Trans, Schwarz, behindert: Diese Models bringen Vielfalt auf Magazincover

Lange hatten nur die Menschen Zugang zur Modewelt, die einem enggefassten Schönheitskonstrukt entsprachen. Das ändert sich nun langsam.

Lange hatten nur die Menschen Zugang zur Modewelt, die einem enggefassten Schönheitskonstrukt entsprachen. Das ändert sich langsam.

Bringen mehr Diversität in die Mode: Aaron Philip und Cacsmy Brutus. Foto: Aaron Philip / Mama Cax / Instagram

Mode kann Spaß machen, das Selbstbewusstsein stärken, zur Identitätsbildung beitragen. Sie mag sich auf Äußerliches konzentrieren, aber sie verrät doch immer auch etwas über die Person unter der Kleidung. So oberflächlich die Modewelt auch sein mag, es handelt sich um eine riesige, millionenschwere Branche, die durch die angebotene Kleidung das gesellschaftliche Gefüge beeinflusst. Indem die Branche entscheidet, für welche Körper sie Kleidung fertigt und für welche nicht, welche Körper sie auf Laufstegen und Magazinen in Szene setzt und welche nicht, entscheidet sie auch darüber, welche Körper als normal und schön verstanden werden.

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Beschränkte Schönheitsideale überwinden

Während Covermodels lange Zeit auf eine sehr einseitige Weise schön waren, dünn, weiß, hohe Wangenknochen, beginnt sich das Verständnis davon, was ein Model ausmacht, langsam zu wandeln. Plötzlich gibt es Magazincover, auf denen Menschen abgebildet werden, die dick, androgyn oder People of Color sind. Auch Menschen mit Behinderungen werden langsam von der Modebranche als das wahrgenommen, was sie sind: schöne Menschen, die es genauso verdient haben, in und auf Modemagazinen repräsentiert zu werden, wie nicht-behinderte Menschen. Doch für das Recht darauf, wahrgenommen zu werden, mussten sie lange kämpfen, insbesondere wenn es sich um Menschen handelt, die in mehreren Bereichen ihres Lebens einer Minderheit angehören.

Darum gibt es insbesondere auf Social Media gerade viel Freude darüber, welche Menschen von Agenturen entdeckt und für Kampagnen gebucht werden. Für ihre Arbeit erhalten die Models viel positives Feedback von Menschen mit ähnlichen Lebenssituationen. Denn eine Person, die einem ähnelt, auf Abbildungen im öffentlichen Raum zu sehen, gibt Mut. Es zeigt, dass man einen gleichberechtigten Platz in der Welt hat, dass man wahrgenommen wird.

Mode als Ausdrucksform

Aaron Philip ist eine genderfluide 17-Jährige aus New York, die am 1. September 2018 bei der Modelagentur Elite New York City unter Vertrag genommen wurde. Aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung hat Aaron Philip eine Bewegungsstörung und sitzt im Rollstuhl. „Mode ist mir wichtig, weil es die ultimative Form ist, um sich selbst auszudrücken und mit Geschlechterrollen zu spielen.“ Darum sei es ihr ein Herzensanliegen, als Model mitbestimmen zu können, welche Formen von Repräsentation in der Mode stattfinden.

Mode ist mir wichtig, weil es die ultimative Form ist, um sich selbst auszudrücken und mit Geschlechterrollen zu spielen.“ – Aaron Philip

Insbesondere als mehrfach marginalisierte Person sei es wichtig, zu zeigen, dass die Behinderung ein Teil der eigenen Persönlichkeit sei, aber nicht die ganze Identität definieren würde. Philip könne auch als Person mit Rollstuhl eine Karriere haben und sich selbst verwirklichen: „Ich persönlich möchte ein erfolgreiches, gefeiertes Model werden, um ein negatives Stigma abzubauen, das die Communitys betrifft, von denen ich ein Teil bin – als Schwarze, körperlich behinderte, transsexuelle Person.“

„Menschen mit Behinderungen werden oft unterschätzt“

Chelsea Werner ist 25 Jahre alt und hat bereits vier Mal die Nationale Gymnastik-Meisterschaft der US-amerikanischen Special Olympics gewonnen. 2016 sagte sie in einem Interview mit der Today Show: „I am a sassy woman.“ (auf Deutsch: Ich bin eine kesse Frau.) Nachdem ihr Porträt in der Fernsehshow ausgestrahlt wurde, meldete sich H&M bei der Turnerin und buchte sie für eine internationale Kampagne.

Nach ihren sportlichen Erfolgen konzentriert sich Werner nun auf ihrer Modelkarriere. Sie ist bei der Agentur WeSpeak unter Vertrag und auf dem aktuellen Cover der Teen Vogue zu sehen. Sie trainiert außerdem weiterhin mehrere Tagen die Woche. Im Interview mit Mission Magazin sagte sie, Selbstbewusstsein und ein breites Lächeln würden eine Person in ihren Augen schön machen. Außerdem betonte sie in dem Gespräch, dass Menschen mit Behinderungen oft unterschätzt würden. Das wolle sie ändern.

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„Sei deine eigene Repräsentation“

Chella Man ist 19 Jahre alt, lebt als Künstler in New York und modelt. Bei Veranstaltungen trägt er meist seine Hörgeräte, denn Man ist hörbeeinträchtigt. Im Februar 2018 war er die einzige offene Transperson bei der New York Fashion Week: Men’s. Sowohl als Mitglied der LGBTQ-Community, als auch als Mensch mit eingeschränktem Gehör ist es Man wichtig, zu informieren und für mehr Repräsentation einzustehen. In seiner Jugend gab es keine Menschen, in denen er sich wiedererkannt hätte, weder im Fernsehen, noch in Büchern oder auf Modemagazinen. „Ich fühlte mich so isoliert, weil es keine Repräsentation gab“, erklärte Man gegenüber dem Onlinemagazin Mic. „Alle Menschen verdienen es, gesehen zu werden und Vorbilder zu haben. Wir existieren, darum haben wir das Recht, repräsentiert zu werden.“

Wir existieren, darum haben wir das Recht, repräsentiert zu werden.“ – Chella Man

Man modelte in der Vergangenheit bereits unter anderem für GAP, Marc Jacobs und war gemeinsam mit seiner Partnerin MaryV Benoit auf dem Cover von The New York Times Magazine zu sehen.

Einfach schön

Mama Cax ist Bloggerin, hält Vorträge und modelt. All das schien unvorstellbar, als sie mit 14 Jahren an Krebs erkrankte. Die Prognosen der Ärzt*innen sahen düster aus, doch Cax überlebte die Krankheit und schafft heute mit ihrem Auftritt auf Social Media mehr Bewusstsein für Body Positivity und Repräsentation von Menschen mit Behinderungen. Diese war Cax zu einseitig und beschränkend, als sie sich im Zuge ihrer Krebserkrankung damit auseinandersetzte. Aus Gesundheitsgründen war ihr das rechte Bein amputiert worden.

Ich bin schön.“ – Mama Cax

Seitdem trägt Cax eine Prothese und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Vorstellung davon, wie Menschen mit Behinderungen auszusehen oder sich zu verhalten haben, niederzureißen. Unter Präsident Obama nahm sie 2016 an der ersten Fashionshow im Weißen Haus teil. Heute ist Cax bei der Modelagentur AG Models unter Vertrag. Was sie nervt? Wenn Menschen glauben, ihr sagen zu müssen, sie sei trotz ihrer Prothese schön. „Trotz? Ich bin schön und ich bin hier um dir zu zeigen, wie schön ich von innen und außen bin.“