Trumps ehemaliger Pressesprecher war bei den Emmys und alle waren überfordert

Die Überraschung ist den Macher*innen der Emmy-Awards gelungen: Sean Spicer durfte während der Preisverleihung sprechen. Das fanden nicht alle lustig.

Period! Screenshot: Youtube

Der Emmy-Award ist der bedeutendste Fernsehpreis der Vereinigten Staaten. In der Nacht auf Montag fand die 69. Verleihung statt, moderiert wurde sie von dem Satiriker Stephen Colbert. Es war die erste Verleihung seit Trump Präsident der USA ist und die Show war vollgepackt mit Späßen auf Kosten Trumps und seiner Administration. Und dann kam Sean Spicer auf die Bühne. Der Mann, der monatelang als Pressesprecher des Weißen Hauses Trumps Politik verteidigen und erklären musste.

Das Publikum war erst mal geschockt. Steht da wirklich der Mann, der sich mit seiner autoritären Art so unbeliebt gemacht hatte und dessen Lügen Medien weltweit aufgriffen?

© Giphy
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Sean Spicer war von Januar bis Juli 2017 Pressesprecher des Weißen Hauses. Er galt zwar als Kenner des Washingtoner Politikbetriebes, schien in den Pressekonferenzen aber oft heillos überfordert und teilweise aggressiv.

[Außerdem auf ze.tt: Der dümmste Vergleich des Jahres kommt von Sean Spicer]

Schon Spicers erste Pressekonferenz am 21. Januar 2017 war alles andere als ein Erfolg. Es ging um die Zuschauerzahl bei Trumps offizieller Amtseinführung einen Tag zuvor. Während der überwiegende Teil der Medien berichtete, dass nicht annähernd so viele Menschen gekommen waren wie bei Barack Obama, bestand Spicer auf das Gegenteil: „Das war das größte Publikum, das jemals bei einer Vereidigung dabei war, sowohl vor Ort als auch weltweit. Punkt.“ („This was the largest audience to ever witness an inauguration — period — both in person and around the globe.“) Und das, obwohl Vergleichsfotos eindeutig etwas anderes zeigten. Von dem Zeitpunkt an war Spicer bei den Medien weniger als unbeliebt. Kein Wunder bei einem Chef, der nur wenig von empirisch belegten Tatsachen hält.

Ha ha ha?

Im Juli 2017 musste Spicer Platz machen, seine Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders ersetzte ihn. Danach wurde er lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Bis er gestern Abend auf die Bühne des Microsoft Theaters kam und sich über sich selbst lustig machte. Moderator Stephen Colbert hatte in seinem Anfangsmonolog gerade gefragt, ob es irgendeine Möglichkeit gäbe, herauszufinden, wie viele Menschen der Show zusehen – Auftritt Sean Spicer. Mit einem Rednerpult rollte er heraus und wiederholte seine mittlerweile legendäre Übertreibung aus seiner ersten Pressekonferenz. Wie lächerlich diese Behauptung war, dürfte offensichtlich auch ihm bewusst geworden sein.

„Wow, das beruhigt wirklich mein fragiles Ego“, erwiderte Colbert und verabschiedet Spicer mit den Worten: „Danke, Melissa McCarthy.“ Die US-amerikanische Schauspielerin hatte Spicer in der Comedy-Show Saturday Night Live des Öfteren persifliert und sogar im Vorfeld dafür einen Emmy gewonnen.

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Während sein Auftritt live vor Ort mit okayem Applaus belohnt wurde, wurde er in den sozialen Netzwerken teils scharf kritisiert. Auf Twitter warfen die Menschen den Showermacher*innen und Colbert vor, Sean Spicer zu normalisieren und seine Taten zu verharmlosen. Immerhin hatte er in Trumps Namen mehrmals die Öffentlichkeit belogen und das sei unverzeihbar.