Vier Fragen und Antworten zur Währungskrise in der Türkei

Die Türkei steckt in einer wirtschaftlichen und politischen Krise. Seit Monaten fällt der Kurs der türkischen Lira und jetzt haben sich auch noch die USA eingemischt. Was steckt dahinter?

Die Türkei befindet sich in einer Wirtschaftskrise. Der Konflikt mit den USA hat die Lage verschärft.

Die Türkei befindet sich in einer Wirtschaftskrise. Der Konflikt mit den USA hat die Lage verschärft. Foto: Chris McGrath/Getty Images

Was bedeutet es, dass der Kurs der Lira fällt?

Seit vergangener Woche sinkt der Kurs der türkischen Lira rapide; sie ist weniger wert. Wer also einen Dollar oder einen Euro kaufen möchte, muss dafür immer mehr Lira ausgeben.

Der Kurs sinkt, weil immer mehr Lira auf dem Markt ist. Das liegt unter anderem daran, dass immer mehr Anleger*innen aus dem In- und Ausland Angst um ihr Vermögen haben und es in Euro oder Dollar umtauschen. Hinzukommen Spekulant*innen, die aufgrund des Währungsverfalls gegen die Lira wetten und den Kurs damit weiter in den Keller treiben.

Seit wann fällt der Kurs der Lira?

Der Kurs fällt schon seit Jahresbeginn und die Wirtschaft der Türkei ist laut Beobachter*innen bereits seit mehreren Jahren in einer Abwärtsbewegung. Mitschuld daran trägt auch das immer repressivere System des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

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Auf den gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 folgte beispielsweise eine Verhaftungswelle. Davon betroffen: auch Mitarbeiter*innen von Unternehmen, auch von ausländischen. Die Folge: eine sinkende Bereitschaft, in das Land zu investieren – und das, obwohl die Türkei von eben diesen Investitionen abhängig ist.

Was haben die USA damit zu tun?

Wirtschaft und Währungskurs waren schon in einer Abwärtsspirale, bevor der US-Präsident Donald Trump sich einmischte. Der Konflikt zwischen den USA und der Türkei ist ein politischer: Die Türkei fordert die Auslieferung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen. Laut Erdoğan ist er der Hauptverantwortliche für den gescheiterten Putschversuch 2016. Ebenfalls 2016 verhaftete die Türkei den US-amerikanischen Prediger Andrew Brunson. Der Vorwurf: Spionage, Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sowie der Bewegung Predigers Fethullah Gülen.

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Die USA möchte die Freilassung des Predigers erwirken – und hat aus diesem Grund vergangene Woche angekündigt, die Strafzölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium aus der Türkei zu verdoppeln – von 25 auf 50 Prozent. Die Folge: Der Wertverfall der Lira hat sich stark beschleunigt. Am Montag erreichte der Kurs der Lira ein Rekordtief: Ein Dollar kostete zwischenzeitlich 7,24 Lira. Ein paar Monate zuvor waren es noch um die 4 Lira gewesen. Aus dem politischen wurde ein wirtschaftlicher Konflikt.

Wie hat die Türkei darauf reagiert?

Zunächst mit viel Brüllen und Drohen. Erdoğan appellierte an seine Landesgenoss*innen, gehortete Euro- oder Dollarreserven in Lira umzutauschen, um so das Angebot zu verringern, die Nachfrage zu erhöhen und den Wertverfall zu stoppen. Der Präsident macht fremde Mächte für die Krise verantwortlich. Die USA und andere Länder führten einen Krieg gegen die Türkei, sagte er bei einer Rede. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Wirtschaftskriegs.

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Nun sollen wohl auch Taten auf die angekündigten Strafzölle der USA folgen. Am Dienstag kündigte Erdoğan an, sein Land werde künftig Elektronikprodukte aus den USA boykottieren. „Sie haben iPhones, aber es gibt auf der anderen Seite auch Samsung. Und wir haben unser eigenes Venus Vestel“, sagte er während einer Rede in Ankara. Wie er den Boykott genau umsetzen will, hat er noch nicht verraten.