Über den Wolken: Diese Fotos zeigen, was Perspektive für einen Unterschied machen kann

Die Luftaufnahmen von Milan Radisics dokumentieren teils ausgetrocknete Wassergebiete, regen zum Nachdenken an und machen deutlich, wie wichtig die Perspektive für unsere Wahrnehmung ist.

Beeindruckende, weitläufige Landschaften, bunte, tiefe Farben und Verläufe, schimmernde Oberflächen, fantastische Umrisse und Formen: Die Bilder, die der Fotograf Milan Radisics mit Kamera und Drohne einfängt, zeigen Orte auf dieser Erde, die man sonst nur selten zu sehen bekommt. Mit der Fotoreihe Water.Shapes.Earth, also Wasser.Formen.Erde, möchte der in Budapest lebende Fotograf jedoch nicht nur die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur einfangen. Er verfolge damit vielmehr auch eine wichtige Mission, wie der 50-Jährige erklärt: „Mit meinen überraschenden Bildern, die eine Verbindung von Licht und neuen Perspektiven sind, versuche ich, die Menschen zu inspirieren, ihre Sichtweise zu ändern, zum Nachdenken anzuregen und die Erde besser kennenzulernen.“

Denn die Fotos zeigen nicht nur, wie einzigartig die Natur auf der Erde aussehen kann, sondern auch, wie aus einst beeindruckenden, weiten Lagunen und Wassergebieten durch landwirtschaftliche Nutzung ausgetrocknete Gebiete werden. Das wurde Milan bewusst, als er Anfang 2018 ausgetrocknete Fischteiche fotografierte und dabei feststellte, wie empfindlich Ökosysteme sind.

Wir müssen essen, aber wenn wir so weitermachen, werden in einigen Jahren alle Lagunen einfach verschwinden.

Milan Radisics

„Der richtige Durchbruch kam dann im Sommer in Italien, als ich mit einer Drohne über die Lagune des Isonzos flog. Ich sah die unentdeckte Schönheit des kleinen Sumpfgebiets und stellte dabei fest, dass die hinteren Teile des Sumpfes zu landwirtschaftlichen Gebieten wurden. Da dachte ich: Oh mein Gott, das war hier alles mal eine riesige, wunderschöne Lagune, die in den letzten Jahrzehnten ausgetrocknet ist“, berichtet Milan. „Schon klar: Wir müssen essen, aber wenn wir so weitermachen, werden in einigen Jahren alle Lagunen einfach verschwinden.“

Die Augen öfffnen

Milan selbst versteht sich nicht als Umweltaktivist. „Es ist eine Verbindung von künstlerischem Selbstausdruck und einer journalistischen Mission“, sagt er. Und auf dieser Mission sieht Milan sich in der Rolle des Geschichtenerzählers: „Ich habe schon immer an Foto-Essays gearbeitet, an Serien, die eine Geschichte erzählen: In den sozialen Medien, in Magazinen und in der Fotografie. Bei Water.Shapes.Earth kommen viele Dinge zusammen“, so Milan.

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Bisher war Milan für die Fotoreihe in elf Ländern, doch das ist nur der Anfang. Er betont: „Wasser ist ein großer Thema, das von so vielen Seiten aus bearbeitet werden kann.“ Ihn fasziniert daran vor allem die Schönheit, die Empfindlichkeit und der konstante Wandel. Deshalb geht die Arbeit auch weiter: Er plant bereits Reisen nach Afrika, Utah, Florida, Island und Indien, auf denen Milan weitere Luftaufnahmen machen möchte.


Mehr Informationen zu Milan und seinem Fotoprojekt findet ihr auf der Projekt-Website, auf Facebook und auf Instagram.