In den USA haben sich sieben Teenager und ein Hund um einen Gouverneursposten beworben

Eine Gesetzeslücke im US-Bundesstaat Kansas hat dazu geführt, dass für die Gouverneurswahl dieses Jahr sieben Schüler antreten. Auch ein Hund wurde ins Rennen geschickt.

Der Teenager Tyler Ruzich wirbt bei Highschool Schülern um deren Stimme. Der Kandidat selbst ist er 17 Jahre alt.

Der Teenager Tyler Ruzich wirbt bei Highschool Schülern um deren Stimme. Der Kandidat selbst ist er 17 Jahre alt. © Christopher Smith/AFP/Getty Images

Die USA sind nicht nur Heimat einer großen Verrücktheit namens Präsident Donald Trump, sondern auch vieler kleinerer Verrücktheiten, etwa in Form von merkwürdigen Gesetzen auf bundesstaatlicher Ebene. So dürfen in der Wüstenstadt Tucson in Arizona Frauen offiziell keine Hosen tragen, und in Baltimore dürfen sich Pärchen nicht länger als eine Sekunde öffentlich küssen.

Im Bundesstaat Kansas hat nun eine Reihe von Teenagern eine Gesetzeslücke entdeckt, die größere Konsequenzen haben könnte: Für das Amt des Gouverneurs gibt es laut Gesetz keinerlei Altersbeschränkung. Deshalb treten für die Wahl, die dieses Jahr im November stattfinden wird, sieben Teenies im Alter von 15 bis 18 Jahren an.

Die Teenager setzen im Wahlkampf auf Bildungspolitik 

Der 17-jährige Jack Bergeson, der für die Demokraten zur Wahl antritt, war dabei der Erste, der vergangenes Jahr im Spätsommer seine Kandidatur verkündete. Seitdem sind ihm sechs weitere Teenager gefolgt – allerdings alle männlich. Die ebenfalls 17 Jahre alte Lucy Steyer ließ sich zur Wahl für das weniger profilierte Ministeramt Secretary of State aufstellen. Die jungen Amtsanwärter*innen vereint über ihre verschiedenen Parteilinien hinweg ein gemeinsames Anliegen: Sie alle bemängeln das gebeutelte Schulsystem in Kansas.

So nennt beispielsweise Bergeson auf seiner Website das Schulsystem „eines der wichtigsten Themen“ für den Bundesstaat und die anstehende Wahl, da viele Schulen mit Einsparungen und Schließungen zu kämpfen hätten. Auch für den republikanischen Kandidaten Tyler Ruzich ist der schlechte Zustand des Bildungssystems der Hauptgrund, zur Wahl anzutreten. „Meine Schule liegt in einer Gegend, in der rund die Hälfte der Schüler aus ärmlichen Verhältnissen kommt. Gerade dort ist es wichtig, dass nicht an den Bildungsausgaben gespart wird“, meint der 17-Jährige.

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Da die Teenie-Kandidat*innen allesamt noch in die Schule gehen, scheint es naheliegend, dass das Schulsystem zu ihren zentralen Anliegen zählt. Tatsächlich sind sie aber nicht die einzigen, die den Zustand des Bildungssystems im Bundesstaat für problematisch halten. Ende letzten Jahres machte Kansas Schlagzeilen mit seiner missglückten Steuerpolitik. Der bisherige Gouverneur Sam Brownback hatte den Staat mit einer Steuerreform heruntergewirtschaftet, die der im Dezember 2017 von Trump und der Republikanischen Partei verabschiedeten nationalen Steuerreform zum Verwechseln ähnlich ist. Hauptleidtragende dieser Politik in Kansas sind die öffentlichen Schulen.

Ein Mann schickt sogar seinen Hund ins Rennen

Mittlerweile haben die amtierenden Politiker*innen in Kansas ebenfalls bemerkt, dass eine Altersbegrenzung für das Amt des Gouverneurs durchaus sinnvoll sein könnte. Der Republikaner Blake Carpenter hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der künftig das Alter für Kandidaten auf mindestens 18 Jahre festlegt. Dieser würde allerdings erst im Januar nächsten Jahres, also nach der Wahl, in Kraft treten. Im nationalen Vergleich wäre das immer noch ein recht lockeres Gesetz: In den meisten Bundesstaaten müssen Amtsanwärter*innen mindestens 30 Jahre alt sein. Vermont ist neben Kansas der einzige Bundesstaat, der ebenfalls keine Altersbeschränkung hat.

Wie lasch die Gesetzgebung in Kansas tatsächlich ist, wollte auch Terran Woolley aus Hutchison beweisen: Er schickte seinen dreijährigen Hund als Angus The Dog ins Rennen. Damit kam er allerdings nicht durch. In der Verfassung steht ausdrücklich, dass es sich bei den Kandidat*innen um Menschen handeln muss.

Auch wenn die Kandidatur der sieben Teenies skurril anmutet und ihre Chancen „nicht allzu groß“ sind, wie Ruzich selbst zugibt: In den USA scheint derzeit alles möglich. Immerhin sind zurzeit engagierte Teenager dabei, die seit Jahren erste ernsthafte Debatte um die problematische Waffenkultur des Landes anzustoßen und voranzutreiben. Und nicht zuletzt wurde auch Donald Trumps Wahl zum Präsidenten bis kurz vor dessen Wahl für unwahrscheinlich gehalten.