Vor welchen Menschen du dein Herz beschützen solltest

Wer verliebt ist, sieht nicht mehr klar. Das ist schön – und auch ein bisschen gefährlich. Woran du erkennst, ob jemand dein Herz verdient hat.

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Er trägt dich auf Händen, aber nur nachdem du vier Tage auf eine Antwort gewartet hast? Hmm, vielleicht ist er doch nicht Mr. Right. Foto: daviles / Photocase.de

So ein Herz ist eine kostbare Sache. Es ist immer einzigartig und oft zerbrechlich. Aber in Watte packen und einmauern ist auf Dauer keine Lösung. Deshalb musst du dir genau und gründlich überlegen, wem du es schenkst. Und wem auch nicht.

Nur ist das leider, leider nicht so einfach: Denn woran lässt sich möglichst frühzeitig erkennen, ob jemand deine Liebe verdient hat und rücksichtsvoll mit deinen Gefühlen umgeht?

Red Flags sind im Detail aufgrund unterschiedlicher Biografien, Triggerpunkte und Erfahrungen für jede*n etwas anderes. Aber es gibt ein paar grundsätzliche Warnzeichen, die jeder noch so gemeinsamen Wellenlänge und animalischer Anziehung zum Trotz klare Fluchtsignale sind.

Und obwohl das meiste davon mit Distanz und rational betrachtet absolut logisch erscheint, sieht die Sache bekanntermaßen noch mal anders aus, sobald Hormone und unbewusste Muster das Kommando übernommen haben – und du zwischen lauter schönen Händen, hübschen Augen und wahnsinnig witzigen Scherzen kaum noch was erkennen kannst.

Deshalb hier ein paar Indikatoren, vor welchen Menschen du dein Herz beschützen solltest.

Wenn jemand oft über andere lästert

Klatsch gehört zum Menschsein dazu und erfüllt durchaus soziale Funktionen. Vor allem in der Kennenlernphase, wenn beide noch etwas unsicher sind und sich noch keine gemeinsamen Themenfelder erschlossen haben, ist „Guck mal, der da mit Steppjacke! Bestimmt ein FDP-Wähler“ ein billiges, aber nachvollziehbares Konversationsschmiermittel.

Unschön wird’s, wenn jemand quasi in einer Tour über andere herzieht. „Dann ist derjenige offensichtlich lieber mit anderen als mit sich selbst beschäftigt und nicht sehr reflektiert“, erklärt die Münchner Paartherapeutin und Beziehungsexpertin Andrea Bräu.

Wer permanent andere bewerte und beurteile und damit abwerte, werte sich laut Expertin damit vermeintlich auf: „Dieser Mensch ist selbst so instabil, dass er sich auf Kosten anderer stabilisieren muss.“ Für eine gemeinsame Zukunft bedeutet das: Dieser Mensch wird sich sehr wahrscheinlich auch über dich stabilisieren und dich – oder auch deine Freund*innen und Familie – abwerten, um sich selbst besser zu fühlen.

Wenn jemand vorschnell deinen Charakter analysiert

„Oha, du bist Skorpion? Tja, dann stichst du bestimmt. Und bisschen hinterlistig, hm?“ Das ist zwar eher so semi-lustig, aber schon noch okay. Also, falls du auf Sternzeichen stehst.

Anders sieht es aus, wenn jemand hobbytherapeutisch deine vermeintlichen Schwächen auseinandernimmt, versucht, dich in eine Schublade zu stopfen und dich permanent auf deine Fehler hinweist. Nur, weil du gern ausgelassen tanzt und dabei die Arme in die Luft wirfst, hast du keine Persönlichkeitsstörung.

„Das sollte alle Alarmglocken zum klingen bringen“, meint auch Andrea Bräu. Entweder handele es sich um eine Person mit narzisstischen Zügen oder um jemanden mit einem sehr negativen Weltblick. Mit einem Hauch Überheblichkeit.

Und das verheißt laut Expertin wenig Gutes für eine Beziehung: „Wer will schon dauernd mit Fehlern und Schwächen, Vorwürfen und Kritik konfrontiert werden?“ Auch hier gehe es primär um Stabilisierung. Über die Zeit sammeln sich so unzählige kleine seelische Verletzungen wie tausend Nadelstiche. Und die zersetzen auf Dauer irgendwann dein Selbstwertgefühl.

Wenn jemand dich ignoriert

Ja ja, wir alle kennen und hassen dieses Spiel mit den versetzten Nachrichten. Eine*r schreibt, der*die andere antwortet ewig nicht. Dafür kann es zwar durchaus gute Gründe und Erklärungen geben; manchmal ist es schlicht Unachtsamkeit. Es gibt allerdings durchaus auch Menschen, für die das ein Machtspiel ist und die sich gut fühlen, wenn sie die Kontrolle haben.

Das treffe laut Expertin vor allem auf Narzisst*innen zu. Und die sind nun mal leider per se toxisch und zumeist entwicklungsresistent, stehen selbst im Mittelpunkt. In einer Beziehung mit so jemandem müsstest du demnach deine Bedürfnisse immer hintenanstellen, Augenhöhe ist nicht möglich. Wenn jemand dich öfter ignoriert und zappeln lässt, ist definitiv Vorsicht geboten.

Wenn jemand nicht zuhört

Ähnliches gilt für Menschen, die dir einfach nicht zuhören. Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, du antwortest mit „Nicht so gut, mein Fuß tut weh“ und die anderen Person erwidert: „Oh, wie blöd. Füße hab‘ ich auch. Hab‘ ich dir eigentlich schon von meinen Händen erzählt …?“ Es gibt Menschen, die schaffen es jedes Mal, das Gespräch innerhalb von ein, zwei Sätzen wieder auf sich zu drehen.

„Dann hat die Person entweder extremen Sprechbedarf oder ist auch narzisstisch. Also jemand, der oder die sich selbst gerne zuhört und sich für andere nicht interessiert“, sagt Andrea Bräu. „Natürlich lässt sich das zu Beginn noch nicht direkt beurteilen. Vielleicht ist jemand so nervös beim ersten Date, dass er oder sie eben mehr redet und das Gegenüber nicht zu Wort kommen lässt.“

Doch Zuhören sei wichtig in Beziehungen, auch hier gehe es um ausgeglichene Bedürfnisse und Einfühlungsvermögen. Wenn deine Geschichten, Erlebnisse, Gedanken und Gefühle schon zu Anfang kaum bis keinen Raum bekommen, ist das ein Ungleichgewicht, das sich voraussichtlich nicht wieder einpendeln wird. Andrea Bräu: „Der oder die andere hat dann möglicherweise wenig Empathie.“ Und so jemandem solltest du dein Herz nicht schenken.

Wenn jemand deine Gefühle oder Wahrnehmung ignoriert

„Ich glaube, wir haben da ein Problem.“ – „Ach was, das täuscht!“ Ja, solche Gespräche gibt es. Und das ist noch eine relativ harmlose Variante. Wenn jemand deine Gefühle und Wahrnehmung ignoriert oder sogar negiert, ist das besonders perfide. Denn irgendwann könntest du anfangen, selbst daran zu zweifeln. Ob das nun aus manipulativer Absicht oder reiner Konfliktscheu heraus passiert, ist dabei zweitrangig.

Es bestehe laut Beziehungsexpertin Bräu die Gefahr, dass du dich selbst sowie das Gefühl dafür, was richtig und falsch ist, verlieren könntest: „Das ist von Augenhöhe meilenweit entfernt und deutet auf eine destruktive Beziehung hin, die immer die Tendenz in Richtung Selbstwertverlust mit sich bringt.“

Wenn jemand dich zu etwas drängt, womit du dich unwohl fühlst

Dass jemand dich nicht zu etwas drängen sollte, womit du dich nicht wohlfühlst, sollte theoretisch sonnenklar sein. Das ist es in der Realität jedoch leider oft nicht. Manchmal passiert es offen, in vielen Fällen aber eher subtil. Häufig spielt auch emotionale Erpressung eine Rolle. Und einige Menschen sind schlicht begabte Manipulator*innen. Okay ist es jedoch nie.

Das heißt nicht, dass du dem*der anderen keinen Gefallen tun kannst – aber du solltest dich selbst okay damit fühlen und es sollte ein Geben und Nehmen stattfinden. Wenn das nicht der Fall ist, stimmt was nicht. „Die Bedürfnisse der überredenden Person sind in so einem Fall höherwertig, auch hier gibt es keine Augenhöhe“, sagt Andrea Bräu.

Jemand, der*die deine Grenzen nicht respektiert – insbesondere dann, wenn es dir schwerfällt, welche zu setzen – hat dein Herz auf gar keinen Fall verdient.

Herz auf, Kopf aber auch

„Keine dieser Dinge haben in Summe eine Aussicht auf eine gelungene Beziehung auf Augenhöhe“, fasst Andrea Bräu zusammen.

Aber es ist gar nicht so einfach, die Balance zu finden zwischen „Herz einmauern“ und „Herz blind riskieren“. Vor allem dann, wenn du schon entsprechende Erfahrungen gemacht hast. Beziehungsexpertin Bräu rät bei Unsicherheit zu einem*einer imaginären Freund*in auf der Schulter: „Das steht für einen Beobachter, der daran erinnern soll, die Metaebene einzunehmen und zu fragen: Sorge ich gut für mich?“ Insgesamt reiche laut Expertin ein gesundes – kein überzogenes – Misstrauen aus: „Letztlich sind wir alle für uns selbst verantwortlich.“

Du hast es verdient, gut behandelt zu werden. Du kannst andere Menschen nicht beeinflussen. Sehr wohl aber, wen du in dein Herz und dein Leben lässt – und wen nicht.