Tinder will Frauen mehr Macht beim Onlinedating geben

Die Dating-App Tinder arbeitet an einem neuen Feature, das Frauen die Möglichkeit gibt, den ersten Schritt ausschließlich selbst zu machen.

Tinder will Frauen mehr Macht beim Onlinedating geben

Gretchenfrage des 21. Jahrhunderts: zuerst schreiben oder angeschrieben werden? Quelle: Unsplash | CC0

Das Onlinedating-Game kann ganz schön hart sein. Immer wieder werden User*innen mit Nachrichten oder Bildern konfrontiert, die man lieber nicht bekommen würde: sexuelle Anzüglichkeiten, ungebetene Dick Pics und Co. gehören bei vielen der Dating-Plattformen zum Alltag. Die Dating-App Tinder, die nach dem Hot-Or-Not-Prinzip funktioniert, plant nun ein neues Feature, mit dem Frauen entscheiden können, ob Männer sie zuerst anschreiben dürfen oder nicht. Bisher konnte der Chat von beiden Personen begonnen werden, sofern man zuvor durch einen Wisch nach links ein Match hatte. Mit der neuen Option soll weiblichen Nutzerinnen die Möglichkeit gegeben werden, in den Einstellungen auszuwählen, ob sie ihre Matches ausschließlich selbst anschreiben wollen – oder wie bisher auch angeschrieben werden können.

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Mandy Ginsberg ist CEO der Match Group, zu der auch Tinder gehört, und erklärt auf der Plattform MarketWatch, dass man so „schlechtes Verhalten, jede Art von negativem Verhalten oder Annährungsversuchen sowie unangemessene Unterhaltungen“ verringern wolle. Sie betont: „Wir haben stets darauf gehört, was Frauen wollen, und befassen uns mit ihren Bedürfnissen.“ Doch die Idee ist nicht neu: Die Dating-App und Tinder-Konkurrent Bumble funktioniert bereits nach dem Prinzip. Hier müssen Frauen allerdings immer den ersten Schritt machen. Ginsberg stellt aber klar, dass das geplante Feature keine Reaktion auf die Konkurrenz sei, sondern vielmehr das Ergebnis langjähriger Gespräche und Überlegung darüber, wie man Dating für Userinnen angenehmer gestalten könne. Die Konkurrenz bei Bumble reagiert gelassen und begrüßt Tinders Vorhaben. Bumble-CEO und ehemalige Tinder-Mitgründerin Whitney Wolfe Herd sagte der Online-Nachrichtenplattform TechCrunch gegenüber: „Wir gratulieren jeder Firma, die Geschäftsentscheidung trifft, die Frauen bestärken.“

Die Wahl lassen

Dennoch grenzt Tinder sich ab: Man hat sich bewusst dafür entschieden, den Userinnen die Möglichkeit zu geben, den ersten Schritt zu machen und eine Konversation zu beginnen – es herrscht jedoch kein Zwang. Ginsberg erläutert diese Entscheidung: „Das Feedback, das wir bekamen, ist, dass Frauen nicht immer dazu gezwungen sein wollen, den ersten Schritt zu machen; deshalb wollen wir den Menschen die Möglichkeit geben, das selbst zu entscheiden.“ Bisher scheint diese Funktion lediglich für heterosexuelle Frauen geplant zu sein. Was unerwähnt bleibt: Vor einigen Jahren hat die ehemalige Tinder-Mitarbeiterin Whitney Wolfe ihren einstigen Arbeitgeber wegen sexueller Belästigung angeklagt. Das Unternehmen musste eine Strafe in Millionenhöhe zahlen.