Twitter-Challenge: „Beschreibt euch so, wie ein männlicher Autor es tun würde“

Ein Autor behauptet, authentisch aus der Perspektive einer Frau berichten zu können. Damit löste er auf Twitter eine Debatte über die männliche Sicht auf Frauen in der Literatur aus.

Die Twitter-Challenge "Beschreibt euch so, wie ein männlicher Autor es tun würde" geht viral und enlarvt, sie misrepräsentiert sich viele Frauen in der Literatur männlicher Autoren fühlen.

Die Twitter-Challenge „Beschreibt euch so, wie ein männlicher Autor es tun würde" geht viral und enlarvt, wie missrepräsentiert sich viele Frauen in der Literatur männlicher Autoren fühlen. Quelle: Unsplash | CC0

Können männliche Autoren Protagonistinnen authentisch darstellen? Und können männliche Autoren authentisch aus der Perspektive von Protagonistinnen schreiben? Ein misslungenes Beispiel löste auf Twitter ein Gedankenexperiment aus: Frauen beschrieben sich selbst so, wie ein männlicher Autor sie ihrer Erfahrung nach darstellen würde. Die Vorschläge sind entlarvend und zeigen, wie unterrepräsentiert sich viele Frauen in der Literatur männlicher Autoren fühlen.

Das Gedankenexperiment hatte die Nachwuchsautorin Gwen C. Katz auf angestoßen, nachdem sie auf Twitter Auszüge aus einem Buch geteilt hatte, dessen männlicher Autor behauptet, er könne glaubwürdig aus der Sichtweise einer Frau schreiben. Das kam dabei heraus: „Ich schlenderte zu ihm hinüber; er hatte mich sicher bemerkt. Ich bin schwer zu übersehen – ich bin groß (aber nicht zu groß), habe ganz ordentliche Kurven wie ich es selbst beschreiben würde und trage so enge Hosen, dass man das Ablaufdatum meiner Kreditkarten lesen könnte, würde ich sie in der Gesäßtasche tragen.“

Die sexualisierte Selbstwahrnehmung der weiblichen Protagonistin schien nicht nur Katz bitter aufzustoßen. Die Podcastproduzentin Whit Reynold hatte Katz‘ Kritik zum Anlass genommen, Frauen auf Twitter aufzufordern: „Beschreibt euch selbst so, wie ein männlicher Autor es tun würde.“ Mit dem Aufruf scheint Reynold einen Nerv getroffen zu haben. Frauen unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Nationalität und sexueller Orientierung beteiligten sich und tweeteten Vorschläge, wie männliche Autoren sie darstellen würden. Auch Journalistinnen wie die New-York-Times-Autorin Jennifer Weiner gingen auf Reynolds Aufruf ein.

[Außerdem auf ze.tt: 50 Jahre lang malten Kinder nur Männer, wenn sie Forschende zeichnen sollten – jetzt nicht mehr!]

Gegenüber dem Magazin Electric Lit sagte Reynolds: „Am auffälligsten war, wie viele Frauen geantwortet haben ,Ich bin alt, ich bin fett oder eine Person of Color‘, weshalb sie sowieso niemals von einem männlichen Autoren beschrieben werden würden. Sie schrieben, sie könnten genauso gut unsichtbar sein“.

Ich persönliche denke schon, dass Männer realistisch aus der Perspektive weiblicher Erzählerinnen schreiben könnnen.“ – Gwen C. Katz.

Katz, die die Debatte überhaupt erst ins Rollen brachte, indem sie auf Twittter immer wieder Auszüge aus dem sexistischen Buch tweetete, lässt sich von dem Negativbeispiel nicht abschrecken. Sie ist guter Hoffnung, dass auch Männer authentisch über Frauen und aus der Perspektive von Frauen schreiben können, aber verweist darauf, wie nützlich es sein kann, persönliche Erfahrungen in die Recherche miteinzubeziehen.