US-amerikanische Tabakindustrie muss jetzt Anti-Tabak-Werbung bezahlen

US-amerikanische Tabakhersteller müssen künftig vor sich selbst warnen.

Jetzt muss die US-amerikanische Tabakindustrie vor sich selbst warnen. © Patrick Brinksma / Unsplash.com

Die Zeiten, in denen in Talkshows, im Kino, im Flugzeug geraucht werden durfte, sind schon lange vorbei. Und auch Werbefiguren wie der Marlboro-Mann oder das Camel-Kamel sind längst Geschichte. In den USA darf keine Tabak- und Zigarettenwerbung mehr im TV geschaltet werden – bis jetzt. Nun kehren die großen Tabakhersteller zurück auf die Mattscheibe. Und das ist noch nicht alles: Auch in 45 großen US-Tageszeitungen werden sie bald ganzseitige Anzeigen schalten. Doch statt fröhlicher Familien, die das Rauchen glorifizieren, müssen die Konzerne nun vor sich selbst warnen.

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Wie es dazu kam: Bereits 2006 urteilte eine Washingtoner Gericht, dass die Tabakhersteller die Öffentlichkeit bewusst getäuscht und bezüglich der Gefahren, die Tabakkonsum mit sich bringt, gelogen hätten. Das Gericht ordnete daraufhin eine Richtigstellung an, auf die sich die Konzerne einließen, um hohen Geldstrafen zu entgehen und einen Rechtsstreit mit der US-amerikanischen Regierung endlich beizulegen. Die aktuelle Werbeoffensive ist Teil der Richtigstellung und zwingt die Tabakindustrie vor ihren eigenen Produkten zu warnen.

Rauchen tötet 1200 Amerikaner. Jeden Tag.“

Laut der Süddeutschen Zeitung müssen die Hersteller an fünf Abenden pro Woche Werbespots bezahlen, welche in der großen TV-Sendern des Landers zu sehen sein werden. Darüber hinaus müssen sie fünf Anzeigen in den Wochenendausgaben von insgesamt 45 US-Tageszeitungen schalten. Das Gericht gab die Inhalte der Anzeigen und Spots vor, welche beispielsweise über die Folgen des Rauchens aufklären sollen. Dort wird man bald „Rauchen tötet 1200 Amerikaner. Jeden Tag“ oder „Jedes Jahr sterben mehr Menschen an Rauchen als an Mord, Aids, Selbstmord, Drogen, Autounfällen und Alkohol zusammen“ lesen, wie die Tagesschau berichtet.

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Man setzt auf aussagekräftige Inhalte, welche in schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund zu sehen sein werden. In den Spots wird eine Stimme zu hören sein, die den Zuschauer*innen erläutert, dass die Tabakhersteller ihre Produkte so konzipieren, dass diese Konsument*innen abhängig machen. Die Entscheidung des Gerichts könnte wegweisend sein. Auch wenn in Deutschland mittlerweile abschreckende Bilder und Warnhinweise auf Tabak- und Zigarettenpackung abgedruckt werden und keine Werbung mehr im TV läuft, gab die Tabakindustrie im Jahr 2015 beispielsweise 232 Millionen Euro für Werbung (zum Beispiel auf Plakaten) aus, wie das Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg herausfand.