Wann Flirten im Büro eine gute Idee ist – und wann definitiv nicht

Am Arbeitsplatz wird nicht nur gestritten und geackert: Flirten im Büro lässt sich kaum vermeiden – und kann sogar gut sein. Allerdings gilt das nicht für alle.

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Flirten ist im Arbeitsumfeld nicht unbedingt eine gute Idee. Manchmal aber schon. Foto: Tyler Nix / Unsplash | CC0

Kesse Sprüche in der Küche, tiefe Blicke am Kopierer: Wo Menschen so viel Zeit miteinander verbringen wie im Job, da lässt sich ein gewisser Funkenflug manchmal nicht vermeiden. Reine Ablenkung, könnte man so denken. Wer die ganze Zeit den Kolleg*innen schöne Augen macht, arbeitet nicht richtig. Ah, Moment. Nicht so voreilig.

Obwohl Flirten im Büro mitunter nicht ganz unproblematisch ist, kann es andererseits auch helfen, Stress zu mildern und dem Arbeitsklima zuträglich zu sein. Es kommt dabei ganz darauf an, wer wie mit wem flirtet.

Positive Effekte von Flirten im Büro

Wissenschaftler*innen der Washington State University haben sich das Thema Flirten im Büro in einer Untersuchung genauer angeschaut. Dafür haben sie über 1.300 Angestellte in Kanada, den USA und auf den Philippinen zu nicht-belästigendem, harmlosen Flirtverhalten befragt. Dazu gehören unter anderem nette Komplimente, ausgetauschte Blicke und das Erzählen von Erlebnissen aus dem Privatleben.

Ergebnis: Den Sexgeschichten ihrer Kolleg*innen standen die meisten Befragten ziemlich neutral gegenüber. Richtige Flirts hingegen, also zwischenmenschliche Interaktionen, empfanden laut Untersuchung viele als positiv.

„Wenn ein Flirt Spaß macht, kann er echte Vorteile haben. Die Menschen fühlen sich dadurch gut in ihrer Haut. Und das wiederum schützt sie vor anderen Stressfaktoren“, erklärt Studienautorin Leah Sheppard in einer Pressemitteilung. Sie ist der Meinung, dass Flirten im Büro ein ganz normales Verhalten unter befreundeten Kolleg*innen ist. Tja, doch genau da liegt der Haken.

Flirtverbot für Vorgesetzte

Denn im Job gibt es nun mal mehr oder minder ausgeprägte Hierarchien. Selbst bei völlig zweidimensionalen Start-ups hat irgendwer den Hut auf. Und diese Leute sollten auf keinen Fall mit ihren Untergebenen flirten.

„Sobald es ein Ungleichgewicht im Machtverhältnis gibt, riskiert man, in den Bereich der sexuellen Belästigung zu kommen“, so die Forscherin. Denn dann befürchten Betroffene, dass ein Nein oder andere Formen der Ablehnung unter Umständen berufliche Konsequenzen haben könnten. In der Folge trauen sie sich oft nicht, zu sagen, dass ihnen der Flirt im Büro unangenehm ist.

Viele Firmen haben in Bezug auf Flirts am Arbeitsplatz deshalb strenge Regeln, die dem Schutz der Angestellten dienen. So hat Netflix zum Beispiel seinen Mitarbeitenden verboten, Kolleg*innen beim Dreh länger als fünf Sekunden anzuschauen, zu umarmen oder Telefonnummern auszutauschen.

Das finden die Forscher*innen allerdings etwas am Ziel vorbeigeschossen: „Es sind oft nicht die harmlosen Flirts zwischen Kollegen, bei denen eingegriffen werden sollte, sondern die Strukturen und Dynamiken, die es Autoritätspersonen im Unternehmen erlauben, reihenweise Leute schlecht zu behandeln. Sexuelle Belästigung ist ein Teil davon.“

Grenzen respektieren

Also: Harmlose Flirts im Büro unter gleichgestellten Kolleg*innen sind gut fürs Arbeitsklima und helfen gegen alltäglichen Stress. Vorausgesetzt, sie sind einvernehmlich und nicht übergriffig. Dabei ist es extrem wichtig, gegenseitige Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Tja, und Vorgesetzte sind nun mal von jedweder Flirt-Action ausgeschlossen.