„The Dead Don’t Die“ ist die wohl liebevollste, kauzigste Zombiekomödie seit Langem

Ausgerechnet Jim Jarmusch, einer der großen Regisseur*innen des Indiekinos, hat einen Zombiefilm gedreht. Und die Komödie ist ihm vollends gelungen. Eine Kritik

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Cliff, Minerva und Ronald gehen auf Zombiejagd. Filmstill: Universal

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Die Zahl der Serien und Filme über Zombieinvasionen und -apokalypsen lässt sich nur noch schwer überblicken. Einerseits gibt es zig Produktionen wie The Walking Dead oder World War Z, die sich mit großer Ernsthaftigkeit dem Thema widmen. Dann ploppen immer wieder Horrorkomödien wie Shaun of the Dead oder Zombieland (dessen zweiter Teil im Oktober startet) auf. Und schließlich gibt es zahlreiche C-Movie-Splatter, die an das Erbe von Kultregisseur George A. Romero anknüpfen wollen.

US-Regisseur Jim Jarmusch gelingt es trotzdem, im Zombiefilmgenre seinen Platz zu finden – mit einer Arthaus-Version des lustigen Wiedergängertreibens. Der Indiefilm-Kultregisseur (Only Lovers Left Alive, Paterson) verpasst seiner Zombiekomödie The Dead Don’t Die eine Tonne Ironie und sein typisches, sagen wir mal gemächliches Tempo. Krasse Schenkelklopfer wie die erwähnten Zombiekomödien bietet sein Film nicht, dafür aber herrlich absurde Situationskomik und schrullig-sympathische Charaktere.

Ein Haufen Stars in absurden Rollen

Die Story ist kaum der Rede wert: Im verpennten Waldrandörtchen Centerville geraten die Dorfcops Cliff Robertson (Bill Murray), Ronnie Peterson (Adam Driver) und Mindy Morrison (Chloë Sevigny) in einen merkwürdigen Mordfall. Die beiden Diner-Betreiberinnen wurden bestialisch ermordet und angeknabbert. Jungcop Ronnie ist sich sofort sicher: Das waren Zombies. Und das wird alles böse enden.

Auch der Farmer Miller (Steve Buscemi) muss sich in der Nacht darauf den Untoten erwehren, genauso wie ein zugereistes Hipstertrio um die allen den Kopf verdrehende Zoe (Selena Gomez). Derweil ist aber auch die äußerst merkwürdige neue Bestatterin Zelda (Tilda Swinton) mit ihrem scharfen Katana zur Stelle. Zusammen mit den Cops versucht sie, die Epidemie des fauligen Fleisches einzudämmen, während der möffernde Einsiedler Bob (Tom Waits) die Show mit dem Fernglas genießt.

Die gemächlich abgefilmten Einstellungen des verschlafenen Örtchens mit seinen durch und durch absurden Einwohner*innen erinnern anfangs an Twin Peaks von David Lynch. Die atmosphärische Gruselstimmung der Bilder durchbricht Jarmusch dann aber mit einer ganz eigenen Komik. So gehört zu den ersten auftauchenden Zombies etwa auch Rocklegende Iggy Pop, dessen zusammengekniffenes Gesicht allein schon zum Wegschmeißen vor Lachen ist. Genauso der kurze Auftritt von Carol Kane, welche die meisten noch als Vermieterin Lillian Kaushtupper aus der Netflixserie Unbreakable Kimmy Schmidt kennen dürften. Hier zollt sie dieser Rolle fast eins zu eins Tribut, bloß eben als Zombie – herrlich!

Tempo raus, Ironie rein

Und Bill Murray? Der billmurrayt eben durch die Gegend wie seit Jahren, quasi wie ein schlanker Obelix, der statt in Zaubertrank, in einen Bottich Valium geplumpst ist. Aber dafür lieben wir ihn schließlich. Genauso wie Tilda Swinton, die wohl wandelbarste und unterschätzteste Schauspielerin Hollywoods, die hier völlig überzogen ihrem Klischee als Alien-artige Kunstfigur entspricht. Man kann sie nur gernhaben, genauso wie die anderen Darsteller*innen, die alle abliefern und dem Film seinen Charme verleihen.

Natürlich ist das ein sehr spezieller, hyperironischer Humor. Aber selbst Flachwitze wie eine Horde Smombies, die verzweifelt nach Wifi sucht, oder der auftauchende Wu-Tang-Clan-Rapper RZA als Lieferbursche von WU-PS zünden hier irgendwie, weil Jarmusch so vollends auf Tempo pfeift. Anstatt den Trend der hyperaktiven, vollbeladenen Komödien zu bedienen, hat er aus The Dead Don’t Die genau das gemacht, was man von einer Zombiekomödie aus seiner Feder und Regie erwartet.

Dass da einige Längen in der Story sind, Handlungsstränge im Nichts verlaufen, total abrupt enden oder hanebüchen aufgelöst werden – gehört einfach dazu. Auch dieser Jarmusch ist ein Spalter, aber allemal liebevoller, witziger und kauziger als alle Staffeln von The Walking Dead zusammen.