Thunberg & Co. treffen Merkel: „Die politische Führung muss raus aus ihrer Komfortzone“

Bei einem Treffen in Berlin forderten die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Anuna de Wever und Adélaïde Charlier die Kanzlerin auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. Kritik kam aus den eigenen Reihen.

Genau zwei Jahre ist es her, seit sich Greta Thunberg mit einem Schild mit der Aufschrift „Schulstreik für das Klima“ (Original: „Skolstrejk för klimatet“) vor das schwedische Parlament in Stockholm setzte. Seitdem zog es Millionen Menschen weltweit auf die Straßen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Der bisherige Erfolg ist jedoch gering, heißt es in einem offenen Brief, den Aktivist*innen und Prominente kurz vor dem EU-Gipfel im Juli veröffentlichten. Darin forderten sie ein konkretes Handeln der EU-Staats- und Regierungschef*innen – insbesondere Deutschlands, das aktuell den Vorsitz für die EU-Ratspräsident*innenschaft innehat.

Am Donnerstagvormittag empfing nun Bundeskanzlerin Angela Merkel die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Anuna de Wever und Adélaïde Charlier im Bundeskanzler*innenamt in Berlin.

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Die Klimakrise endlich auch als Krise behandeln

Bei einer anschließenden Pressekonferenz hieß es, man habe mit Merkel über nationale, internationale und EU-Politik diskutiert, wobei es vor allem um CO₂-Preise und das Mercosur-Handelsabkommen gegangen sei. Bei ihrem 90-minütigen Gespräch im Bundeskanzleramt forderten die vier Frauen Merkel außerdem auf, die Klimakrise endlich auch wie eine Krise zu behandeln. Die politische Führung müsse raus aus ihrer Komfortzone, gab Greta Thunberg zu verstehen.

Angela Merkel ist Wissenschaftlerin. Sie kann sich nicht aus der Klimakrise herausreden.

Luisa Neubauer

Sie und ihre Mitstreiterinnen erwarteten, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten würden. In einem Gastbeitrag auf Spiegel Online konkretisierten sie ihr Anliegen und fordern darin unter anderem, den sogenannten Ökozid als Straftatbestand des Völkerrechts zu ahnden und die Nutzung fossiler Brennstoffe sofort einzustellen. „Angela Merkel ist Wissenschaftlerin. Sie kann sich nicht aus der Klimakrise herausreden“, kritisierte Luisa Neubauer die bisherige Zurückhaltung der Kanzlerin. Den von Merkel angekündigten Kohleausstieg bis spätestens 2038 erachten die Aktivistinnen als viel zu zögerlich.

Mit dem EU-Ratsvorsitz habe Deutschland „eine riesige Verantwortung“, sagte Adélaïde Charlier. Sie und die anderen hofften daher, dass Angela Merkel während ihrer noch andauernden Amtszeit die Führung im weltweiten Kampf gegen die Klimakrise übernehmen werde. „Wir können nicht die Einzigen sein, die die Dringlichkeit dieser Krise kommunizieren“, meint de Wever. Und wie sieht die Bundeskanzlerin die Angelegenheit? „Sie hat uns gesagt, dass sie in Erwägung ziehen wird, zu versuchen, mutiger zu sein“, so Charlier.

Aus den eigenen Reihen wurde vor dem Treffen Kritik laut. Konstantin Nimmerfroh von Fridays for Future Frankfurt sagte gegenüber der taz, man fühle sich überrannt. „Der Termin war überhaupt nicht abgesprochen“, kritisierte Nimmerfroh. So handhabe man solche Dinge in der basisdemokratisch organisierten Bewegung eigentlich nicht, heißt es weiter. Auf der Pressekonferenz darauf angesprochen, machte Thunberg deutlich, dass sie alle nicht im Namen von FFF zu diesem Treffen gegangen seien, sondern als unabhängige Aktivistinnen. Sie seien keine Anführerinnen und Fridays for Future eine Graswurzelbewegung.

sz