Trettmann, Zugezogen Maskulin und Die Art: So klingt der Sommer in Leipzig

Keine Sorge, wir ersparen euch Johann Sebastian Bach und Die Prinzen und haben stattdessen diese Playlist mit Musik aus und über Leipzig zusammengestellt.

So klingt der Sommer in Leipzig

Du willst gute Musik? Such dir ein schattiges Plätzchen im Lene-Voigt-Park und schmeiß diese Playlist an! Foto: Jamakassi / Unsplash | CC0

Für Leipzig gibt es viele Beinamen, die in den seltensten Fällen passend und in den meisten albern sind. Hypezig oder Klein-Paris seien hier stellvertretend genannt. Bekannt ist Leipzig außerdem als der Ort, an dem 1989 die Friedliche Revolution begann. Dabei war es genau genommen Plauen im Vogtland, wo die erste Großdemonstration stattfand, die die DDR-Volkspolizei nicht mehr auflösen konnte.

Falls die Musik für die Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in diesem Jahr noch nicht steht, hätten wir hier ein paar Vorschläge. Alternativ passt die Playlist aber auch zum gekühlten Krosti oder Sterni und beim Rumlungern an der Sachsenbrücke, im Lene-Voigt-Park oder am Cossi:

Trettmann: Cloud Rap trifft auf Beton

Passend wäre für den Abend auf jeden Fall Trettmanns Song Grauer Beton. Darin blickt der Rapper zurück auf seine Jugend im Chemnitzer Heckertgebiet und auf die neu gewonnene Freiheit 1989, die wieder zerrann. Die Plattenbausiedlung Fritz Heckert war eines der größten Neubaugebiete der DDR, nach der Wende zogen viele weg. „Man hat uns vergessen dort / Anfang der Neunziger Jahre“, singt Trettmann, der eigentlich Stefan Richter heißt. Heute lebt er in Leipzig.

Rammstein: Meister der Provokation

Über diese Band, dessen Sänger Till Lindemann in Leipzig geboren wurde, ist ja nun wirklich schon alles geschrieben worden und deshalb halten wir es hier auch kurz. Rammstein ist einfach drüber. Oder um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: „Kann dich lieben / will dich hassen.“

Die Art: Feinster DDR-Underground-Sound

Während Rammstein in (fast) der ganzen Welt bekannt ist, kennen wohl nur wenige diese Band, die Mitte der 80er in Leipzig gegründet wurde. Die Art, früher Die Zucht, zählt zu den sogenannten Anderen Bands. Darunter wurden Künstler*innen gefasst, die die letzten Jahre der DDR vor der Wende musikalisch prägten. Ihr selbstproduziertes weil systemkritisches Tape Dry ist das meistverkaufte Underground-Tape der DDR. Der Sound liegt irgendwo zwischen Punk, New Wave, Gothicrock und Pop.

Svavar Knútur: „Let’s get fucked up in Leipzig“

Über sich selbst sagt Knútur, er sei der Brokkoli unter den Singer-Songwritern – „not the sexiest of the vegetables but veeeery good for you.“ Knuffig ist wohl das passendste Wort, um den Mann mit den strubbeligen Haaren von den Westfjorden Islands zu beschreiben. Ein moderner Troubadour mit Akustikgitarre und Fliege, der Geschichten über Liebe und Trauer erzählt. Und was macht Knútur nun in dieser Liste? Er hat einen wunderbar lustigen Song über Leipzig geschrieben.

Zugezogen Maskulin: Deutschrap, der brennt

Ihr Debütalbum verschenkten Zugezogen Maskulin noch im Netz, heute gehören Testo, geboren in Leipzig, und Grim104 zu den erfolgreichsten Rappern in Deutschland. Bis ins Absurde überzogene Ironie ist ihr Mittel der Kritik. Die richtet sich gegen sie selbst, gegen ihre Branche, eigentlich gegen alle und im Song Oranienplatz gegen eine heuchlerische Willkommenskultur: „Dies ist ein goldenes Land, mach‘ nichts schmutzig /
Fass hier nichts an! / Man sollte weltweit alle Hände amputieren / Wir haben viel zu viel, um euch was abzugeben!“

Sarah Lesch: Was hat euch so ruiniert

Sarah Lesch ist Liedermacherin und eine prämierte Protestsongschreiberin. Mit dem Lied Testament gewann sie nämlich einen Protestsongcontest in Wien. Darin singt sie über eine verrohte und getriebene Gesellschaft und über Druck, der selbst auf die Jüngsten ausgeübt wird. Den Song hat sie für ihren kleinen Sohn geschrieben, mit dem sie in Leipzig lebt. Testament wurde auch viel in rechten Kreisen geteilt und instrumentalisiert. Davon hat sich Lesch ausdrücklich distanziert.

Petra: Bestens geschrammelter Pop

Das gleich zu Beginn: Bei Petra heißt niemand wirklich Petra. Das Trio bestehend aus Margot Cichy, Tim Gressler und Max Wege ist eine neue Band aus Leipzig, die dieses Jahr in Eigenregie ihr Debütalbum in den Off The Road Studios der Stadt eingespielt hat. Die Musik ist klassisches Gitarrengeschrammel mit lakonischer Männerstimme. Einen kleinen Vorgeschmack auf das kommende Album gibt der erste Song Für Dich, mit Video im alten Schmalfilmformat.

Paul Kalkbrenner: Leipzig calling

Diesen Herrn dürften alle kennen. Aber wusstet ihr auch, dass Paul Kalkbrenner zwar im Osten Berlins groß wurde, aber in Leipzig geboren ist? Mit seinem achten Album Parts of Life, das vor einem Jahr erschien, hat er verschiedene Episoden seines Lebens vertont. Beginnen wir mit Part One.

Klan: Sinnfragen der Generation Y

Erwachsenwerden und sich abnabeln von den Eltern. Rausfinden, was man mit seinem Leben anfangen will. Darum geht es unter anderem in den deutschsprachigen Songs der beiden Brüder Stefan und Michael, die in Leipzig aufgewachsen sind. Wer gern Clueso oder Bosse hört, wird Klan mögen. Passend zur Sommerzeit gibt es hier Urlaub machen, „in einer Welt ohne Menschen, ohne Geld, ohne Grenzen.“

Malky: Songs für einsame Momente

Durch Liebe verursachtes Elend beklagen, das kann das Duo Daniel Stoyanov und Michael Vajna aus Leipzig ziemlich gut. Im besten Sinne. Das Wort Malky ist Bulgarisch und heißt so viel wie „kleiner Junge“. Und als kleine Jungs, so sagen Stoyanov und Vajna, haben sie sich beide in die Musik verliebt, in den einsamen Momenten ihrer Kindheit. Diese frühe Melancholie findet sich bis heute in ihren Songs wieder.

Brockdorff Klang Labor: Dadaistischer Elektropop

Die Geschichte von Brockdorff Klang Labor beginnt Ende der 90er in Leipzig als Wohnzimmerorchester. Heute spielen Nadja von Brockdorff, Sergej Klang und Robbi Rob Elektropop mit fast schon dadaistischen Texten. Und politischen. In dem Song Festung Europa singt Nadja von Brockdorff über eine Europäische Politik, die zwischen denen, die dazugehören und jenen, die vermeintlich fremd sind, unterscheidet: „Wie war das noch: Teile und herrsche! / Unterteilung ist hier das Gesetz.“


Noch mehr Musik aus Leipzig oder von Leipziger*innen findet ihr in unserer Playlist auf Spotify.

Du hast ein Lied, das unbedingt auf diese Playlist muss? Dann schick mir gerne eine E-Mail.

(Alles nur geklaut und Deutschland von den Prinzen werden es niemals auf diese Liste schaffen.)