Unsere Nacht ist nicht mehr dunkel genug

Forscher*innen warnen: Wenn wir weiter unsere Städte nachts beleuchten, könnten wir die Nacht verlieren. Was das mit uns machen wird und was wir dagegen tun können

Da Licht positiv mit Werten wie Sicherheit, Wohlstand und Modernität besetzt ist, neigen wir dazu, unsere Umgebung intensiv zu beleuchten. Bild: Andi Rizal | Unsplash

Die Nacht wird durch künstliche Beleuchtung immer heller. Das Phänomen dahinter wird Lichtverschmutzung oder auch Licht-Smog genannt und versteht die Verschmutzung des natürlichen, nächtlichen Lichts durch künstliches.

Satellitenaufnahmen belegen die Befürchtungen, dass es auf der Erde nachts immer heller wird, wie der Wissenschaftler Christopher Kyba vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam nun gegenüber Deutschlandfunk erklärt. Bereits eine Studie des Fachjournals Science Advances im Jahr 2012 legte nahe, dass die Intensität des künstlichen Lichts sowie die Größe der beleuchteten Fläche zugenommen hat.

Immer mehr Licht

Von 2012 bis 2016 stiegt der Lichtsmog jährlich um zwei Prozent. Das lag unter anderem an der steigenden Umrüstung auf Leuchtdioden (LED). Grundsätzlich sind LED zwar relativ günstig, stromsparend und langlebig, aber Forscher*innen warnen vor dem so genannten Rebound-Effekt in der Beleuchtungstechnologie, wie NZZ berichtet: Da durch den Technologiefortschritt das künstliche Licht billiger wurde, veränderte sich das Nutzverhalten der Menschen und wir verbrauchen dadurch noch mehr Licht.

Der Forschungsbund Verlust der Nacht beschreibt die Hintergründe dafür auf seiner Seite so: „Da Licht positiv mit Werten wie Sicherheit, Wohlstand und Modernität besetzt ist, neigen wir dazu, unsere Umgebung intensiv zu beleuchten. Doch was unschätzbare Vorteile bringt, hat auch eine Schattenseite: Die Lichtverschmutzung (…) nimmt zu. Auswirkungen auf Mensch und Natur durch künstliches Licht sind bisher weitestgehend unbekannt.“ Der Forschungsbund nimmt aber an, dass das künstliche Licht die innere Uhr der Lebewesen durcheinander wirbeln könnte. Denn LED-Licht gaukele dem Körper am Abend vor, es sei bereits Tag. Das sei problematisch für den Biorhythmus.

Biorhythmus so alt wie das Leben selbst

Grundsätzlich gibt es Biorhythmen bereits seit Jahrmillionen. Selbst Einzeller verfügen über innere Uhren, die ihren Tagesablauf regeln. Sonnenlicht gibt dabei den wichtigsten Grundrhythmus vor. Im Körper des Menschen passiert dabei einiges: Im Wechsel von Tag und Nacht steigt und sinkt die Körpertemperatur, der Hormonspiegel im Blut verändert sich sowie die Empfindlichkeit von Nerven. Darum werden Schmerzen nachmittags zum Beispiel auch weniger stark empfunden als nachts.

Das Sonnenlicht stellt zudem unsere innere Uhr auf die jahreszeitlichen Rhythmen ein. Welche Auswirkungen diese haben, zeigt sich besonders deutlich im Tierreich: Manche Tiere halten Winterschlaf, viele Fortpflanzungszeiten richten sich nach dem Rhythmus der Natur. Dieser Rhythmus wird nun aber immer stärker von unnatürlichem Licht beeinflusst.

Es gibt Wege Licht zu sparen, ohne es dunkler zu haben

Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, durch modernerer Technik die Lichtemission um ganze zwei Drittel zu senken und zwar ohne, dass Menschen ihr Umfeld als dunkler empfinden würden – wie das Geoforschungszentrum erklärt.

Dafür müssten LEDs maßvoll und punktgenau eingesetzt und das Bewusstsein für die Lichtverschmutzung erhöht werden. Genau das soll unter anderem durch Projekte wie Myskyatnight passieren. Die interaktive Karte soll helfen, dass Menschen Lichtdaten besser verstehen und auch eigene Analysen durchführen können. Wissenschaftler Christopher Kyba sagte dazu: „Wir geben die Daten in die Hände der Bürger und sind sehr gespannt, was sie daraus machen.“