Von „Star Wars“ inspiriert: Das sind die echten Jedi aus Singapur

Sie trainieren mehrmals die Woche mit Lichtschwertern und können über die Kampf-Choreografien in den Star-Wars-Filmen nur lachen: die echten Jedi aus Singapur.

Mitglieder der Saber Authority beim Üben. © Saber Authority

Das Star-Wars-Universum schlägt mit Die letzten Jedi ein neues Kapitel auf und spinnt die Geschichte von Rey, Luke, Kylo und den anderen Jedi mit Lichtschwertern weiter. Viele Fans hoffen dabei nicht zuletzt auf spannende, actionreiche Lichtschwertkämpfe, die sich von den symbolisch aufgeladenen Duellen der alten Trilogie in den neueren Filmen zu spektakulären Hochleistungssportarten entwickelt haben. Dieser Trend gefällt aber bei weitem nicht allen Fans.

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„Als ich als Teenager zum ersten Mal Star Wars: Episode 1 gesehen habe, war ich beeindruckt von dem Lichtschwertkampf zwischen Qui-Gon Jinn, Obi Wan Kenobi und Darth Maul. Heute weiß ich: Die Szenen sind Bullshit. So kämpft doch niemand“, sagt Laurentia. Die 25-jährige Studentin ist aus Singapur, Filmliebhaberin, Fan von SciFi-Literatur – und professionelle Schwertkämpferin.

Echte Kämpfe mit echten Lichtschwertern

Seit zwei Jahren trainiert sie in den Sporthallen der Saber Authority, einer ganz besonderen Kampfkunstschule: „Was wir hier lernen, hat nicht viel mit den hübschen Choreografien der neuen Star-Wars-Filme zu tun. Wir benutzen zwar Lichtschwerter, kämpfen aber mit echten, bewährten, traditionellen Kampfstilen.”

Die Saber Authority wurde 2014 gegründet und verfolgt laut ihrer offiziellen Homepage ein klares Ziel: Couch-Potatos und Gemütlich-Menschen dieser Welt sollen die Herrschaft über ihren Körper zurückgewinnen und den Adrenalinrausch eines echten Kampfes kennenlernen.

Wer für die wöchentlichen Trainingsstunden nicht regelmäßig nach Singapur reisen kann, darf trotzdem am Unterricht teilhaben: Eine kostenpflichtige Mediathek auf der Homepage der Akademie bietet verschiedene Grund- und Fortgeschrittenenkurse im Kampf mit einem oder zwei Schwertern. Die Lektionen weisen Interessierte ironischerweise zu Hause vor dem Bildschirm in die Geheimnisse des Zweikampfes ein. Seit Kurzem gibt es auch eine App, die das Training in der freien Natur und gemeinsam mit Freund*innen erlaubt. Die Saber Authority geht mit der Zeit.

Ein knochenhartes Training

An die Qualität des Unterrichts live und vor Ort kommen diese autodidaktischen Lehreinheiten allerdings nicht heran, findet Laurentia: „Nur wer im Trainingskampf gemeinsam mit anderen Schülern schwitzt, versteht wirklich, was es bedeutet, Kampfkunst zu lernen.“ Und geschwitzt hat Laurentia in den Trainingsräumen der Saber Authority tatsächlich schon sehr viel: Fünfmal die Woche fährt sie direkt von der Uni mit dem Fahrrad auf das Trainingsgelände und verbringt dort mehrere Stunden, lernt Angriffs- und Verteidigungsbewegungen auswendig oder macht Krafttraining.

Dieser Fleiß hat sich für sie bereits ausgezahlt: Anfang dieses Jahres ist sie im internen Rang der Akademie aufgestiegen und darf sich nun Kriegerin nennen. Es ist der dritte der insgesamt vier Ränge, die alle Mitglieder der Saber Authority nach ihren Fähigkeiten bewerten. Nun trennt sie nur noch eine Prüfung vom Erreichen der vierten und letzten Rangstufe, bis sie sich Meisterin nennen und auch andere Schüler*innen unterrichten darf. „Von dem Titel kann ich mir nichts kaufen, aber es macht mich trotzdem stolz. Und ich lerne in jedem Kampf ein Stückchen mehr über mich“, erklärt die Studentin ihre Motivation.

Neben dem Wunsch, sich selbst und den eigenen Körper besser kennenzulernen, ist aber auch die Aussicht auf einen Sieg beim jährlichen Combat Saber Tournament eine große Motivation für Laurentia. Hier treten die Mitglieder des Clubs gegeneinander an, um ihre Fähigkeiten auszutesten. Dabei legen die Verantwortlichen viel wert darauf, dass diese Veranstaltungen an öffentlichen Orten wie Kaufhäusern stattfinden, um direkt noch ein wenig Werbung für ihre Schwertschule zu machen.

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Als Jedi wollen sie dabei, trotz der Lichtschwerter, nicht angesprochen werden. „Die meisten von uns lieben die Star-Wars-Filme und wir werden uns auch alle gemeinsam Episode 8 ansehen“, gesteht Laurentia. Sie und ihre Freund*innen aus der Akademie freuen sich auf die Abenteuer, die Rey und Co. erleben werden – nur auf die Lichtschwertkämpfe, auf die könnte die Kriegerin aus Singapur gut verzichten: „Die Kämpfe zwischen den Jedi und Sith sind unrealistischer als jedes Alien, das in diesem Universum je existiert hat. Ich liebe Star Wars, aber von echten Duellen haben weder Jedi noch Sith die geringste Ahnung.”