Verabschiedet „Murrkopf“ und begrüßt „nice“ und „gendergerecht“ – der neue Duden ist raus

Es gibt einen frischgedruckten Duden mit 3.000 neuen Wörtern. 300 alte wurden hingegen gestrichen. Wir stellen die skurrilsten vor – und erklären, was Worte wie Hochzeitsbitter*in, Schlafgänger*in und doodeln heißen.

duden
N🍦, so ein neuer Duden. Illustration: © Elif Kücük / ze.tt.

Damit ein Wort im Duden landet, muss es einen mehrstufigen Prozess durchlaufen. Die Redaktion des Wörterbuchs durchforstet mithilfe von Computerprogrammen das Netz nach neuen Wörtern. Tauchen diese Wörter über einen längeren Zeitraum auf, landen sie auf einer Art Shortlist. Die Redaktion des Duden entscheidet dann, ob ein neues Wort tatsächlich im Alltag genutzt wird. In ähnlicher Weise entscheidet die Redaktion über Streichkandidaten. Wenn die Bevölkerung bestimmte Wörter kaum oder gar nicht mehr nutzt, tauchen sie in der nächsten Auflage des Buches nicht mehr auf. Der Duden versteht sich dabei als Rechtschreibwörterbuch, nicht als Lexikon.

Diesen Mittwoch erscheint der neue Duden mit 3.000 neuen Wörtern, für die 300 alte weichen mussten. Was genau die Wörter bedeuten, erklärt der Duden übrigens nicht ausführlich. „Unser Anspruch ist es nicht, umfangreich zu erklären, was ein Wort bedeutet, sondern wie es geschrieben oder getrennt wird“, sagt Sprecherin Nicole Weiffen zu ze.tt. Also haben wir das gemacht. Hier sind je fünf nennenswerte neue und alte Wörter und ihre Bedeutung.

Gestrichene Wörter

Kabelnachricht

Die Kabelnachricht war die SMS des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie bei der früheren SMS kam es auf Kürze an, denn die Gebühr für die Kabelnachricht aka Telegramm richtete sich nach deren Länge. Aus „Am 20. Januar feiern wir Tante Resis 80. Geburtstag. Gib doch bitte Bescheid, ob du kommen kannst und was du schenken würdest“ wurde „Einladung zu Resis 80er-Geb. Erbitte Antwort + Geschenk“.

Hochzeitsbitter*in

Anders als man denken könnte, handelt es sich hier nicht um einen Schnaps, der eine Heirat schöner macht. Hochzeitsbitter*innen waren in ländlichen Regionen Menschen, die die Gäste zu einer Hochzeit baten. Dafür gibt’s heute aufwändig gestaltete Einladungen – wer keine bekommt, ist auch nicht eingeladen.

saugrob

Unklar, warum die Steigerungsform „sau“ es im Zusammenhang mit „grob“ nicht mehr in den neuen Duden geschafft hat. Der Redaktion kann es nicht darum gegangen sein, Diskriminierungen weiblicher Schweine zu vermeiden. Schließlich steht „saudumm“ nach wie vor im Duden. Sauschade.

Murrkopf

Ein Murrkopf ist einfach ein mürrischer Mensch, in Oberbayern gerne auch Grantler*in oder im Schwäbischen Bruddler*in genannt. Auch wenn die Welt voll von ihnen ist – Murrköpfe werden wir sie laut Duden in Zukunft eher nicht mehr nennen.

Schlafgänger*in

Schlafgänger*innen waren Menschen, die ein Bett nur für einige Stunden am Tag mieteten. Nämlich dann, wenn die eigentlichen Bewohner*innen ihre Schlafstelle nicht brauchten. Vor allem zu Anfangszeiten der Industrialisierungen war diese Art der Zwischennutzung der Wohnung üblich. Im Berlin von 1880 boten 15 Prozent aller Haushalte Unterkünfte für Schlafgänger*innen an.

Neu aufgenommene Wörter

Katzenvideo

Vielleicht war die Duden-Redaktion da etwas langsam. Immerhin besteht das Internet hauptsächlich aus Pornografie, Hasskommentaren und Katzenvideos – und das nicht erst seit der letzten Auflage, die 2017 erschienen ist.

Lifehack

Weil unsere Welt gefühlt immer komplizierter und schneller wird, steigt proportional dazu der Bedarf nach Vereinfachung. Besonders beliebt sind kleine Kniffe, die wenig Anstrengungen brauchen, unser Leben aber besser machen. Endlich wissen wir, wie man Zwiebeln in 3,6 Sekunden in feine Würfel schneidet.

gendergerecht

Waren wir schon, als es noch nicht im Duden stand.

doodeln

Wann ist der eine Termin, an dem Stella und ihre 8 Freund*innen ihren Roadtrip planen können? Dabei hilft das Tool Doodle. Wer es als Unternehmen schafft, dass eine Tätigkeit so sehr mit ihrem Produkt verbunden wird, hat es wohl geschafft. Siehe -> googeln.

nice

Waren das schlimme Zeiten, als wir noch „klasse“, „dufte“ oder „knorke“ sagen mussten, wenn uns etwas gefallen hat. Heute sind schöne Sachen einfach nur n🍦.