USA: Wenn Eltern die LGBTQ-Ehe iher Kinder ablehnen, gibt diese Frau die Brautmutter

Sara Cunningham ist Christin, streng gläubig und LGBTQ-Aktivistin. Wenn sich die Eltern homosexueller Kinder weigern, auf deren Hochzeit zu gehen, springt sie als Brautmutter ein.

Bildschirmfoto 2018-08-27 um 14.33.23

Als Sara Cunnigham von LGBTQ-Paaren hörte, deren Eltern sich weigerten zu deren Hochzeit zu kommen, beschloss sie kurzerhand die betroffenen Paare an deren Stelle zu unterstützen. Foto: ©Instagram: louisianafeminist

Sara Cunningham lebt im amerikanischen Bundesstaat Oaklahoma. Die hauptberufliche Sekretärin hat zwei Kinder und gehört der christlichen Glaubensgemeinschaft der Baptisten an. Sie bezeichnet sich selbst als tief in ihrem Glauben verwurzelt. All das ist nicht besonders ungewöhnlich. Die Gegend von Texas bis Virgina, in der Cunningham lebt, gilt als konservativ. Weil der evangelikale Protestantismus dort großen Einfluss hat, wird die Gegend umgangssprachlich auch gerne als „Bible Belt“, also Bibelgürtel, bezeichnet. Ungewöhnlich an Cunnin gham ist, dass ausgerechnet sie als Brautmutter auf LGBTQ-Hochzeiten einspringt, wenn die biologischen Eltern der Brautleute sich weigern, ihren Kindern an diesem wichtigen Tag beizustehen.

Umarmungen für alle

Vor drei Jahren gründete Cunningham, deren Sohn homosexuell ist, die Organisation Free Mom Hugs. Mit ihren Mitstreiter*innen setzt sie sich seitdem für die familiäre Akzeptanz von LGBTQ-Kindern in konservativen Familien ein. „Free Mom Hugs“ möchte dort aushelfen, wo familiäre Strukturen zusammenbrechen und wegfallen, weil die Kinder sich als homosexuell outen. „Als unser Sohn sich outete und wir beschlossen, zu ihm zu stehen, entzog unsere Kirchengemeinde uns den Rückhalt. Sie wollten uns vor die Entscheidung stellen: Wir oder dein Sohn“, berichtet Cunningham. Diese Erfahrung habe sie dazu bewegt, Free Mom Hugs zu gründen. „Damit andere nicht alleine mit dieser Erfahrung sind.“

Free Mom Hugs soll Familien helfen, in denen ein Coming-Out ein Problem darstellt. Cunningham verteilt kostenlose, mütterliche Umarmungen – im metaphorischen und im wortwörtlichen Sinn. Die Organisation zeigt auf Gay-Prides und Informationsveranstaltungen Präsenz, geht an Schulen oder in LGBTQ-Bars und spricht mit Verantwortlichen im Bereich der Bildungspolitik darüber, wie sich Vorurteile, Abneigung und Gewalt gegenüber LGBTQs reduzieren lassen.

„Immer wenn ich mit einem ‚Free Mom Hugs‘-Banner unterwegs bin, treffe ich auf mehr und mehr Jugendliche und junge Erwachsene, denen es gut tut zu hören, dass sie nicht alleine sind – dass dort draußen Menschen sind, die sie unterstützen“, sagt Cunningham über ihre Arbeit.

Cunninghams Angebot auf Hochzeiten zu volontieren, traf einen Nerv

Mitte Juli postete Cunningham auf Facebook: „Wenn du eine Mutter brauchst, die bei deiner Hochzeit einspringt, weil deine biologische Mutter sich weigert zu kommen: Ruf mich an! Ich bin hier. Ich bin dein größter Fan und ich bringe auch gerne was zum Anstoßen mit.“

PSA. If you need a mom to attend your same sex wedding because your biological mom won't. Call me. I'm there. I'll be your biggest fan. I'll even bring the bubbles.

Gepostet von Sara Cunningham am Freitag, 20. Juli 2018

Mit dem Post hat Cunningham anscheinend einen Nerv getroffen. In einem Radiointerview erklärt sie, dass der Grund für ihre Idee Frustration war. Sie habe von LGBTQ-Paaren gehört, deren Eltern sich weigerten zu deren Hochzeit zu kommen und hatte kurzerhand beschlossen, an deren Stelle die betroffenen Paare zu unterstützen.

„Glücklichwerweise meldeten sich auf meinen Post nicht nur Paare, auf der Suche nach Brautmüttern oder Brautvätern, sondern vor allem viele Freiwillige, die sich ebenfalls bereit erklärten, in Zukunft auf Hochzeiten einzuspringen“, sagt Cunningham im Radiointerview. Auf ihrem Instagram-Profil postet Cunningham Zuschriften von Unterstützer*innen aus der ganzen Welt.

Encouraging the Saints. Used with permission.

Gepostet von Sara Cunningham am Samstag, 4. August 2018