wiesbaden. Foto: © dpa

„Nudeln & Ketchup kosten auch Geld“, „Studihilfe jetzt“. Das stand auf Plakaten, die Studierende bei Protestaktionen in Deutschland hochhielten. Demonstriert wurde vergangene Woche wegen unzureichender Hilfsmaßnahmen für Studierende während der Corona-Krise. Laut einer Erhebung des Deutschen Studierendenwerks gingen bis dahin etwa zwei Drittel von ihnen einer Nebentätigkeit nach, um sich das Studium zu finanzieren. Mit den Eindämmungsmaßnahmen verloren viele von ihnen ihre Jobs, in der Gastronomie oder im Eventbereich etwa. Auch ze.tt hat Leser*innen gebeten, ihre aktuelle Lage anonym zu schildern. Ihre Erfahrungen sind als Zitate in diesen Text eingebunden.

Im April hatte sich Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) an Studierende in finanzieller Not gewandt. Sie hatte zinslose Kredite, wie den der Kreditanstalt für Wiederaufbau, präsentiert. Auch Eilanträge für BAföG seien möglich, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes Achim Meyer auf der Heyde im Interview mit dem Deutschlandfunk.

„Ich habe eine kleine Tochter und keine Kinderbetreuung. Auf meinen Bafögbescheid warte ich schon seit über drei Monaten. Ein Nebenjob wäre für mich im Moment nicht mal realisierbar.“

ze.tt-Leser*in via Tellonym

Studierendenvertreter*innen beklagten jedoch, dass dies nicht reiche – sie forderten in einem Offenen Brief an Bundes- und Landespolitiker*innen konditionsfreie finanzielle Unterstützung. „Die Bundesbildungsministerin bietet als Soforthilfe einen Kredit an, damit stellt sie Studierende vor die Wahl – Studienabbruch oder Überschuldung“, sagte Amanda Steinmaus vom fsz, einem Dachverband von Studierendenvertretungen der ARD.

Ich habe bereits überlegt, einen Kredit aufzunehmen. Leider werde ich meist als kreditunwürdig eingestuft oder ich müsste den Kredit zu hohen Zinsen annehmen. Der zinsfreie KfW-Studienkredit für Studierende in der Corona-Krise wird erst ab dem 1. Juli ausgezahlt, was meiner Ansicht nach viel zu spät ist.

ze.tt-Leser*in via Tellonym

Jetzt hat die Bundesregierung für Studierende in Not sogenannte nicht rückzahlbare Zuschüsse von bis zu 500 Euro pro Monat freigegeben. Diese können online beantragt werden und berechnen sich nach dem individuellen Kontostand. Diese Überbrückungshilfe komme viel zu spät, sagt Johannes Maurer vom Allgemeinen Studierendenausschuss in Mainz. Im Interview mit der ARD sagte er: „In vielen Uni-Städten kann man von 500 Euro kaum seine Miete bezahlen und essen muss man ja auch etwas.“

Keine Hilfe für Menschen, die sparen

Den Höchstsatz von 500 Euro erhält ohnehin nur, wessen Kontostand unter 100 Euro liegt. Wer dagegen noch 200 Euro auf dem Konto hat, erhält 300 Euro. Wessen Erspartes bei knapp unter 500 Euro liegt, darf mit 100 Euro vom Staat rechnen. Die Überbrückungshilfe muss außerdem monatlich neu beantragt werden und ist bisher nur für Juni, Juli und August vorgesehen.

„Das ist schon deshalb realitätsfern, weil jetzt im Sommer auch die Studiengebühren bezahlt werden müssen, die je nach Uni ca. 300 Euro betragen“, sagt Selma Kreibich, Studentin der Politikwissenschaften an der Uni Potsdam zu ze.tt. Auch die Reaktionen auf Twitter zeigen, wie enttäuscht viele Studierende von den Regierungsmaßnahmen sind.

sz