US-Wahl: Das ist Sarah McBride, die erste trans Senatorin eines US-Bundesstaates

Die Bürger*innen von Delaware haben die Demokratin Sarah McBride in den Senat ihres Bundesstaates gewählt. Dort möchte sie ein Vorbild sein – für jüngere trans Menschen.

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Es gibt gute Nachrichten aus den USA. Zum Beispiel, dass Sarah McBride die erste trans Senatorin eines Bundesstaats wird. Foto: © Saul Loeb / AFP via Getty Images

Sarah McBride wird im Januar 2021 die erste trans Person sein, die in den Senat eines Bundesstaats einzieht. Die heute 30-Jährige hatte in ihrer politischen Laufbahn viele erste Male: Sie war die erste trans Präsidentin der Studierendenschaft ihrer Universität, der American University. Sie war in der Amtszeit Barack Obamas die erste trans Person, die ein Praktikum im Weißen Haus absolvierte. Sie war 2016 die erste trans Person, die auf einem Nominierungsparteitag der demokratischen Partei sprach. Und bei der diesjährigen US-Wahl setzte sich Sarah McBride im Bundesstaat Delaware mit 86 Prozent der Stimmen gegen ihren republikanischen Konkurrenten Steve Washington durch.

McBride ist schon seit ihrer Jugend politisch aktiv – nicht nur für trans Rechte, sondern auch für die demokratische Partei. Sie arbeitete beispielsweise im Jahr 2010 bei der Wahlkampagne von Beau Biden mit – Joe Bidens Sohn –, der für das Amt des Attorney General von Delaware kandidierte. Drei Jahre später wurde sie Mitglied des Vorstands von Equality Delaware – einer Organisation, die sich für die Rechte der LGBTQIA-Community einsetzt. In dieser Funktion warb sie in ihrem Bundesstaat unter anderem für ein neues Gesetz zum Schutz von trans Menschen, das noch im selben Jahr verabschiedet wurde. Seitdem dürfen Menschen nicht mehr aufgrund ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert werden. Zuvor war es beispielsweise erlaubt, Menschen aufgrund ihrer trans-Identität zu kündigen oder sie als Mieter*innen abzulehnen.

In ihrer Autobiografie Tomorrow Will Be Different erinnert sich McBride daran, wie Republikaner bei einer der Debatten trans Menschen als „restroom predators“ labelten – in Anspielung an sexual predators, also Sexualstraftäter*innen. Sie erinnert sich, wie sie weinend auf einem der Flure des Senatsgebäudes in Delaware saß, und an die Demütigung, die sie dabei empfand, „sich für die einfachsten Grundrechte einzusetzen“.

Seit dem Tod ihres Mannes setzt sich Sarah McBride für eine gerechtere Gesundheitspolitik ein

Über ihren Aktivismus für trans-Rechte lernte McBride auch ihren Ehemann Andrew Cray kennen. Die beiden trafen sich 2012 auf dem LGBTQIA-Empfang des Weißen Hauses, Host des Abends: Barack Obama. Zwei Jahre später heiratete das Paar – nachdem Cray die Diagnose bekommen hatte, Krebs im Endstadium zu haben. Kurz nach der Hochzeit verstarb Andrew Cray. „Meinen Mann in den letzten Wochen seines Lebens zu pflegen, war die schlimmste Erfahrung meines Lebens, die mich zugleich am meisten geprägt hat“, sagt sie in einem YouTube-Video zu ihrer Kandidatur.

Ich kandidiere nicht, um eine trans Senatorin zu sein.

Sarah McBride

Der Verlust wirkte sich auch auf McBrides politische Agenda aus. In ihrer diesjährigen Wahlkampagne fokussierte sie sich auf gesundheitspolitische Themen. „Ich kandidiere nicht, um eine trans Senatorin zu sein“, sagte sie vor der Wahl. „Ich bin stolz auf das, was ich bin, aber ich kandidiere, um an einem ganzen Bündel an Problemen zu arbeiten.“ Als Beispiel nannte sie, dass viele Menschen keinen Zugang zum Gesundheitssystem hätten, Betroffene sich zu oft zwischen Gesundheit und Lohn entscheiden müssten, weil ihnen keine bezahlten Krankheitstage zustünden – ein Problem, das sich durch Covid-19 nochmal verschärft habe.

Trans-Rechte haben unter der Amtszeit von Donald Trump gelitten

McBrides Sieg kommt zu einer Zeit, in der trans-Rechte in vielen Bundesstaaten der USA rückgebaut werden. Kurz nach seiner Wahl 2016 machte Donald Trump eine Anweisung Obamas rückgängig, wonach trans Studierende und Schüler*innen sich aussuchen können, welche Toiletten sie benutzen. Acht Bundesstaaten stellten im Frühjahr dieses Jahres ein Gesetz vor, das es Ärzt*innen verbieten soll, minderjährigen trans Personen beispielsweise pubertätsblockierende Mittel oder Hormone zu verschreiben. In Idaho wurde ein Gesetz eingebracht, das trans und intersexuelle Athlet*innen von Mädchen- und Frauenwettkämpfen ausschließen würde.

Auch McBride wurde schon Opfer von transfeindlichen Äußerungen. Im Januar 2019 beispielsweise, als die Bloggerinnen Julia Long und Posie Parker sie in einem Video als Mann adressierten. Beide gelten als TERF-Aktivistinnen: trans-exclusionary radical feminists, also transexklusive Radikalfeministinnen, die trans Frauen nicht als Frauen anerkennen. „Die traurige Wahrheit ist, dass diese Art von Belästigung Realität für viele trans Menschen ist“, twitterte McBride als Reaktion. Während des Wahlkampfes habe sie jedoch keine Anfeindungen von republikanischen Wähler*innen erlebt, sagte McBride zu Vox kurz nach der Wahl. „Die Wähler*innen in diesem Distrikt sind fair, sie bewerten Kandidat*innen anhand ihrer Ideen und nicht ihrer Identitäten“, sagte sie.

Ich hoffe, der heutige Abend zeigt einem LGBT-Kind, dass es in unserer Demokratie auch seinen Platz hat.

Sarah McBride

Mit ihrer Wahl möchte Sarah McBride dazu beitragen, trans Menschen sichtbarer zu machen und insbesondere jüngere trans Menschen dazu inspirieren, in die Politik zu gehen und sich für ihre Rechte einzusetzen. „Als ich jung war, gab es keine Beispiele für so was“, sagte sie BuzzFeed News. „Ich weiß, welchen Unterschied es für mich als junge Person, die ihren Platz in der Welt sucht, gemacht hätte.“ Dafür bekommt sie viel Zuspruch aus der trans Community. „Mein trans Sohn freut sich wahnsinnig für dich“, twitterte eine Nutzerin. „Danke, dass du ihm zeigst, dass er es auch schaffen kann, ein politisches Amt zu bekleiden.“

Nach der gewonnenen Wahl richtete sich McBride über Twitter an genau diese jungen trans Menschen: „Ich hoffe, der heutige Abend zeigt einem LGBT-Kind, dass es in unserer Demokratie auch seinen Platz hat.“

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