Virales Video: Sophie Passmann rantet auf Instagram gegen Verschwörungsideologien

Die Autorin Sophie Passmann hat die Nase voll von Verschwörungsideolog*innen rund um die Corona-Pandemie und macht ihrer Wut in einem neunminütigen Video ordentlich Luft. 

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Screenshots: © @fraupassmann / Instagram

Sophie Passmann hat in einem Instagram-Video auf die Verbreitung von Verschwörungsideologien in sozialen Medien reagiert. In einem neunminütigen Beitrag kritisiert die 26-Jährige unter anderem Ken Jebsen, Attila Hildmann, Detlev Soost und Til Schweiger für Postings auf ihren Social-Media-Kanälen.

„Ein veganer Koch, ein Tanzcoach, ein Regisseur von schnulzigen Romcoms, die alle haben die Arroganz zu glauben, sie hätten eine Pandemie besser verstanden als Virologen und Politiker“, sagt Passmann in ihrem Video.

Ken Jebsen und Detlef D! Soost in der Kritik

Am Dienstag hatte der ehemalige rbb-Journalist Ken Jebsen, der schon in der Vergangenheit auf seinem YouTube-Kanal KenFM verschwörungsideologische Beiträge veröffentlicht hatte, ein Video zur Corona-Krise gepostet. In dem 25 Minuten langen Beitrag befeuert der 53-Jährige unter anderem die Theorie, dass Bill Gates das Coronavirus freigesetzt habe, um sich an dem Verkauf eines Impfstoffs zu bereichern.

Jebsens Beitrag ist einer von mehreren, der vielfach von Kritiker*innen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen geteilt wurde. Anfang der Woche verkündete auch der Koch Attila Hildmann, er wolle ab sofort „im Untergrund“ leben, weil in Deutschland die Demokratie abgeschafft werde und geheime Kräfte eine „neue Weltordnung“ installieren wollen würden. Choreograf Detlef Soost hatte auf seinem Facebook-Account Fragen zu den Eindämmungsmaßnahmen so gestellt, dass diese implizierten, Deutschland würde sich etwa aufgrund der Corona-Krise weg von der Demokratie hin zu einer Diktatur bewegen.

Passmann reagiert darauf wie folgt: „Ich möchte nur zwei grundsätzliche Methoden von Verschwörungstheorien und der Verbreitung von Verschwörungstheorien andeuten. Das Erste ist: Einfach mal nur Fragen stellen. Da ist Detlef D! Soost auf seiner Facebook-Seite auch gerade ganz groß drin. ‚Darf ich denn etwa selber nicht mehr für mich und meine Familie entscheiden?‘ Doch Detlef, aber wir haben halt ne Pandemie und da gibt’s so Sachen, die muss man machen. Sich zum Beispiel schützen. Und nur Fragen stellen macht einen nicht angreifbar, impliziert aber natürlich trotzdem das, was man sagen möchte. Weil wer fragt: ‚Darf ich dann nicht mehr für mich und meine Familie selbst entscheiden?‘ pflanzt natürlich den Gedanken bei Leuten, die dafür anfällig sind: Ich darf also nicht mehr für mich und meine Familie selber entscheiden.“

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Versteckter Antisemitismus

Passmann greift in ihrem Video ebenfalls kurz das in Kreisen der Verschwörungsideolog*innen oft gängige Bild einer „kleinen Elite“ auf, die „alles tue, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.“ Hierin sieht die Autorin ein eindeutiges Merkmal „verklausulierten Judenhasses“, die Verwendung antisemitischer Stereotype, um das Feindbild eindeutiger zu machen.

Kritik an dem Passmann-Video

Passmann zählt in ihrem Video in ihrer gewohnt sarkastischen Art allerhand Verschwörungsideolog*innen und die Inhalte deren Postings auf. User*innen kritisieren aber etwa, dass Passmann sagt: „Jeder, der schonmal eine Redaktion von innen gesehen hat, weiß, dass ein Presseausweis quasi kostenlos verteilt wird an jeden.“ In Deutschland muss man als Medienschaffende*r mit mehreren Publikationen nachweisen, dass und wo man journalistisch tätig ist und dann den Presseausweis bezahlen oder vom Arbeitgeber bezahlen lassen.

Des weiteren sagt sie: „Auch eine ganz gute Faustregel: Wer es nicht in einer seriösen Zeitung schreibt, sondern selbst publiziert, weil er sich einfach von Gatekeepern nicht mundtot lassen machen möchte. Da gibt es meistens einen Grund, warum die von Gatekeepern mundtot gemacht werden.“ Hierbei spielt die Autorin auf die umstrittene Gatekeeper-These aus der Journalismus- und Kommunikationsforschung an, die Journalist*innen die Meinungshoheit über die Weiterverbreitung von Informationen zuspricht. Die Kritik hieran ist, dass eben nur einem Teilbereich der Medien zugesprochen wird – etwa konventionellen Printmedien – „wichtige Nachrichten“ zu publizieren. Passmann impliziert damit, so die Kritik, dass nur diese Medien dazu in der Lage seien, „wahre Informationen“ zu verbreiten. mr

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